ALMS: Hintergrund

ALMS: Hintergrund

— 06.11.2007

Ohne Verschleiss kein Preis

Superschnell und sehr zuverlässig. Das ist das Erfolgsrezept von Porsche in der "American Le Mans Series" (ALMS). Kein Auto gewann 2007 so oft wie der gelbe RS Spyder.

Ein Werksteam hat Porsche dort schon seit 1998 nicht mehr hingeschickt. Trotzdem diktiert das 24-Stunden-Rennen von Le Mans die Technik des Protoytpen aus Zuffenhausen. "Wie alle unsere Autos ist auch der RS Spyder auf eine Laufleistung von 30 Stunden ausgelegt", erläutert Roland Kussmaul, Projektleiter des Renners für die LMP2-Kategorie (Le-Mans-Prototyp, kleine Klasse). Und was in Le Mans – zumindest in der Simulation – funktioniert, muss auch für die Rennen des USA-Ablegers, der American Le Mans Series, gut sein. Tatsächlich gewannen  die beiden Porsche RS Spyder 2007 acht der zwölf Rennen. Im prestigeträchtigen Duell mit Audis LMP1-Prototypen R10 TDI (vier Siege) geht es dabei trotz unterschiedlicher Fahrzeugkonzepte – hier Porsches extra für die engen, kurvenreichen Strecken in Amerika konzipierter RS Spyder mit V8-Mittelmotor, 3397 cm3 Hubraum, 478 PS und 775 kg Leergewicht, dort der speziell für die 24 Stunden von Le Mans auf Topspeed getrimmte Audi (5,5-l-V12-Turbodiesel, 650 PS, 925 kg) – so eng zu, dass vom Start bis ins Ziel der Langstreckenrennen auf Angriff gefahren wird. Und das mit sehr hohem Risiko, auch beim überholen. "Die Spyder-Karosserie ist so gebaut, dass sie auch mal einen Rempler aushält", erklärt Kussmaul. Größtes Problem für die Haltbarkeit waren die Vibrationen, mit denen der als tragendes Teil an das Kohlefaser-Monocoque angeflanschte Achtzylinder konstruktionsbedingt das Fahrzeug belastet.

Der V8-Motor des Spyder erzeugt aus 3397 ccm Hubraum 478 PS und lässt den gelben Renner mit bis zu 290 Sachen über den Asphalt fliegen.

"Am Anfang sind Teile gebrochen, die überhaupt nichts mit dem Motor zu tun haben", erinnert sich Technikchef Dieter Steinhauser. Inzwischen halten alle rund 5000 Einzelteile des RS Spyder bis zur Grenze von 30 Rennstunden – mindestens. Neue Bremsscheiben sind zum Beispiel erst nach rund 8000 Kilometern auf der Rennstrecke fällig. "Ein fantastisches Ergebnis", kommentiert Porsche-Entwicklungsvorstand Wolfgang Dürheimer die Erfolge in den USA. "Einziger Wermutstropfen ist, dass es keinen offiziellen Gesamtsieger gibt. Die ALMS wertet nämlich jede Klasse einzeln. Das führt zur verwirrenden Situation, dass sich regelmäßig sowohl Porsche als auch Audi offiziell als Sieger feiern. Doch den Fans gefällt der Zweikampf der deutschen Marken. Und das nicht nur wegen der Action auf der Rennstrecke. Auch bei der Zuschauernähe können sich viele Rennserien eine Scheibe von der ALMS abschneiden. Die Startaufstellung ist bis wenige Minuten vor dem Anlassen der Motoren für alle Besucher frei zugänglich – undenkbar in Formel 1 oder DTM .

ALMS Endstand LMP2-Kategorie
Fahrer Team Auto Punktzahl
1. Romain Dumas/ Timo Bernhard Penske Motorsports Porsche RS Spyder 239
2. Sascha Maassen/ Ryan Briscoe Penske Motorsports Porsche RS Spyder 186
3. Andy Wallace/ Butch Leitzinger Dyson Racing Porsche RS Spyder 128
4. Chris Dyson/ Guy Smith Dyson Racing Porsche RS Spyder 124
5. David Brabham/ Stefan Johansson Highcroft Racing Acura ARX01a 115

Nach französischem Vorbild

Die American Le Mans Series (ALMS) ist eine Erfindung des amerikanischen Automobilherstellers, Hotelbesitzers und Weinfabrikanten Don Panoz. Der 72-Jährige, der mit der Entwicklung von Medikamenten Milliarden Dollar verdient hat, ist außerdem Besitzer eines Rennstalls und mehrerer Rennstrecken. Er kam 1999 auf die Idee, Kurzversionen des 24-Stunden-Rennens von Le Mans als eigene Serie in Amerika zu etablieren. Das technische Reglement entspricht weitgehend dem französischen Vorbild. Zugelassen sind die beiden Prototypen-Klassen LMP1 (Mindestgewicht 925 kg, 600 bis 700 PS, z.B. Audi R10) und LMP2 (Mindestgewicht 775 kg, 450 bis 550 PS, z.B. Porsche RS Spyder) sowie zwei GT-Kategorien, in denen sich neben Porsche 911 auch Ferrari (beide GT2) und Chevrolet Corvette (GT1) tummeln. Die Renndauer variiert zwischen knapp drei und zwölf Stunden.

Autor: Christian Schön

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