Alfa Giulietta 2.0 JTDM TCT: Fahrbericht — 01.02.2012
Genügsamer Italiener mit Temperament
Im Alfa Giulietta arbeitet ab sofort optional das Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe TCT aus dem MiTo. Für mehr Sportlichkeit und weniger Verbrauch, heißt es. Ein erster Fahrbericht.
Italienische Autos haben es nicht leicht: rassig sollen sie sein und möglichst wunderschön, sportlich und doch irgendwie genügsam – und dabei natürlich auch den Geldbeutel schonen. Diese Gratwanderung versucht
Alfa Romeo bei seiner
Giulietta mit Einführung des neuen Doppelkupplungsgetriebes TCT. Das Sechsgang-Getriebe ist im Zweiliter-Diesel (170 PS) sowie im gleich starken 1.4 Multiair-Benziner verfügbar. Alfisti kennen den schnellen Schalter bereits seit geraumer Zeit aus dem knackigen MiTo. Wir haben uns die Kombination aus kraftvollem Diesel-Giulietta und TCT-Getriebe auf einer ersten Ausfahrt genauer angesehen.
Der erste Eindruck ist positiv: Der TCT-Diesel überzeugt durch dynamisches Auftreten und saubere Gangwechsel.
Der kompakte Gegner von
BMW 1er,
Audi A3,
VW Golf,
Hyundai i30 und Co. soll mit dem Doppelkupplungsgetriebe (DKG) im Schnitt laut Hersteller nur noch 4,5 Liter Diesel (119 Gramm CO
2 pro Kilometer) verbrauchen, Start-Stopp ist serienmäßig an Bord. Ein optimistischer Wert, unsere Sparfahrt – auf einer Rennstrecke nahe Mailand – ergab 6,8 Liter. Erste Tests des Getriebes unter Normalbedingungen werden hier sicherlich bessere Verbrauchswerte liefern, im sparsamen Alltagsbetrieb sollte locker die Fünf vor dem Komma zu schaffen sein. Sehr fein: Das TCT schaltet in der Giulietta zuverlässig und ohne Ruckeln, wie es bei manch anderen Autos mit DKG leider üblich ist. Schön auch der reibungslose Übergang von der Automatik ins manuelle Fahren per Schaltwippen und zurück. Kleiner Kritikpunkt: Die Gangwechsel könnten einen Tick schneller über die Bühne gehen.
Den getesteten 2.0 JTDM TCT gibt es ab 28.900 Euro, die Preisliste des 1.4 Multiair TCT beginnt bei 26.000 Euro.
In Sachen Fahrdynamik gibt sich die TCT-Giulietta etwas bissiger, als man das vom Handschalter gewohnt ist. Das spricht für eine gelunge Übersetzung. Der Kompakte macht auf der Rennstrecke Spaß, vor allem dann, wenn man immer mal wieder die Schalt-Paddles einsetzt. Auch die Soundingenieure haben einen ordentlichen Job gemacht. Bei niedrigen Drehzahlen schnurrt der Diesel angenehm leise, im oberen Bereich klingt der Motor schön rassig. Die Bremsen packen kräftig zu, bei Tempo 218 ist Schluss mit Vortrieb. Hausaufgaben fürs Facelift, das 2013 oder 2014 ansteht? Ja, unbedingt! In Sachen Rundumsicht (katastrophal) und beim Platzangebot für die Fondpassagiere gibt's noch gut zu tun. Gern stößt man als 1,80-Meter-Durchschnittsmann hinten mit dem Kopf an die Fahrzeugdecke. Sei's drum: Alfa-Fans werden den Alfa Romeo Giulietta TCT wegen seines sportlichen Designs, seiner Agilität und seiner Sparsamkeit lieben.
Technische Daten Vierzylinder in Reihe • vier Ventile pro Zylinder • Hubraum 1956 ccm • Leistung 125 kW (170 PS) • maximales Drehmoment 320/350 Nm bei 1500/1750 (normal/dynamic) U/min • Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe • L/B/H 4351/1798/1465 mm • 0-100 km/h 7,9s • Spitze 218 km/h • EU-Mix 4,5l D/100km • CO2 119 g/km •
Preis 28.900 Euro.
Boris Pieritz
Fazit
Fazit: Im Vergleich zum Vorgänger 147 ist die Giulietta ein Quantensprung und hat Boden auf die Konkurrenz um Golf, Focus und Co. gut gemacht. Alfa-Fans werden den Kompakten mit Sicherheit auf ihren Wunschlisten haben. Gerne auch mit dem TCT-Getriebe, das die Themen Dynamik und Sparsamkeit wunderbar auf einen Nenner bringt.
Kommentare zum Artikel (9)
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Wir mein nächstes Auto nach dem Alfa GT :)
Ein richtiger Alfa ist die Giulietta erst dann wieder, wenn sie einen Heckantrieb hat.
Was fremd ist, ist schlecht! Deutsche Wertarbeit, deutscher Stahl oder gar nix!!!
2/2
Ich persönlich bin mit dem Golf 6 jedenfalls sehr zufrieden, mag aber ebenso unsere Jule. Der Golf hat das etwas bessere Fahrwerk, dafür ist Jule innen und außen hübscher. Verarbeitung und Alltagsnutzen ist für mich bei beiden toll, Rundumsicht geht an den Golf. Aufmerksamkeit von anderen bekommt ausschließlich Jule, sie ist aber auch hübsch ;)
Die Motoren möchte ich nicht vergleichen, da im Golf ein TSI steckt und Jule nen JTDm hat. Ich bin froh, dass es beide Autos gibt und sehe für mich persönlich keinen klaren Sieger :)
1/2
Naja, Autos sind für Menschen emotional aufgeladene Gegenstände. Du musst es so sehen, als wäre hier eine permanente Fußballweltmeisterschaft. Der Golf ist die deutsche Nationalelf und die Giulietta die italienische Nationalelf. Entsprechend sind die Sympathien verteilt und beeinflussen auch einen Test. Aber sein wir mal ehrlich: Die Mehrzahl der Fahrzeuge ist heute wirklich gut. Als Freund einer bestimmten Marke leidet man beim Testverlust dann aber trotzdem wie nach einem verlorenen Fußballspiel ;)