Alle neuen Porsche-Modelle

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Alle neuen Porsche-Modelle

— 01.10.2002

Aufbruch zu neuen Ufern

Dem Stuttgarter Sportwagenhersteller geht es so gut wie nie. Mit dem Super-Offroader Cayenne besetzen die Schwaben ein neues Segment. Und die Modelloffensive geht bis 2008 weiter.

Klein, aber hochprofitabel

Bei Porsche sieht man für die Zukunft schwarz. Jedenfalls, was die Bilanzen betrifft. Während andere Hersteller tief in der Krise stecken, braucht sich der Sportwagenhersteller in den nächsten Jahren keine Sorgen zu machen. Seit der Rückbesinnung auf erfolgreiche Konzepte Anfang der 90er Jahre geht es wieder bergauf, steigen Umsatz, Produktion und Absatz kontinuierlich. Natürlich auch die Gewinne.

Damit das so bleibt, investiert Porsche nicht nur in ein modernes Werk in Leipzig, sondern vor allem in neue Produkte. So schreibt Porsche-Chef Wendelin Wiedeking in dem Buch "Das Davidprinzip" (gerade erschienen): "Der profitabelste Automobilhersteller der Welt ist zufällig (oder auch nicht) der kleinste Produzent. Allein in dieser Konstellation der Extreme funktioniert das Prinzip: Kleinster und Profitabelster – exakt das, was die Befürworter der Globalisierung nicht wahrhaben wollen. Damit sie ihrer fragwürdigen Logik weiter folgen können, führen sie Porsche neuerdings als Ausnahme von der Regel."

Süffisant stichelt Wiedeking in Richtung DaimlerChrysler und anderer globaler Mega-Konzerne, die Porsche nur zu gern unter ihre Konzernfittiche nehmen würden. Stattdessen treffen sie auf einen harten Gegner. Mit der neuen, dritten Baureihe neben 911 und Boxster machen die Zuffenhausener im Offroad-Segment gegen BMW X5 4.6is und Mercedes ML 55 AMG Front. Dass der neue Cayenne klarer Spitzenreiter dieses Trios wird, steht bereits fest. Schon die Saugversion S mobilisiert stolze 340 PS und schafft 242 km/h Spitze, die Turboversion des V8 leistet sogar 450 PS und ist bis zu 266 km/h schnell. Die Preise von 60.204 und 99.876 Euro schrecken die Kundschaft nicht. Im Gegenteil: Die Jahresproduktion von 25.000 Autos bis Herbst 2003 ist angeblich schon ausverkauft.

Carrera GT und Gran Turismo

Ausgelastet ist das Werk in Leipzig aber damit noch lange nicht. Deshalb wird ab 2003 auch der Carrera GT dort vom Band rollen. Limitiert auf 1000 Einheiten, werden pro Tag nur zwei bis drei Exemplare ausgeliefert. Die Konstruktion des Carrera GT basiert auf purer Rennsporttechnik. Der 5,5-l-V10 des Carrera GT, mit einem Drehmoment von 600 Newtonmeter und 558 PS, garantiert Spitzengeschwindigkeiten von über 330 Stundenkilometer. Der Preis soll zwischen 350.000 und 400.000 Euro liegen. Mittelfristig strebt Porsche eine Erhöhung der Produktion an. Schon 2003 sollen mit drei Baureihen rund 75.000 Autos gebaut werden, bis 2009 sind 100.000 Einheiten angepeilt. Ohne weitere Derivate vom Cayenne wie Pick-up und Langversion ist dieses Ziel nicht ohne eine vierte Baureihe zu stemmen.

Weil eine Ausweitung nach unten wegen der großen Konkurrenz und mangelnder Renditeaussichten vom Vorstand abgelehnt wird, erscheint eine Wiederbelebung der GT-Tradition im Stile des 1994 eingestellten 928 GT als wahrscheinlichste Lösung. Zwar fällt die Entscheidung erst im Frühjahr 2003, doch schon jetzt kristallisieren sich zwei unterschiedliche Modelle heraus. Favorisiert wäre demnach ein 2+2-Sitzer – deutlich länger, breiter und mit mehr Platz innen als der 911. Für Erwachsene ist der Aufenthalt im Fond dennoch nur für kürzere Strecken zumutbar. Die Alternative stellt sich deshalb in Form eines Kombi-Coupés mit variabler Fondbestuhlung, das zudem dem aktuellen Trend der Crossover-Modelle à la Mercedes GST gerecht wird.

Auf jeden Fall schlägt Porsche zwei Fliegen mit einer Klappe: Weil neben dem V8-Motor auch Automatikgetriebe, Luftfederung und Allradantrieb vom Cayenne adaptiert werden können, verteilen sich die hohen Entwicklungskosten auf ein zweites Modell. Um gegen Ferrari 456 GT oder das neue Bentley GT Coupé zu bestehen, ist allerdings leistungsmäßig ein Nachschlag erforderlich. So ließen sich mittels Hubraumvergrößerung bis auf 5,4 Liter und Biturbo-Aufladung reichlich 550 PS gewinnen. Beim Preis stößt Porsche ebenfalls in neue Dimensionen vor. Etwa 150.000 Euro als Einstieg dürften Käufer ab 2008 wohl überweisen.

Turbo, GT3 und Boxster

Deutlich früher stehen die anderen Modellneuerungen bereit. Im Sommer geht das 911 Turbo Cabriolet, im März der 911 GT3 an den Start. Letzterer erhält den auf 380 PS gepuschten 3,6-Liter-Boxermotor, einen markanten, fest stehenden Spoiler, breitere Reifen und dickere Seitenschweller. Für den normalen 911 steht im Frühjahr 2004 eine umfangreiche Überarbeitung an. Die Karosserie wird breiter, ausgeprägte Kotflügel erinnern an den Vorgänger 993. Vorteil: Die Karosserie wird vor allem beim Einparken übersichtlicher.

Innen kehrt Porsche zu alten Werten zurück und spendiert dem Elfer ein Cockpit mit weniger verschachtelten Rundinstrumenten. Unter der Haube bleibt man dem Sechszylinder-Boxer treu. Der wird allerdings von 3,6 auf 3,8 Liter Hubraum vergrößert und soll mit 340 PS statt 320 PS bessere Fahrleistungen (knapp 290 km/h Spitze) ermöglichen. Die Lücke zum Turbo schließt eine 375 PS starke S-Version. Beim gerade renovierten Boxster gibt es 2004 den nächsten planmäßigen Modellwechsel. Äußerlich orientiert sich der neue am Carrera GT, wirkt also extrem dynamisch. Länge und Radstand sollen nur geringfügig wachsen, allerdings hebt sich der nächste Boxster innen stärker vom 911 ab.

Der Knüller ist aber eine geschlossene Coupé-Version, die 2005 die Palette erweitert. Leistungsmäßig gönnt Porsche dem Boxster nur einen Nachschlag in Form von acht bis zehn PS; eine stärkere Turboversion gehört ins Reich der Fabel. Bleibt zu hoffen, dass sich Porsche mit der Ausweitung der Modellpalette nicht übernimmt. Aber da ist Chef Wiedeking vor: "Die Exklusivität hängt nicht an der Höhe der Jahresproduktion, sondern am inneren Wert der Marke." Wohl wahr.

Leipzig – das neue Porsche-Werk

Wie ein gerade gelandetes Ufo bei Nacht wirkt das illuminierte Kundencenter der Porsche AG im Werk Leipzig. Hier dürfen demnächst die ersten Kunden ihren Cayenne im anspruchsvollen Ambiente in Empfang nehmen. In die moderne Produktionsstätte für den dritte Baureihe hat das Unternehmen über 50 Millionen Euro investiert. Angegliedert ist eine Einfahr- und Prüfstrecke, auf der künftig auch Prototypen neuer Baureihen ihre ersten Runden drehen können.

Der Wirtschaftsstandort Sachsen profitiert vom Porsche-Engagement. So sind zunächst 260 neue Arbeitsplätze vor allem für Menschen aus der Region entstanden. Weitere 30 bis 40 kommen hinzu, wenn die Produktion des Carrera GT anläuft. Vorstandschef Wiedeking hat das neue Werk ganz ohne Subventionen realisiert. Die Stadt Leipzig und der Freistaat Sachsen bedankten sich für den Verzicht auf Fördermittel im Gegenzug mit der Erteilung der Baugenehmigung in Rekordzeit. Platz für eine Erweiterung wäre vorhanden.

Sollte der Beschluss zum Bau einer vierten Baureihe fallen, könnten in Leipzig relativ schnell weitere Kapazitäten geschaffen werden. Denkbar wäre auch folgendes Szenario: Sollte der Porsche-Absatz mal ins Stocken geraten, könnte die Produktion von 911 und Gran Turismo in Zuffenhausen, von Boxster (derzeit zu 90 Prozent bei Valmet in Finnland) und Cayenne in Leipzig konzentriert werden.

Weissach – die Ideenschmiede

Strengste Geheimhaltung ist oberstes Prinzip bei Porsche in Weissach. Etwa 25 Kilometer westlich vom Stammsitz in Zuffenhausen liegt das Forschungs- und Entwicklungszentrum der Porsche AG. In der "Ideenschmiede" arbeiten 2100 Ingenieure und Techniker nicht nur an künftigen Modellen und Technologien für die eigene Firma. Ein nicht unbeträchtlicher Teil sind Fremdaufträge von anderen Automobilherstellern.

So haben die Schwaben für den ersten Seat Ibiza die Motoren optimiert, für Opel entwickelte ein Team das geniale Flex7-Sitzsystem des Zafira. Ob Flugzeugmotoren, Gabelstapler, Litfasssäulen, Heizungssysteme oder komplette Autos – Porsche gilt weltweit als innovativer Partner. Für die Stahlindustrie entwickelte man eine Fahrzeugstudie, die die herausragenden Eigenschaften des Werkstoffs darstellen sollte. Als ULSAB-Studie (Ultra Light Steel Auto Body) wurde das Projekt 2002 auf dem Genfer Salon präsentiert.

Ziel war es, künftige Anforderungen an Verbrauch, Emissionen und passiver Sicherheit deutlich zu unterbieten. Bislang existiert die Studie nur im Computer. Dennoch fand sie bereits den Weg auf die Titelseite von Fachzeitschriften: als kompakter Porsche-Dreitürer. Dabei ist die Umsetzung des Projekts unter dem Porsche-Label so wahrscheinlich wie die Möglichkeit, dass Ostern und Weihnachten auf einen Tag fallen.

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