Alfa Romeo Sportwagon (ab 2000)

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Alfa Romeo Sportwagon (ab 2000)

— 02.06.2005

Reine Ansichtssache

Schön ist er, der Alfa 156 als Kombi, genannt Sportwagon. Aber auch reichlich kapriziös.

Qualität und Technik

Liebe Alfisti, jetzt müßt ihr wieder ganz tapfer sein. Denn hier geht es nicht um Zuneigung zu einem begehrenswerten Automobil, sondern um Zahlen, Daten, Fakten. Damit meinen wir weniger das Kofferraumvolumen, das beim Sportwagon bei Beladung bis zur Fenster-Unterkante nur 360 Liter beträgt. Und auch nach Umklappen der Rückbank lediglich auf 1180 Liter anwächst.

Das ist keine Überraschung, damit läßt es sich leben. Nicht so, wenn aber das Wunschauto Dauergast in den Pannenstatistiken ist. Beim ADAC etwa ist der Alfa 156 Schlußlicht, noch hinter dem Renault Laguna. Von den Baujahren 2000 und 2001 mußte gewann 2002 gar die Möhre des Jahres. Bei Redaktionsschluß waren 109 Fahrzeuge im Kummerkasten registriert.

Das Mängelspektrum reicht dabei von A wie ABS-Steuergerät bis Z wie Zylinderkopf – also quer durch den Garten. Wobei natürlich Mängelschwerpunkte auffallen. Der Zahnriemen ist so einer, sorgt bei Benzinern und Dieseln gleichermaßen häufig für kapitale Motorschäden. Ursache ist neben vernachlässigter Wartung, also regelmäßigem Prüfen der Spannung, auch das Versagen oder Festgehen der Spannrollen.

Motor und Fahrwerk

Pannen sind oft auf falsche Sparsamkeit zurückzuführen: Von den Baujahren 2000 und 2001 mußte rund jeder 20. 156er Pannenhilfe in Anspruch nehmen. Am besten schnitt noch der Jahrgang 2003 ab, von denen war es nur jeder 100. Auch im AUTO BILD-Kummerkasten ist der Alfa 156 guter Kunde, Denn rund 90 Euro für eine Rolle erscheinen im Vergleich zu 50 Euro für den Riemen teuer. Beide haben im Fall eines Defekts den gleichen Motorschaden zur Folge.

Kostenseitig auf Platz zwei folgt das Getriebe. Undichtigkeiten sind die Regel, auch defekte Synchroneinrichtungen oder blockierte Schaltungen kommen vor. Letztere betreffen vor allem das automatisierte Schaltgetriebe Selespeed, das gelegentlich auch mit spinnender Elektronik kämpft. Allerdings hat Alfa die EDV im 156 über die Jahre kontinuierlich verbessert. Permanent brennende Airbag-Kontrollen, wie bei Einführung der Limousine üblich, kennt der Sportwagon kaum noch. Auch die Motorsteuergeräte sind zuverlässiger geworden.

Die drehmomentstarke JTD-Abteilung krankt jedoch an mechanischen Gebrechen. Defekte Turbolader gehören dazu, oft mit verkokten Verstellschaufeln; dazu rutschende Kupplungen. Außerdem versagen bei den Ölbrennern öfter Generator und Anlasser den Dienst. Und wenn der Diesel rußt, aber nicht mehr zieht, ist mal wieder der Ladeluftschlauch vom Turbo abgerutscht. Stellt hingegen ein Otto-Alfa schlagartig den Dienst ein, könnte der Crash-Schalter schuld sein. Der stellt bei einem Unfall den Sprit ab. Aber auch ab und zu beim Zuschlagen der Türen oder auf Bahnübergängen.

Erst recht, wenn ein Sportfahrwerk montiert ist – gern gekauftes Zubehör sportlicher Alfisti. Aber harte Federn und breite Reifen setzen dem ohnehin ausgereizten Fahrwerk noch mehr zu. Die Gelenke der Vorderund Hinterachse fallen beim TÜV sowieso schon unangenehm auf. So empfiehlt es sich, gerade beim Kauf eines Liebhaberstücks, wie dem Alfa 156, alle Emotionen beiseite zu wischen und nüchtern abzuhaken: Originalzustand? Wartungsheft komplett? Vorbesitzer? Sprechen die Fakten für das Wunschmodell, läßt sich auch bei einem Alfa 156 das Risiko in Grenzen halten.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 10/97 Einführung der Alfa-156-Limousine als Nachfolger des Alfa 155 2/98 Vorstellung der Common-Rail-Diesel. 1.9 JTD mit 105 PS und 2.4 JTD mit 136 PS 5/00 Einführung der Kombiversion Sportwagon ohne das Kürzel 156 9/01 Modellpflege. Leistung der Dieselmotoren auf 115 und 140 PS angehoben 2/02 Benzin-Direkteinspritzer 2.0 JTS (166 PS) ersetzt 2,0-l-Twin-Spark. Sportmodell GTA mit 3,2-l-V6 (250 PS) 12/02 1.9 JTD auch mit 140 PS

Schwachstellen • Bremsscheiben zeigen beim TÜV nicht nur hohen Verschleiß. Gelegentlich wird auch ungleichmäßige Wirkung beanstandet • Motorschäden addieren sich zu etwa gleichen Teilen aus Defekten wie gerissenen Zahnriemen, geplatzten Turboladern und Nachlässigkeiten der Fahrer wie versäumtes Ölnachfüllen oder Weiterfahren trotz zu niedrigen Kühlwasserstandes • Elektronik nervt vor allem bei den Dieseln in Form gestörter Motorsteuerungen, aber auch die Benziner werden nicht verschont • bei den Dieseln der Baujahre 2000 bis 2002 versagt auch häufig der Anlasser • Kraftübertragung ist recht sensibel, egal ob Schaltung oder Automatik

Reparaturkosten Preise inklusive Lohn und Mehrwertsteuer am Beispiel Alfa Sportwagon 1.8 TS, 103 kW/140 PS, Baujahr 2001. Die reinen Teilepreise sind gar nicht mal so teuer, aber üppige Zeitvorgaben sorgen für hohe Lohnkosten und unterm Strich heftige Summen.

Fazit und Modellempfehlung

Fazit "Die gute Nachricht zuerst: Rost spielt beim Alfa 156 keine Rolle mehr. Statt dessen stellen schadhafte Beleuchtung und unzulässiges Spiel in den Radaufhängungen die beiden größten Problemfelder dar. Dazu kommen häufig verschlissene Bremsscheiben, Ölverlust an Motor und Getriebe sowie gelegentlich mangelnde Wirkung der Fußbremse und defekte Auspuffanlagen. Uneingeschränktes Lob hingegen verdient die stabile Lenkung." Peter Winkler, Gutachter TüV SÜD

Modellempfehlung Alfa Sportwagon 1.8 TS (103 kW/140 PS)

Steuer/Schadstoffklasse: 121 Euro im Jahr/EU3 Testverbrauch: 8,5 Liter. Werksangabe: 8,4 Liter (Super) Versicherung: Vollkasko (22/500 Euro SB): 967 Euro. Teilkasko (24/150 Euro SB): 247 Euro. Haftpflicht (16): 676 Euro (Basis: R&V-Jahrestarife für Regionalklasse Hamburg, 100 Prozent) Inspektion/Kosten: 20.000 Kilometer, etwa 300 bis 500 Euro Wertverlust: Dreijährige verlieren rund 46 Prozent vom Neupreis (Händlerverkaufspreis), danach jährlich um 1000 Euro Verlust

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