Alfa 156 GTA

Alfa 156 GTA alt (1965) und neu (2001) Alfa 156 GTA alt (1965) und neu (2001)

Alfa 156 GTA

— 22.02.2002

So klassisch kann Alfa sein

Erfolg macht mutig: Alfa Romeo besinnt sich seiner Vorbilder und bringt den ersten heißen GTA-Ableger. Den Anfang macht der Alfa 156.

Top-Modell mit Tradition

Audi hat die S-Serie, BMW die M-Marke, Mercedes das AMG-Label: kultige Kürzel, die die stärksten und teuersten Versionen markieren. Power und Prestige, proklamiert durch spröde Buchstaben - unverzichtbar für Autobauer mit Premium-Anspruch. Und Alfa Romeo? Der Sportkanal des Fiat-Konzerns will nach Jahrzehnten im Mittelfeld an der Spitze wieder mitmischen. Das Rüstzeug für diese Mission: vergrößerte V6-Motoren, umfangreiche Serienausstattungen und ein seriöser Sportdress, der sich erst auf den zweiten Blick vom Basis-Allerlei abhebt.

Fehlt nur noch ein knackiger Name, der - zum markanten Logo kultiviert - die ranghöchste Riege bezeichnet. Was liegt da näher, als in der Galerie der großen Ahnen zu kramen? Gerade für Alfa, die Marke mit dem unvergessenen Glanz früherer Tage, eröffnet sich unter der Staubschicht der Vergangenheit ein Fundus an Legenden. Doch nicht alle sind als Taufpaten tauglich.

Veloce? Bereits im GTV verhaftet. Quadrifoglio? Ein Zungenbrecher. Freccia d'Oro? Klingt klasse, ist jedoch fast vergessen - der Goldpfeil wurde zuletzt 1950 abgeschossen. So fiel die Wahl der Marketing-Männer auf GTA. Ein Kürzel, an das wir uns gewöhnen sollten. Denn nach und nach wird jede Alfa-Modellreihe von einer Top-Version dieses Namens gekrönt werden.

Taufpate: ein Giulia Sprint von 65

Den Anfang macht der 156 GTA, der auf der IAA 2001 präsentiert wird. Als erste Journalisten durften wir ihn vorab bestaunen. Und nahmen unseren Besuch im Designstudio zum Anlass, den Star der Milaneser Mittelklasse mit seinem Namensgeber aus den 60er Jahren zu vergleichen. Dabei offenbart sich schnell: Außer dem prägnanten Kürzel gibt es kaum Gemeinsamkeiten. Denn der erste Alfa unter diesem Banner ist alles andere als eine Luxusvariante des Giulia Sprint GT.

Er stellt vielmehr dessen konsequent abgemagerte Basis für den Rennsport dar: hauchdünnes Aluminium-Zink-Mangan-Kupfer-Kleid, keine Dämmstoffe und Sonnenblenden, zahlreiche Teile von den Rädern über die Ölwanne bis hin zum Ventildeckel aus Magnesium. Damit wiegt der Athlet über 200 Kilogramm weniger als sein ziviler Bruder. Und rechtfertigt somit das A - denn das steht für "alleggerita", was "erleichtert" bedeutet. Ein schweres Erbe also für den 156 GTA, der mit knapp 1,4 Tonnen und damit beinahe dem doppelten Gewicht in den Ring steigt.

In technischer Hinsicht entwächst der Neue den Wurzeln seines Ahnen ebenso. Die Leistung von 250 PS resultiert maßgeblich aus der Hubraumerweiterung auf 3,2 Liter. Im Ur-GTA dagegen thront ein Spezial-Zylinderkopf auf dem 1,6-Liter-Vierzylinder, mit stark vergrößerten Ventilen und Vergasern sowie Doppelzündung. Dadurch erstarkt der Giulia-GT-Motor zwar nur um neun auf 115 PS. Doch im Renntrimm stehen doppelt so viele Pferde am Start.

Über 300 PS - aber erst ab 2004

Apropos Motorsport: Ein Wettbewerbsableger des 156 GTA ist laut Alfa nicht geplant, auch wenn der gewaltige Diffusor unter dem Hintern deutliche Ambitionen offenbart. Immerhin macht er einen ästhetisch zweifelhaften Heckflügel überflüssig. Vom Abtrieb zum Antrieb. Schade: Das stattliche Drehmoment von 310 Nm (bei 5000/ min) zerrt lediglich an den Bugrädern. Eine Allradversion ist mit der Bodengruppe, die vom Fiat Bravo/Brava stammt, nicht vereinbar. Erst die nächste Generation soll mit allen Hufen scharren können - und somit mehr Leistung vertragen.

Doch lassen wir dem Neuling etwas Zeit: Ein BMW M3, heute mit 343 PS unterwegs, startete einst mit 200 PS. Immerhin erreicht der GTA schon jetzt das politisch korrekte Tempolimit von 250 - und wird deutlich günstiger zu haben sein als die deutsche Konkurrenz. Weniger als 70.000 Mark wird Alfa wohl aufrufen. Zwei - Zonen - Klimaautomatik, Ganzleder, sechs Gänge (wahlweise als Selespeed mit Lenkrad-Schaltpaddeln) und Xenonlicht inklusive. Vermutlich auch ein Navigationssystem.

Der 147 GTA folgt im Herbst 2002, etwas später der entsprechende 166. Dass Alfa mit dem 156-Nachfolger (Debüt 2004) auf über 300 PS aufrüstet, darf als sicher gelten. Dann ist einmal mehr ein adäquater Name gefragt. Unwahrscheinlich indes, dass er von der Spitzenversion des Ur-GTA stammen wird: Der 170-PS-Krawallbruder trug die Zusatzbezeichnung "Corsa".

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