Produktsicherheit

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Alles über Rückrufe

— 16.05.2008

Wenn der Hersteller nachbessern muss

Wenn Auto-Hersteller gefährliche Mängel ausbügeln müssen, beginnt ein aufwendiger Prozess. Doch was passiert eigentlich bei einem Rückruf? Fragen über Fragen. AUTO BILD gibt Antworten.

Autokäufer sind heute nicht nur Kunden, sondern immer öfter auch unfreiwillige Testfahrer. Weil Fehler in der Entwicklung oder bei der Produktion eines Autos vermehrt erst in Kundenhand auftreten und behoben werden. Steht dabei die Sicherheit auf dem Spiel, werden die betroffenen Fahrzeuge per Rückruf in die Werkstätten beordert. Doch was passiert eigentlich bei einem Rückruf? Fragen über Fragen – hier sind die Antworten:

Was ist ein Rückruf?
Der Rückruf ist für Hersteller erste Wahl, um Produktmängel an einem bereits in Kundenhand befindlichen Fahrzeug zu beseitigen, die zu einer Gefährdung von Menschen, Tieren und Sachen führen können. Rechtliche Grundlage für diese Maßnahme ist seit Mai 2004 das Geräte- und Produktsicherheitsgesetz (GPSG), in dem die Regeln für die Fehlerbeseitigung festgelegt sind. Sobald ein Auto-Hersteller Kenntnis von einer Gefährdung durch sein Fahrzeug erlangt, ist er per Gesetz zur Information des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) verpflichtet. Im Straßenfahrzeugbereich ist das KBA die zuständige Behörde für die Produktsicherheit.

VW-Rückruf: Ein Federbruch im Zweimassenschwungrad der TDI erhöhte die Brandgefahr.

Von wem geht die Initiative zum Rückruf aus? Man unterscheidet zwischen einem freiwilligen und dem angeordneten Rückruf. Normalerweise wird vom Hersteller ein Fehler an einer Fahrzeug-Baureihe im Rahmen eines freiwilligen Rückrufs behoben, sobald er Kenntnis davon hat. Das KBA prüft jedoch von Amts wegen, ob eventuell eine ernste Gefährdung vorliegt. Davon ist die Rede, wenn die Gefährdung plötzlich oder unvorhersehbar auftritt und unabwendbar ist wie beispielsweise bei einem Komplettausfall von Lenkung oder Bremsen. Beim Vorliegen einer ernsten Gefährdung werden die Nachbesserungen vom KBA überwacht. Lässt es der Hersteller an den notwendigen Maßnahmen zur schnellen und wirksamen Beseitigung der Gefahr mangeln, ordnet das KBA den Rückruf an.

Wie werden die betroffenen Fahrzeughalter vom Rückruf in Kenntnis gesetzt?
In der Regel übernimmt die Benachrichtigung der Fahrzeughersteller. Anhand der ihm vorliegenden Daten aus Produktion und Vertrieb informiert er die Halter. Auf Antrag des Herstellers stellt aber auch das KBA bei einem freiwilligen Rückruf die entsprechenden Daten aus dem Zentralen Fahrzeugregister (ZFZR) zur Verfügung. Anders beim Vorliegen einer ernsten Gefährdung: In diesem Fall sind die Hersteller gezwungen, Halterdaten des KBA zu verwenden und abzuarbeiten.

Macht es einen Unterschied, ob man vom Hersteller oder vom KBA angeschrieben wird?
Nein, für eine Rückrufaktion ist allein der Hersteller verantwortlich. Wenn Halter vom KBA angeschrieben werden, handelt es sich lediglich um eine Serviceleistung des KBA für den Hersteller.

Werden auch EU- oder US-Importe von einem Rückruf erfasst?
Ja, denn die Hersteller sind dazu verpflichtet, bei ernsten sicherheitskritischen Mängeln alle weltweit betroffenen Fahrzeug-Identifizierungsnummern an das KBA zu melden. So ist gewährleistet, dass auch die Halter von Importfahrzeugen die Benachrichtigung über den Rückruf erhalten.

Was geschieht mit Autos, die zwischenzeitlich ins Ausland verkauft wurden? Für einen Hersteller endet die Produkthaftung nicht an der Grenze. Im eigenen Interesse kümmern sich die Hersteller deshalb um den weltweiten Bestand vom Rückruf betroffener Fahrzeuge und informieren die jeweiligen Halter.

Besteht eine Verpflichtung zur Teilnahme am Rückruf?

Rückrufaktionen werden in der Regel bei erheblichen Gefahren für die Verkehrssicherheit ausgelöst. Weil jeder Autofahrer für den verkehrssicheren Zustand seines Fahrzeugs grundsätzlich selbst verantwortlich ist, kann sich daraus eine Pflicht zur Teilnahme am Rückruf für die betroffenen Halter ergeben.

Opel-Rückruf: Ein Erdungsring bannte 1995 die Feuergefahr beim Betanken des Astra.

Drohen Konsequenzen, wenn Betroffene am Rückruf nicht teilnehmen? Bei einer ernsthaften Gefährdung verlangt das KBA vom Hersteller eine maximale Erfüllungsrate. Dabei ist den Herstellern freigestellt, wie oft sie die betroffenen Halter benachrichtigen. Bei einem vom KBA überwachten Rückruf sollte dieser im Regelfall nach spätestens 18 Monaten abgeschlossen sein, der Mangel also an allen betroffenen Fahrzeugen abgestellt sein. Halter, die auf den Rückruf nicht reagieren, werden in einer Nachfassaktion erneut angeschrieben. Bleibt dieses Schreiben innerhalb der vorgegebenen Frist erneut ohne Resonanz, kann das KBA bei den örtlichen Zulassungsbehörden die Stilllegung des Fahrzeugs veranlassen. Das war im vergangenen Jahr bei 3369 Autos notwendig.

Was können Autofahrer tun, wenn sie eine ernsthafte Gefährdung durch einen Fahrzeugmangel befürchten? Jeder Fahrzeughalter ist aufgefordert, beim Verdacht auf ernsthafte Mängel das KBA zu informieren. Hierzu werden Kopien des Fahrzeugbriefs und der Inspektionsnachweise benötigt. Außerdem muss das Auto unfallfrei und im serienmäßigen Zustand sein. Erforderlich ist weiterhin eine kurze Beschreibung des Mangels und der daraus resultierenden Gefahr, eventuell auch vorhandene Kopien vom Schriftverkehr mit dem Hersteller oder von unabhängigen Sachverständigen.

Was sind die häufigsten Gründe für Rückrufe? Bei rund 85 Prozent der als gefährlich eingestuften Mängel lagen 2007 mechanische Fehler vor. Am häufigsten waren dabei Bremse, Motor, Fahrwerk, Airbags, Sicherheitsgurte und Lenkung von Rückrufen betroffen.
Die wichtigsten Rückrufe 2008
Hersteller / Modell Datum Grund des Rückrufes
Volvo V70 und XC70
V70 und XC70
05/08 Probleme mit Auslösung der Vorhang-
Airbags bei 6234 Fahrzeugen. Abhilfe
erfolgt durch Neuprogrammierung
Opel Astra
Astra
04/08 Undichtigkeiten am Öldrucksensor, dadurch Ölverlust am Zylinderkopf bei 47 000
Modellen der Baujahre 2003 bis 2005
Zylinderkopf bei 47 000
Modellen der Baujahre 2003 bis 2005
Mitsubishi Outlander 2.2 DI-D 04/08 Probleme mit der Motorsteuerung. Bei
1780 Outlander (Produktion 09/07–01/08)
kann sich in bestimmten Fahrsituationen
der Motor unfreiwillig abschalten
Fiat Sedici 1.6
Sedici 1.6
04/08 Katalysator-Probleme bei 716 Sedici
1.6. Abhilfe: Überprüfung des Kat,
bei Beschädigung erfolgt Austausch
Audi TT Coupé 04/08 Fehlerhaft befestigte Gurt-Abdeckung an
der C-Säule bei 700 TT Coupés des aktuellen
Modelljahrs. Abhilfe durch verbesserte Clips
Volvo S40 und V50 04/08 An 6856 Fahrzeugen der Baureihe S40/V50
muss das Steuergerät der Kraftstoffpumpe
ersetzt und an neuer Stelle befestigt werden
Suzuki Grand Vitara 1.6 03/08 Risse in der Kraftstoffleitung im Motorraum
bei 1872 dreitürigen Fahrzeugen des Typs
JT. Abhilfe: Erneuerung der Leitung
Porsche Cayenne 03/08 Kraftstoffleitung scheuert an Motorraumverkleidung
bei 18 856 Exemplaren
weltweit. Abhilfe: Neuverlegung der Leitung
Mercedes Viano und Vito V6 03/08 Undichtigkeiten an Kraftstoffverbindungsleitung
(734 Fahrzeuge). Abhilfe: Erneuerung
der Leitung und Befestigung mit Schellen
Peugeot 307 und 407 03/08 Defektes Rückschlagventil am Bremskraftverstärker
bei 307 und 407 mit 2.0-HDi-
Motor. Abhilfe: Einbau eines neuen Ventils
Mini Clubman 03/08 Falscher Hinterachsstabilisator ab Werk
verbaut (90 Exemplare). Abhilfe:
Montage des richtigen Stabilisators
Land Rover Freelander 02/08 Panorama-Glasdach kann sich bei 1265
Fahrzeugen möglicherweise von Karosserie
lösen. Abhilfe durch zusätzliche Halterungen
VW Golf Variant und Jetta 01/08 Überhitzungsgefahr des Zusatzheizers bei
27 000 Dieselmodellen ohne Standheizung
(Baujahre 2007/08). Abhilfe: Überprüfung
Ford Galaxy, S-Max, Galaxy und S-Max 01/08 Probleme am Bremskraftverstärker von
24 000 Fahrzeugen mit dem 2.0-TDCi (136
PS). Abhilfe: Austausch Rückschlagventil

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