Alfa 159 1.9 JTS 16V gegen BMW 320i

Alfa 159 1.9 JTS 16V Alfa 159 1.9 JTS 16V

Alfa 159 1.9 JTS 16V gegen BMW 320i

— 25.10.2005

Das wird eng!

Das ewige Duell der Sport-Limousinen: Alfa Romeo gegen BMW. Die Neuauflage 159 gegen 320i verspricht ein heißes Rennen.

Knackig, kantig, emotional: der 159

Tu' Gutes und rede darüber. Nach dieser alten Weisheit handelt BMW. Doch es klingt schon etwas arrogant, wenn die bayerische Premium-Marke, so erfolgreich sie momentan auch ist, behauptet: "Wir bauen das beste Auto der Mittelklasse." Gemeint ist der 3er, der seit diesem Frühjahr auf unseren Straßen fährt.

Anspruch und Wirklichkeit. Der Münchner mußte bislang in drei AUTO BILD-Vergleichen drei Niederlagen einstecken (gegen Audi A4 und Mercedes C-Klasse), konnte nicht einmal aufs Siegerpodest fahren. Jetzt kommt ein weiterer Konkurrent hinzu. Die Italo-Autoschmiede Alfa Romeo, die sich selbst als "Erfinder der Sportlimousine" bezeichnet, schickt den 159er ins Rennen. Erklärter Lieblings-Gegner: der 3er.

Schönheit vor Perfektion. Der 159, erst seit wenigen Wochen im Handel, macht sofort an. Knackige Proportionen, kantige Profilierungen, tiefe Haube, markanter Grill, mega-aggressiver Blick, kurzes Heck. Und alles mit italienisch-lässigem Flair. Wer jetzt noch die Haube öffnet, kommt vollends ins Schwärmen. Eine Augenweide, dieser Motor, selbst als Einstiegs-Vierzylinder 1.9 JTS. Von Emotionen scheint BMW nicht viel zu halten. Vom Zweiliter-Vierzylinder im 320i ist nur schnödes Plastik zu sehen.

Einen besseren Alfa gab es noch nicht

Meine Meinung: Wenn es überhaupt jemand schafft, Kunden vom 3er wegzulocken, ist es tatsächlich dieser Alfa. Der 159 verkörpert genau jene Sportlichkeit, die einst der 3er für sich in Anspruch nahm. Er strahlt Rasse aus und eine Erotik, die wir nur noch an ganz wenigen Großserienautos finden. Dafür gibt es hier leider keine Punkte. In diesem Vergleich zählen andere Werte.

Qualität zum Beispiel. Zweifellos: Einen besseren Alfa gab es noch nicht. Die Türen klingen satt, der Innenraum gefällt durch eine Mischung aus Sport, Leder und Metall. An die exzellente Verarbeitung im BMW (fast 7er-Niveau) reicht der Alfa zwar noch nicht ran, doch hier haben die Italiener einen Riesenschritt gemacht. Hoffentlich stimmt endlich auch die Langzeitqualität. Das Gefühl, maßgeschneidert im Auto zu sitzen, vermittelt mir der 3er mehr. Schade jedoch, daß ihm über die fünf Generationen der jugendliche Charme, das Emotionale verlorenging.

Sportlimousinen, die sie beide sein wollen, sind im wesentlichen fahrerorientiert. Gäste im Fond dürfen daher keine großen Ansprüche an den Platz stellen. Obwohl der 159 im Vergleich zum 156 um 23 Zentimeter auf 4,66 Meter gewachsen ist, nun sogar 14 Zentimeter länger als der 3er ist, bietet er für die Knie deutlich weniger Platz als der BMW. Auch der Kofferraum ist gut zehn Prozent kleiner und etwas enger zu beladen.

Werksangaben und Testwerte

Doch für Alfisti ist dies nicht mehr als ein Schönheitsfleck im Gesicht einer Frau. Etwas stärker wird die Liebe gefährdet, wenn es ums Fahren geht. In der Beschleunigung und Elastizität hat der Alfa das Nachsehen, trotz zehn PS mehr Leistung. Der Grund liegt erstens beim Gewicht (135 Kilo schwerer) und zweitens beim schwächeren Drehmoment (minus zehn Nm), das zudem erst 900 Umdrehungen später anliegt als die 200 Nm im BMW.

Der Sound macht sicher wieder alles gut, oder? Leider nicht. Der Doppelnockenwellen-Motor mit direkter Benzineinspritzung dreht leise und weich. Zu leise! Die Geräuschdämmung ist besser denn je – und vom legendären Röhren nichts mehr zu hören. Wird Alfa etwa erwachsen?

Kosten und Ausstattungen

Das neue Selbstbewußtsein von Alfa drückt sich auch im Preis aus: 26.700 Euro kostet der 1.9 JTS und ist damit dem 320i bis auf 950 Euro ziemlich dicht ans Blech gerückt. Bei allerdings etwas besserer Ausstattung und drei Jahren (oder 120.000 Kilometer) freiem Service inklusive Ölwechsel. Ein netter Zug. Den BMW in ähnlicher Form auch anbietet – für 870 Euro extra.

Die AUTO BILD-Wertung

Überaus talentiert zeigt sich der italienische Schönling in Sachen Fahrdynamik. Trotz Frontantriebs bleibt er auch in schärfer gefahrenen Kurven weitgehend neutral, zerrt nicht am Lenkrad, läßt sich zielgenau einlenken. Zum 3er mit seinem Hinterradantrieb bleibt aber auch hier noch ein kleiner Abstand.

Das gilt auch für die Bremsen. Der Alfa braucht 38 Meter aus 100 km/h, der 3er knapp 36 – absolut vorbildlich. Ebenso die höchste Wertung von fünf Sternen im Euro-NCAP-Crash, die der 3er bereits erreicht hat. Alfa ist überzeugt, dies auch zu schaffen. Mit guten Aussichten. Die Insassen schützen gleich sieben Airbags (der siebte steckt unter der Lenksäule). Aus dem schlechten Abschneiden des Vorgängers 156 mit schwacher Karosseriestruktur haben die Italiener hoffentlich gelernt.

Hier ist Ihre Meinung gefragt

Ob ein Auto letztlich ankommt, wissen nur die Verbraucher selbst – also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig. Vergeben Sie eigene Noten für BMW 320i und Alfa 159 1.9 JTS 16V. Den Zwischenstand sehen Sie nach Abgabe Ihrer Bewertung.

Autor: Michael Specht

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