Alfa Romeo 155 (1992-1997)

Gebrauchtwagen Alfa 155 Gebrauchtwagen Alfa 155

Alfa Romeo 155 (1992-1997)

— 25.02.2002

Renner im Ruhestand

Der DTM-Gewinner von 93 ist noch kein Ren(n)tner. Eher das Sportabzeichen der Mittelklasse.

Karosserie und Verarbeitung

Unser Gebrauchtwagen-Test begann mit einem Schreck: Ungleiche Spaltmaße und fingerbreiter Ebenenversatz am Kofferdeckel ließen einen miserabel reparierten Heckschaden vermuten. Keine Ausgangsbasis für eine objektive Beurteilung. Erst Kfz-Sachverständiger und begeisterter Alfisto Sven Knabbe konnte uns beruhigen: "Keine Sorge, die sehen alle so aus. Nur völlig parallele Spalten deuten auf einen penibel reparierten Knaller hin."

Also immer noch haarsträubendes Qualitätsniveau bei Alfa? Klares Nein. Den Rost hat Alfa besiegt, unser immerhin Sechsjähriger zeigte nur unwesentlichen Befall an den Bremsleitungen. Am Blech keine Spur. An die Verarbeitung sollte man trotzdem nicht zu hohe Ansprüche stellen: Speziell die Elektrik hält allerlei Zicken parat, um das Nervenkostüm der Fahrer zu testen. Deshalb: Vor dem Kauf alle Verbraucher testen, auch die kleinen Elektromotörchen der Außenspiegel oder der Sitzverstellung.

Am Interieur selber gibt es wenig zu kritteln. Eine gewisse Klapperneigung ist nicht zu überhören, und die Sitzposition paßt nur bis zu einer Körpergröße von etwa 1,80 Meter. Dazu stören die großen Radkästen und die vorstehende Pedalerie. Allerdings ist der erste Dreh am Zündschlüssel geeignet, solche Vorbehalte gegen die Marke über Bord zu werfen.

Motor und Technik

Alle Aggregate - ob Vierzylinder oder V6 - fallen sofort in heiser röchelnden Leerlauf. Bereit, jede Regung des rechten Beines entgegenzunehmen. Hier ist der Gaszug noch direkter Draht zwischen Fußsohle und Drosselklappe. Immerhin sorgen mindestens 115 PS für Vortrieb im 1.7 TS. TS steht für Twin Spark - zwei Zündkerzen pro Zylinder. Die halten die Flammwege kurz, bringen höhere Verdichtung ohne Klopfgefahr. Richtig nett wird es mit dem 2.0 TS. 150 PS bringen Sound und Biß für kurze Überholwege. Ohne Einbußen an Lebensdauer.

Weil Alfa im 155 auf Turbo-Experimente verzichtete, gelten die Vier- und Sechszylinder als standfest, regelmäßige Wartung vorausgesetzt. Wer sie verschlampt, muß sich nicht wundern, wenn ihm bald der Zahnriemen um die Ohren fliegt. Auch rüde Drehzahlorgien bei kaltem Öl mag der Italiener nicht; dort werden Grundsteine für Lagerschäden und defekte Zylinderkopfdichtungen gelegt.

Ein Fall für sich sind die V6: Ihre Wasserpumpe wird zuweilen undicht. Da es vorn drin aber extrem eng zugeht, muß zum Austausch der Motor raus - dann werden zwei Mille fällig, unter Freunden. Die braucht der Alfa-Fan sowieso, am besten in einer kleinen, unabhängigen Werkstatt. Die Ersatzteile jenseits des Brenners besorgen, wo sie oft nicht mal die Hälfte kosten. Dann muß die Liebe zu dem scharfkantigen Ex-Tourenwagen-Meister auch nicht teuer sein.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 4/92 Einführung des frontgetriebenen Alfa 155 als Nachfolger des 75, 2,0-Liter-Vierzylinder (Twin Spark) mit 129 und 144 PS; 2,5-Liter-V6 mit 165 PS 4/93 1,7-Liter-Twin-Spark, 115 PS; Zweiliter nun mit 142 PS, Einführung Alfa 155 Q4 mit zunächst 190, später 187 PS; ABS serienmäßig für alle Modelle 1/94 Fahrer-Airbag serienmäßig, Einführung Diesel (125 PS) 5/95 Leichte Retuschen, neuer 2,0-Liter-Twin-Spark, 150 PS; Diesel mit Oxi-Kat bei unveränderter Leistung 10/97 Modellablösung durch den Alfa 156

Schwachstellen • Elektrische Anlage zettelt schon mal Störungen an. Kritisch jedoch erst, wenn lebenswichtige Teile wie der Kühlerlüfter streiken - die folgende Überhitzung kann den Motor hinrichten • Bremsscheiben gehören bei sportlich bewegten 155 zum normalen Verschleiß • Bremszangen haben eine Neigung zur Korrosion und damit zum Klemmen, besonders an der Hinterachse. Erkennbar an ungleicher Handbremswirkung - dem Hauptmangel bei der Hauptuntersuchung • Wasserpumpe wird vereinzelt undicht, kann ebenfalls Überhitzungen provozieren. Drama beim V6 - zum Austausch muß der Motor raus • Ölverlust gehört zu einem Alfa wie die kalte Nase zum Hund. Aber nur, bis Tropfen am Motor hängen - dann ist eine Abdichtung fällig

Reparaturkosten Preise inklusive Lohn und Mehrwertsteuer am Beispiel eines Alfa 155 2.0 TS, 110 kW/150 PS, Baujahr 95. Die Preise für Motor und Auspuff übersteigen den Rahmen der Vernunft deutlich. Gut, daß es dafür freie Anbieter gibt.

Fazit und Expertentipp

Fazit "Für den 155 gilt wie für alle Alfa der Neunziger: Die rostbraunen Zeiten sind vorbei. Die jüngeren Modelle sind sehr resistent gegen Korrosion, allenfalls die Bremsleitungen können bei ungepflegten Fahrzeugen ersten Flugrost zeigen. An alte Zeiten erinnern eher die elektrischen Zicken, die sich der 155 erlaubt: Fernentriegelung für den Kofferdekkel, elektrische Sitzverstellung, Fensterheber oder Außenspiegel - Wackelkontakte sind keine Seltenheit. Mechanisch dagegen leistet sich der 155 keine Schwächen. Motor und Getriebe sind sehr langlebig, wenn man den großen Ölmengen Zeit zur behutsamen Erwärmung einräumt, nur die Bremssättel können mit der Zeit festgehen - ein Fall für die Werkstatt." Sven Knabbe, Prüfingenieur bei der GTÜ

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