Alpina B7 Bi-Turbo (2016): Fahrbericht

Alpina B7 Bi-Turbo (2016): Fahrbericht und Preis

— 04.08.2016

So schnell wie ein 911 Turbo S

Alpina baut auf Basis des BMW 7er einen sauschnellen Luxusliner: den B7 Bi-Turbo. AUTO BILD ist die 608 PS starke Limousine gefahren!

Nein, das ist kein BMW – diese blaue Luxuslimousine ist ein Alpina. Und zwar der stärkste, den der Kleinserienhersteller aus Buchloe derzeit im Sortiment hat: der B7 Bi-Turbo. Mit 608 PS ist er auf Augenhöhe mit dem kommenden M760 Li und mit 330 km/h Spitze so schnell wie Porsche 911 Turbo S. Wie fährt sich Alpinas 149.000 Euro teures Luxus-Geschoss? AUTO BILD hat es ausprobiert.
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Klassisches Dekor am B7: Die Streifen verklebt Alpina seit den 70ern.

Die Zutaten: Vier Türen, Stufenheck, fünf Sitze – check! Und dann dieser 4,4-Liter-V8 mit 608 PS, der schon bei Halbgas die Fensterscheiben klirren lässt. Eine flinke Achtgangautomatik, die statt über Schaltpaddel mit kleinen Drückern an den Rückseiten der Lenkradspeichen betätigt werden will.  Dazu ein Alleskönner-Fahrwerk mit breitschultrigen Gummis, Verstell-Stabis, Vierradantrieb und Allradlenkung. Auffällige Bremsen mit Scheiben so groß wie eine Pizza für vier. Die Lenkung als haptisch spannender Zielkonflikt aus Intuition, Information und Inspiration. Ein biederes Grunddesign, verziert mit Versatzstücken aus der Schublade mit der Aufschrift "Luxus trifft Dynamik".

Das Styling ist oldschool

Feinstes Leder und Alpina-Details: Den Innenraum hat Alpina subtil veredelt.

Mit Vernunft ist diesem Auto nicht beizukommen. Anschaffungspreis, Unterhalt und Wertverlust addieren sich zu schwindelerregenden Summen. Ein B7 in Flaschengrün mit dunkelgrünem Leder, das wäre augenzwinkerndes Understatement. Die Testwagen-Realität sieht freilich anders aus. Der blaumetallic lackierte B7 trägt mit Vielspeichenrädern, vier Auspuffrohren, Frontspoiler und Dekoset immer noch die Mode der frühen 70er. Die Besatzung schwelgt in hellbraunem Leder, ist umgeben von Holz und Chrom, wird belauert von einer Unzahl mehr oder weniger wichtiger Funktionen, die sich manchen Kunden erst nach Monaten erschließen dürfte.

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In 3,7 Sekunden auf 100

Der 4,4-Liter-V8 leistet im neuen B7 Bi-Turbo 608 PS und 800 Nm maximales Drehmoment.

Der B7 ist aber nicht einfach nur ein gedopter 7er. Alpina hat sich die Langversion ausgeguckt, ein Hightech-Paket mit xDrive, RWS, Wankstabilisierung, Luftfederung und vorausschauender Dämpferregelung geschnürt und dem 4,4-Liter-V8 satte 608 PS eingeflüstert. Mit 800 Nm und 330 km/h Spitze gebührt diesem Super-Luxus-Sportviersitzer eine Überholspur-Dauerkarte auf Lebenszeit. Der B7 beamt uns in nur 3,7 Sekunden auf Tempo 100. Gerade mal 8,8 Sekunden später wird die 200 km/h-Marke passiert. Kaum zu glauben, dass diese Nobel-Dampframme mit einem Mixverbrauch von 10,4 l auf 100 km zertifiziert wurde.

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Bremse schnappt spät zu

Das Alpina-Topmodell soll BMW und der Welt beweisen, dass man in Buchloe den Spagat aus Komfort und Sportlichkeit beherrscht wie kaum ein zweiter Kleinserienhersteller. Trotzdem gibt es drei Dinge, die uns an den Fahreigenschaften des B7 nicht gefallen: Das Abtauchen des Hecks samt entsprechender Bugwelle bei voller Beschleunigung im niedrigen bis mittleren Tempobereich, die aufreizend entspannt zupackende Bremse mit spätem Schnappeffekt und dabei in die Knie gehendem Vorderwagen und die auf unebenen Straßen leicht zittrige, fast schon zu sensible Lenkung. Nuancen nur, gewiss. Aber allemal drei Einträge im Fahrtenbuch wert.

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Der B7 hat einen Sport plus-Modus

Daran erkennt man ihn im Vorbeiflug: Der B7 Bi-Turbo atmet durch vier ovale Endrohre aus.

Der B7 federt besser als befürchtet, ist selbst bis 50 km/h erstaunlich schluckfreudig und auch bei sehr hohen Geschwindigkeiten wirklich kommod. Diese kontrollierte Verbindlichkeit ist das dominierende Element der Alpina-DNA. Die Lenkung geht zwar pfeilschnell in Anschlag, doch es genügen in Folge schon kleine Winkel zur inneren Festigung. Die bei Alpina programmierte Sport plus-Software begrenzt über den Fahrerlebnis-Schalter den Drehmomentfluss zur Vorderachse auf nur mehr zehn Prozent, senkt das Fahrwerk ab, stellt die Lenkung auf extraflink, schaltet die Dämpfer auf straff und den Auspuff auf laut. Das kann man mögen, macht aber auf unebenem und kurvigem Geläuf relativ wenig Sinn – denn dort lohnt es sich fast immer, das Fahrdynamik-Bouquet per Individual-Modus neu zu arrangieren.

Alpina B7 Bi-Turbo (2016): Fahrbericht

Georg Kacher

Georg Kacher

Fazit

Die Alpina-Kur hat aus dem 7er ein viel schnelleres, aber nicht zu spitzes Auto gemacht, gegen das der noch teurere M760Li V12 keinen leichten Stand haben dürfte. Auch, wenn sich im B7 Körper und Geist hier und dort erst noch zusammenraufen müssen.

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