Alfa 8C Competizione Spider

Alfa Romeo 8C Competizione Spider Alfa Romeo 8C Competizione Spider

Alfa Romeo 8C Competizione Spider

— 12.12.2006

Der Ferrari von Alfa

Herzklopfen auf Italienisch: 70 Jahre nach dem ersten offenen Achtzylinder baut Alfa wieder einen Traumwagen – den 8C Competizione Spider.

Rot ist die Hausfarbe des Cuore sportivo, der Marke mit dem sportlichen Herz. Rot wie Campari, Lambrusco und Barolo. Rot wie die Rennwagen von Ferrari, Maserati und Alfa Romeo. Rot wie die Liebe zu mehr Zylindern, mehr Hubraum, mehr Leistung und mehr Drehmoment. Deswegen ist auch der erste und einzige Alfa 8C Competizione Spider weder nachtschwarz noch kanariengelb lackiert, sondern rosso. Genauer gesagt rosso 8C, das selbst an diesem bewölkten Montag drei Blenden heller wirkt als das klassische rosso Corsa. Angesagt war eine Ausfahrt rund um Mailand, doch weil es in Strömen regnet, haben wir umdisponiert.

Schön und schnell: Der offene Alfa soll 300 km/h schaffen.

Als Spielwiese für den 8C dient stattdessen Halle 1 im stillgelegten Alfa-Werk von Arese. Das Stadion für die nächsten Stunden ist geschützte 2,2 Kilometer lang und 750 Meter breit. Statt Hütchen dienen bunte Eisenstützen als unnachgiebige Slalomstangen. Die Löcher im Betonboden sind noch größer und tiefer als auf der Via Appia zwischen Ostia und Pompeji – aber da muss er durch, unser roter Renner. Der 8C Spider ist zwar ein sündhaft teures Einzelstück, doch die Technik unter der handgefertigten Karosserie hat ihre Feuertaufe längst hinter sich. Motor, Getriebe und Chassis stammen nämlich im Prinzip aus dem Maserati GranSport.

Nix für lange Beine: der Arbeitsplatz des 8C Spider.

Bitte Platz zu nehmen in der strengen Kammer: Der Schalensitz passt wie eine Mischung aus Hüftzwinge und Schulterklemme, die extraflache Windschutzscheibe teilt das Sichtfeld eines Zwei-Meter-Fahrers ungefähr auf halber Höhe, und der enge Fußraum fühlt sich eher der Pedalerie verpflichtet als langen Beinen mit einer Schuhgröße von 46. Aber der Motor! Die Signori Pavarotti, Ramazotti und Celentano hätten selbst im Kollektiv keine Chance gegen die Klangfülle dieses Achtzylinders gehabt. Er beherrscht vom vielkehligen Leerlauf-Timbre bis zum orchestralen concerto grosso das komplette akustische Gänsehaut-Repertoire. Theoretisch beschleunigt der rote Renner in weniger als vier Sekunden von null auf 100 km/h. Praktisch ist nach der zehnten Stütze Schluss mit lustig, denn ohne Bremsfallschirm droht eine Rutschpartie über verölte Entwässerungsgitter ins Off. Auch die Höchstgeschwindigkeit von 300 km/h bleibt natürlich ein theoretischer Wert, den man glauben, aber nicht überprüfen kann.

Schönes Heck mit Platz dahinter: Der Kofferraum fasst 250 Liter.

Der Spider basiert auf dem 8C Coupé, das Ende 2007 in Kleinserie geht. Geplant sind 500 Stück zum Preis von knapp 160.000 Euro. Wie stehen die Chancen für die Open-Air-Version? "Das Thema ist noch nicht ausdiskutiert", glaubt Wolfgang Egger, der deutsche Alfa-Chefdesigner. "Doch die Vorarbeiten sind weitgehend abgeschlossen. Wir haben eine praktikable Verdecklösung entwickelt, Platz geschaffen für einen rund 250 Liter großen Gepäckraum und die Verwindungsfestigkeit des Aufbaus optimiert. Was jetzt noch fehlt, sind genug Kunden, um den Mehraufwand zu kompensieren."Der offene 8C entspricht von den Abmessungen her eher dem Maserati Coupé als dem Spyder. Er ist 4,34 Meter lang, 1,88 Meter breit und 1,28 Meter flach. Der Radstand beträgt 2,65 Meter, das Zielgewicht liegt unter 1500 Kilo, der cw-Wert von 0,39 ist ein Tribut an den 70er-Jahre-Look. "Die Aerodynamik bewegt sich auf Ferrari-Niveau", verrät Wolfgang Egger.

Der Luftwiderstandswert leidet unterm Retro-Look: cw 0,39.

"Wir haben den Unterboden verkleidet, den Frontspoiler mit dem Lufteinlass kombiniert und hinten einen Diffusor eingebaut. Jetzt ist das Auto auch bei sehr hohem Tempo absolut richtungsstabil. Trotzdem denken wir gemeinsam mit Dallara über eine versione pista nach, die mit extremerer Aerodynamik noch mehr Abtrieb produziert." Im Gegensatz zum Coupé ist der Spider mit einem Sechsgang-Handschalter bestückt. Die Mehlsack-Kupplung erinnert an die Beinpresse im Fitness-Studio, das Einrasten der Gänge bestimmt der Zufallsgenerator, und die Schaltebenen sind ungefähr so verbindlich wie das Orakel von Delphi. Doch diese Schwächen verblassen, sobald der Reiter dem Ross die Sporen gibt. Die 20-Zöller halten die Spur, als kämpften sie um den Sieg im Grand Prix von Arese, das geschmeidige Doppelquerlenkerchassis spielt mit den Quer- und Längskräften Katz & Maus, und die überirdische Bremse verhindert ein ums andere Mal den GAU. Obwohl kein Dach die Konstruktion zusammenhält, vermittelt das Kohlefaser-Monocoque selbst auf hoppeligem Geläuf die Statik einer Trutzburg.

Es mag politisch umstritten sein, dem 8C einen größeren und bulligeren 4,7-Liter-V8 zu spendieren als dem Gran Sport, dem Quattroporte und dem Ferrari F430. Aber es hilft der Marke Alfa Romeo, wenn sie nach dem Montreal, den frühen GTA und dem Tipo 33 endlich wieder ein Straßenauto im Programm hat, mit dem es sich so engagiert durch die Emilia Romagna glühen lässt, dass selbst veritable Supersportwagen mindestens zwei Gänge zurückschalten müssen. Keine Frage: Mit dem 8C wird Alfa-Rot wieder zu einer Farbe, die Respekt verdient und einen Sonderapplaus für den Mut zum Risiko erhält.

Autor: Georg Kacher

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