Bilder: Fahrsicherheitstraining mit Alkohol am Steuer

Alkohol-Fahrtest

— 16.12.2011

Glühwein oder Führerschein?

Gemütlich über den Weihnachtsmarkt schlendern und Glühwein schlürfen – eine tolle Kombination. Im Auto gilt das leider nicht. autobild.de hat es ausprobiert: Am Steuer wirken schon geringe Mengen des Heißgetränks verheerend.

Feine Sache, so ein heißer Glühwein. Wenn draußen Bibber-Temperaturen und Schmuddelwetter herrschen, wärmt er von innen so richtig durch. Kein Wunder, schließlich hat das Winter-Kultgetränk ja auch ordentlich Prozente. Wer sich nach dem Glühwein-Genuss ans Steuer setzt, muss also auf der Hut sein. Wie sich der leckere Trunk auf das Fahrverhalten auswirkt – autobild.de hat es ausprobiert. Natürlich nicht im öffentlichen Straßenverkehr, sondern auf einem abgesperrten Rundkurs auf dem Gelände des ADAC-Fahrsicherheitszentrums in Lüneburg.

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Gefahren wird auf Fahrschulautos, sicherheitshalber nimmt auf dem Beifahrersitz ein erfahrener Fahrlehrer Platz. Zur Not kann er ins Lenkrad greifen oder das Auto zum Stillstand bringen. Auf dem Programm stehen drei verschiedene Fahrübungen: Slalomkurs mit verschiedenfarbigen Pylonen, wobei die roten rechts, die weißen Pylonen links umfahren werden müssen. Es folgt ein Ausweichmanöver mit Wasserhindernis und schließlich ein Abfangen des Fahrzeugs, das durch eine bewegliche Bodenplatte künstlich zum Übersteuern gebracht wird. Schon im nüchternen Zustand eine echte Herausforderung, nach ein paar Versuchen klappt es aber problemlos. Höchste Zeit für einen Drink!

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Der ADAC hat einen wirklich köstlichen Glühwein gekocht, schmeckt lecker nach Nelken und Zimt. Ich kipp mir einen (ca. 0,15 Liter, ohne Schuss), und weil es sich auf einem Bein ja bekanntlich schlecht steht, folgt ein zweiter. Und noch einer, denn aller guten Dinge sind drei. Erster Promilletest: Der Alkomat zeigt jetzt knapp 0,3 Promille. Ob ich noch fahren kann? Na klar, schließlich bin ich doch ein versierter Fahrer und habe mir die Übungen beim "Trockentest" genau eingeprägt. Wäre doch gelacht, wenn ich das nicht hinkriege.

Denkste. Schon der Pylonen-Test gerät zum heillosen Durcheinander: Plötzlich kann ich mir nicht mehr merken, welche davon ich links oder rechts umfahren muss, erwische immer wieder die falsche Seite. Mein Fahrlehrer kommentiert das Desaster, ich höre interessiert zu und lasse währenddessen gleich mehrere Pylonen komplett vorbeirauschen. Fahrlehrer Bernd Muß erklärt: "Bei steigendem Alkoholgehalt im Blut verliert das Gehirn zunehmend seine Fähigkeit, sich auf mehrere Dinge gleichzeitig zu konzentrieren. Schon ein einfaches Gespräch oder das Autoradio kann den Fahrer stark ablenken und zu schwerwiegenden Fahrfehlern führen."

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Jetzt wird erstmal nachgetankt. Ich trinke weitere vier Tassen Glühwein, warte einen Moment und puste wieder in den Alkomat. Ergebnis: 0,6 Promille – das liegt bereits über der Grenze zur Ordnungswidrigkeit! Bernd Muß: "Diese Geräte messen nur den Atemalkoholgehalt. Da ist Vorsicht geboten, denn gerade bei Glühwein kann das Ergebnis stark nach unten verfälscht sein! Der Blutalkoholspiegel dürfte höher liegen". Bei einer Kontrolle wäre mein "Lappen" jetzt also mit Sicherheit weg.

Völlig zu Recht, denn der anschließende Ausweich-Test mit Wasserhindernis gerät zur Katastrophe. Die Gemeinheit: In dem Moment, wo die Wassersäule vor mir auftaucht, stellt Bernd Muß mir eine kleine Rechenaufgabe (z.B. 7x4). Ist das Ergebnis gerade, soll ich rechts am Hindernis vorbei fahren, bei ungeradem Ergebnis links ausweichen. Was mit klarem Kopf noch funktioniert hat, ist jetzt völlig unmöglich: Zweimal erwische ich die falsche Seite, einmal brettern wir einfach durch die Wasserwand durch. Im Ernstfall wäre ich jetzt vielleicht tot. "Die Rechenaufgabe simuliert die (entscheidende) Reaktionszeit des Gehirns, die mit steigendem Alkoholpegel immer höher wird", erklärt der Fahrlehrer. Immerhin: Das Abfangmanöver mit ausbrechendem Heck klappt noch ganz gut, nur einmal lege ich einen spektakulären 180-Grad-Dreher hin.

Fazit: Wenn Sie nach einem gemütlichen Weihnachtsmarktbummel am Glühwein genippt haben, lassen Sie das Auto besser stehen. Schon geringe Mengen Alkohol können sich im Ernstfall verheerend auf Ihr Fahrverhalten auswirken. Dazu riskieren Sie Ihre Fahrerlaubnis:
• Wenn Sie im Straßenverkehr auffallen und kontrolliert werden, reichen schon Werte unter 0,5 Promille zum Führerscheinentzug.
• Ab 0,5 Promille: Mindestens 1 Monat Fahrverbot, vier Punkte, 500 Euro Bußgeld.
• Ab 1,1 Promille: Straftat, Führerscheinentzug, dazu kommt eine saftige Geld- oder sogar Freiheitsstrafe.

Autor: Jan Kretzmann

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