Allianz GM, Renault/Nissan

Allianz GM, Renault/Nissan

— 04.07.2006

Es darf verhandelt werden

Nach ersten Spekulationen bei General Motors herrscht jetzt Klarheit: Renault/Nissan ist zu Gesprächen über eine Allianz mit GM bereit.

Carlos Ghosn legt großen Wert auf eine generalstabsmäßig vorbereitete Kommunikation. Um so verärgerter soll der Vorstandschef von Renault und Nissan gewesen sein, als am vergangenen Freitag (30. Juni 2006) aus Kreisen von General Motors (GM) veröffentlicht wurde, daß die verschwisterten Unternehmen Renault und Nissan bereit seien, eine Allianz mit dem weltgrößten, aber angeschlagenen US-Autokonzern einzugehen. Die Realisierung der von GM-Großaktionär Kirk Kerkorian angestoßenen Pläne war allerdings noch nicht sicher.

Am späten Montagnachmittag (3. Juni 2006) kam der Verwaltungsrat von Renault zusammen. Ziel der Beratungen war es, darüber zu entscheiden, ob Renault und Nissan überhaupt über eine solche Allianz verhandeln und die Möglichkeiten einer solchen Allianz prüfen wollen. "Renault-Nissan war immer eine offene Partnerschaft, die nie auf nur zwei Partner begrenzt war", erklärte der Konzern. Renault hält 44,4 Prozent an Nissan, die Japaner 15 Prozent an den Franzosen.

Nun wurde den Gesprächen mit GM zugestimmt. Der Verwaltungsrat machte in Tokio den Weg für Verhandlungen frei. Das Treffen wurde von Ghosn geleitet. Er wurde beauftragt, die Möglichkeiten einer Allianz auszuloten. Bislang scheinen die Vorteile einer Kooperation vor allem bei GM-Großaktionär Kerkorian zu liegen. Angeblich planen Renault und Nissan, jeweils zehn Prozent an GM zu übernehmen. Dieses 20prozentige Paket würde rund 3,3 Mrd. Dollar (2,6 Mrd. Euro) kosten.

Offen ist, wie die Aktien erworben werden sollen. Möglicherweise auch aus dem Bestand von Kerkorian, der 9,9 Prozent an GM hält. Allein die Gerüchte um den Einstieg erhöhten das Vermögen Kerkorians, der 56 Millionen GM-Aktien hält, seit Freitag um 130 Mio. Dollar. "Kerkorian sucht einen Weg, um seine Beteiligung zu verkaufen", meinen Analysten. Nicht nur Renault-Nissan, auch GM sollte eine Allianz genau prüfen, schließlich konkurrieren beide mit wichtigen Modellen gegeneinander. In Europa ist GM mit Opel, Vauxhall und Saab vor Renault die Nummer vier. Modelle wie der Opel Corsa, Astra oder Zafira treten gegen Renault-Modellen wie Clio, Mégane oder Scénic und Espace an.

Renault und Nissan könnten dagegen von der Allianz in China profitieren, wo GM die Nummer eins ist. Auch in Mexiko und Südamerika ist GM in einer besseren Position. Bei Hybrid-Antrieben liegt GM in der Entwicklung zwar hinter Honda und Toyota, aber vor dem japanisch-französischen Gespann. Interessant für Nissan dürfte auch das Know-how von GM bei Geländewagen und Vans sein. Ob GM allerdings bereit ist, sein Wissen gerade in diesem hart umkämpften Bereich zu teilen, kann bezweifelt werden. Auch der potentielle Wunsch Renaults, über GM Zugang zum amerikanischen Pkw-Markt zu bekommen, scheint schwer erfüllbar, da GM sich kaum einen weiteren Konkurrenten auf den Heimatmarkt holen möchte.

Kerkorian, der das GM-Management zu Verhandlungen mit Renault-Nissan drängt, hat bislang offengelassen, wo er die "enormen Synergien bei Technologie, Produktion und Marketing" sieht. Auch manche Finanzanalysten zeigen sich skeptisch. "Wir sehen wenig Logik in einer Allianz von GM, Renault und Nissan", urteilt etwa Robert Barry von der amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs.

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