Alfa 156 GTA

Alfa 156 GTA

— 22.02.2002

So klassisch kann Alfa sein

Erfolg macht mutig: Alfa Romeo besinnt sich seiner Vorbilder und bringt den ersten heien GTA-Ableger. Den Anfang macht der Alfa 156.

Top-Modell mit Tradition

Audi hat die S-Serie, BMW die M-Marke, Mercedes das AMG-Label: kultige Krzel, die die strksten und teuersten Versionen markieren. Power und Prestige, proklamiert durch sprde Buchstaben - unverzichtbar fr Autobauer mit Premium-Anspruch. Und Alfa Romeo? Der Sportkanal des Fiat-Konzerns will nach Jahrzehnten im Mittelfeld an der Spitze wieder mitmischen. Das Rstzeug fr diese Mission: vergrerte V6-Motoren, umfangreiche Serienausstattungen und ein seriser Sportdress, der sich erst auf den zweiten Blick vom Basis-Allerlei abhebt.

Fehlt nur noch ein knackiger Name, der - zum markanten Logo kultiviert - die ranghchste Riege bezeichnet. Was liegt da nher, als in der Galerie der groen Ahnen zu kramen? Gerade fr Alfa, die Marke mit dem unvergessenen Glanz frherer Tage, erffnet sich unter der Staubschicht der Vergangenheit ein Fundus an Legenden. Doch nicht alle sind als Taufpaten tauglich.

Veloce? Bereits im GTV verhaftet. Quadrifoglio? Ein Zungenbrecher. Freccia d'Oro? Klingt klasse, ist jedoch fast vergessen - der Goldpfeil wurde zuletzt 1950 abgeschossen. So fiel die Wahl der Marketing-Mnner auf GTA. Ein Krzel, an das wir uns gewhnen sollten. Denn nach und nach wird jede Alfa-Modellreihe von einer Top-Version dieses Namens gekrnt werden.

Taufpate: ein Giulia Sprint von 65

Den Anfang macht der 156 GTA, der auf der IAA 2001 prsentiert wird. Als erste Journalisten durften wir ihn vorab bestaunen. Und nahmen unseren Besuch im Designstudio zum Anlass, den Star der Milaneser Mittelklasse mit seinem Namensgeber aus den 60er Jahren zu vergleichen. Dabei offenbart sich schnell: Auer dem prgnanten Krzel gibt es kaum Gemeinsamkeiten. Denn der erste Alfa unter diesem Banner ist alles andere als eine Luxusvariante des Giulia Sprint GT.

Er stellt vielmehr dessen konsequent abgemagerte Basis fr den Rennsport dar: hauchdnnes Aluminium-Zink-Mangan-Kupfer-Kleid, keine Dmmstoffe und Sonnenblenden, zahlreiche Teile von den Rdern ber die lwanne bis hin zum Ventildeckel aus Magnesium. Damit wiegt der Athlet ber 200 Kilogramm weniger als sein ziviler Bruder. Und rechtfertigt somit das A - denn das steht fr "alleggerita", was "erleichtert" bedeutet. Ein schweres Erbe also fr den 156 GTA, der mit knapp 1,4 Tonnen und damit beinahe dem doppelten Gewicht in den Ring steigt.

In technischer Hinsicht entwchst der Neue den Wurzeln seines Ahnen ebenso. Die Leistung von 250 PS resultiert mageblich aus der Hubraumerweiterung auf 3,2 Liter. Im Ur-GTA dagegen thront ein Spezial-Zylinderkopf auf dem 1,6-Liter-Vierzylinder, mit stark vergrerten Ventilen und Vergasern sowie Doppelzndung. Dadurch erstarkt der Giulia-GT-Motor zwar nur um neun auf 115 PS. Doch im Renntrimm stehen doppelt so viele Pferde am Start.

ber 300 PS - aber erst ab 2004

Apropos Motorsport: Ein Wettbewerbsableger des 156 GTA ist laut Alfa nicht geplant, auch wenn der gewaltige Diffusor unter dem Hintern deutliche Ambitionen offenbart. Immerhin macht er einen sthetisch zweifelhaften Heckflgel berflssig. Vom Abtrieb zum Antrieb. Schade: Das stattliche Drehmoment von 310 Nm (bei 5000/ min) zerrt lediglich an den Bugrdern. Eine Allradversion ist mit der Bodengruppe, die vom Fiat Bravo/Brava stammt, nicht vereinbar. Erst die nchste Generation soll mit allen Hufen scharren knnen - und somit mehr Leistung vertragen.

Doch lassen wir dem Neuling etwas Zeit: Ein BMW M3, heute mit 343 PS unterwegs, startete einst mit 200 PS. Immerhin erreicht der GTA schon jetzt das politisch korrekte Tempolimit von 250 - und wird deutlich gnstiger zu haben sein als die deutsche Konkurrenz. Weniger als 70.000 Mark wird Alfa wohl aufrufen. Zwei - Zonen - Klimaautomatik, Ganzleder, sechs Gnge (wahlweise als Selespeed mit Lenkrad-Schaltpaddeln) und Xenonlicht inklusive. Vermutlich auch ein Navigationssystem.

Der 147 GTA folgt im Herbst 2002, etwas spter der entsprechende 166. Dass Alfa mit dem 156-Nachfolger (Debt 2004) auf ber 300 PS aufrstet, darf als sicher gelten. Dann ist einmal mehr ein adquater Name gefragt. Unwahrscheinlich indes, dass er von der Spitzenversion des Ur-GTA stammen wird: Der 170-PS-Krawallbruder trug die Zusatzbezeichnung "Corsa".

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