Alfa Romeo 164 (1988-1998)

— 25.02.2002

Aus Freude am Schrauben

Liebe tut manchmal weh. Der 164er verdreht manchem Romeo den Kopf - und bricht ihm dann das Herz. Der Technik-Teufel sitzt im Detail.

Karosserie und Elektrik

Lieben heißt leiden. Wer kennt diese Weisheit besser als Alfa-Fahrer? Wer einen guten gebrauchten 164er sucht, leidet besonders. Die ersten Baujahre nervten schon als Neuwagen mit schlampiger Verarbeitung, die selbst mit viel Mühe kaum nachgebessert werden konnte. Mit Elektrik-Defekten muss man leben lernen, wobei hier unterschiedliche Reaktionen bei 164-Besitzern zu beobachten sind: Wer aus einem Japan-Derivat umsteigt, wird rasch verzweifeln. Besitzer eines Alfa 33 hingegen bemerken gerne, dass die Kontroll-Lampen des 164 gar nicht so häufig blinken. Hier manipulieren aber unehrliche Verkäufer gern und kappen den Anschluss der Lämpchen. Ein Druck auf die Test-Taste im Cockpit lässt alle Kontrollen mit Ausnahme der ABS-Lampe aufblinken - und schon herrscht Gewissheit.

Der 164 basiert auf der Typ-4-Plattform, die von Fiat, Alfa, Lancia und Saab entwickelt wurde. Das sollte Kosten senken und die Qualität heben. Beim Blech ist das gelungen, dank Teilverzinkung trotzt der 164 wacker der braunen Pest. Im Gegensatz zu seinen Federbeinen, die vor allem bei frühen Baujahren gern am Federteller rosten. Bricht diese Korrosionsstelle während einer Kurvenfahrt, kann es brenzlig werden. Das Fahrwerk hält aber noch weitere Überraschungen parat. "Schwimmt" der Alfa in der Kurve, sollte die Hebebühne das Fahrtziel sein. Profis erkennen sofort, ob die Achslager verschlissen sind. Leider kann hier nicht wie bei anderen Typen das Lager aus seiner Führung ausgepresst und ersetzt werden. Vielmehr ist ein kompletter Tausch der vorderen Querlenker und meist auch der hinteren Längslenker nötig.

Läutet während des Werkstattaufenthalts das Telefon, ersucht der Meister wahrscheinlich um Erlaubnis zum Bremsentausch. An der Vorderachse ersetzen sportliche Fahrer alle 15.000 Kilometer die Klötze. Grundsätzlich empfehlen wir Originalersatzteile, doch hier gilt eine Ausnahme: In Alfa-Kreisen erfreuen sich Bremsen der Marke Ferodo großer Beliebtheit. Sie sollen wesentlich haltbarer sein, allerdings haben wir dies noch nie getestet. An der Hinterachse nervt wiederholt die defekte Feststellbremse. Je nach Art des Defektes kann man den Bremssattel überholen oder besser gleich erneuern - keine Arbeit für Freizeit-Schrauber, hier wird Pfusch rasch lebensgefährlich.

Motor und Antrieb

Ebenso sollte der Motor auch nur in wissende Hände gelangen, denn bei schlampiger Arbeit zeigt sich der Italiener sehr nachtragend. Das Werk schreibt je nach Motorisierung einen Zahnriemenwechsel-Intervall von 80.000 bis 120.000 Kilometern vor. Wer sich daran hält, kann den Motor auch gleich tauschen, denn meist reißt der Riemen schon vorher. Alfa-Kenner empfehlen schon bei 60.000 km einen neuen Riemen und minimieren so das Motorschaden-Risiko. Bis 95 verbaute Alfa noch wenig zuverlässige hydraulische Zahnriemenspanner, die schon viele Triebwerke auf dem Gewissen haben. Der später verwendete mechanische Spanner kann aber nachgerüstet werden.

Ebenso ein Problem der älteren Fahrzeuge ist die Wasserpumpe. Ein Austausch kostet im Markenbetrieb inklusive Arbeitszeit und Steuer rund 380 Euro. Arbeitsintensiv wird es, wenn der Ölverbrauch weit über einen Liter pro 1000 Kilometer steigt. Dann wollen die Ventilschaftdichtungen gewechselt werden, dazu muss man auch die Nockenwelle ausbauen. Sind die Nocken eingelaufen, fehlt es dem Motor an Kraft und es lohnt eine komplette Zylinderkopf-Überholung. Dabei kann man bei jüngeren Fahrzeugen mit hydraulischem Ventilspielausgleich die Hydraulikstössel tauschen, wenn sich diese zuvor mit lauten Klappern bemerkbar machten.

Sämtliche Mängel und Reparatur-Tipps rücken den 164 rasch in falsches Licht. Wenige Limousinen dieser Klasse sind vergleichbar günstig am Gebrauchtwagenmarkt und bieten diese Fahrfreude. Leider sind zahlreiche Autos in Händen mit wenig Geld und sehen selten einen Marken-Mechaniker. Ein großer Alfa Romeo ist eben kein Auto für schmale Brieftaschen und wird nach Billig-Reparaturen rasch zum Problemfall. Neben abgestempeltem Serviceheft, gutem Zustand und niedriger Laufleistung sollte auch der Verkäufer einen vertrauenerweckenden Eindruck hinterlassen. Alfa-Kauf ist Vertrauenssache.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 11/88 Einführung in Deutschland mit Zweiliter-Vierzylinder (143 PS) oder Dreiliter-V6 (184 PS) 6/90 Quadrofoglio Verde (grünes Kleeblatt) mit Rundumspoilersatz und auf 200 PS angehobener Leistung 9/91 Zweiliter-V6-Turbo, 205 PS 9/92 Modellpflege, zu erkennen an Ellipsoid-Scheinwerfer. Quadrofoglio Super mit 210 PS, 24V mit 232 PS 1/94 Fahrerairbag und Gurtstraffer Serie, neuer 2,5-l-TD mit 125 PS 9/98 Modellwechsel zum 166

Schwachstellen • Ölverlust an Motor (rechts) und Getriebe tritt beim 164 sehr häufig auf, kommt teuer in der Beseitigung • Motoren neigen zu Überhitzungen, was oft Folgeschaden eines gerissenen Keilriemens oder defekten Thermoschalters ist. Beim V6 sind dann in der Regel gleich zwei Zylinderkopfdichtungen zu wechseln • Zahnriemen sorgen bei sämtlichen Maschinen für kapitale Motorschäden • Elektrik hält einige Überraschungen bereit, eine Spezialität sind falschen Alarm anzeigende Kontrollleuchten • Bremsanlage weist hohen Verschleiß an Scheiben und Belägen auf

Reparaturkosten Preise inklusive Lohn und Mehrwertsteuer am Beispiel Alfa 164 3.0 V6 Super, 132 kW/180 PS, Bj. 94. Auffällig ist, dass ausgerechnet die oft benötigten Verschleißteile der Bremsen sehr teuer sind. Kein Wunder, dass viele Alfisti im freien Handel kaufen.

Preise für ErsatzteileAlfa Romeo 164
Kotflügel vorn, lackiert
580 Euro
Scheinwerfer komplett
280 Euro
Bremsscheiben u. -klötze vorn
415 Euro
Bremsklötze vorn (ein Satz)
130 Euro
Getriebe (AT)
2700 Euro
Motor ohne Anbauteile
9000 Euro
Lichtmaschine (AT)
520 Euro
Anlasser (AT)
390 Euro
Wasserpumpe (AT)
380 Euro
Endschalldämpfer
235 Euro

Fazit und Modellempfehlung

Fazit "Der Alfa 164 offenbart bei der Hauptuntersuchung ein breites Mängelspektrum. Am ausgeprägtesten ist der Ölverlust an Motor und Getriebe, der bei älteren Baujahren besorgniserregende Ausmaße erreicht. Außerdem leidet die Bremsanlage unter dem oft forschen Fahrstil der Alfisti - Bremsscheiben und -belägen ist da keine lange Lebensdauer beschieden. Haltbar sind jedoch Bremsleitungen und -schläuche, ganz im Gegensatz zu den Lenkgelenken." Gunnar Dahm, Gutachter TÜV Rheinland/Berlin-Brandenburg

Modellempfehlung Alfa 164 3.0 V6 Super (132 kW/180 PS)

Steuer/Schadstoffklasse: 325 Euro im Jahr/Euro 1 Testverbrauch: Werksangabe 12,4 Liter, gemessen 12,2 Liter (S) Versicherung: Vollkasko (32/500 Euro SB): 2404 Euro; Teilkasko (38/150 Euro SB): 643 Euro; Haftpflicht (22): 1240 Euro (Basis: HUK-Jahrestarife für Regionalklasse Berlin, 100 Prozent) Inspektion/Kosten: 15.000 Kilometer. Kosten: etwa 250 bis 400 Euro Wertverlust: Vierjährige verlieren rund 71 Prozent vom Neupreis (Händlerverkaufspreis), danach jährlich um 1500 Euro Verlust

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