Alternative Kraftstoffe: "Zumusoil"

Alternative Kraftstoffe: "Zumusoil"

Alternative Kraftstoffe: "Zumusoil"

— 02.04.2007

Pack die Apfelsine in den Tank!

Orangen schmecken nicht nur lecker, ihre Schalen sind auch Lieferant für Biosprit. Die Region Valencia beginnt jetzt mit der Produktion von "Saftbenzin".

Seit einigen Monaten sieht Esteban Gónzalez Pons die riesigen Orangenhaine seiner Region mit ganz anderen Augen. Während gerade 180.000 Hektar in voller Blüte stehen, denkt er voraus. Vier Millionen Tonnen dieser Zitrusfrüchte produziert Valencia jedes Jahr, doch für Gónzalez Pons, zuständig auch für Umweltfragen bei der Regionalregierung, sind vor allem die Schalen interessant. Denn aus diesen kann Bioethanol gewonnen werden, also umweltfreundlicher Sprit zum Tanken.

Bio-Sprit aus Orangenschalen ("Zumosoil"): Al Gore ist begeistert.

Schon jetzt ist Spanien der größte Produzent von Bioethanol in Europa, vorwiegend aus Gerste und Weizen. Auch die bei der Verarbeitung der Orangen anfallenden Abfälle eignen sich dafür, wie Forscher in Florida herausfanden, wo das Verfahren zuerst zum Einsatz kommen soll. "Biosprit aus Orangenresten wäre ein wichtiger Beitrag, um langfristig die Abhängigkeit vom Erdöl zu senken", sagte Gónzalez Pons nun auf einem Energieforum in Madrid. Mit den Orangenschalen könnte man in einigen Jahren 37,5 Millonen Liter umweltfreundlichen Sprit für 550.000 Fahrzeuge schaffen, das enspricht 25 Prozent des valencianischen Automobilparks. Eine Tonne Zitrusabfälle ergäbe 75 bis 80 Liter Bioethanol. "Al Gore hat uns ermuntert, diesen Treibstoff der Zukunft zu produzieren", so González. Auch einen vorläufigen Namen hat der Amerikaner dem Gemisch, das die Valencianer glücklich machen soll, schon verpasst: Zumosoil, was übersetzt etwa Saftbenzin heißt.

Ford als Verwertungspartner

Einen wichtigen Partner für dieses Projekt haben die Spanier praktischerweise vor ihrer Haustür. Derzeit produziert die europäische Konzerntochter von Ford jährlich 20.000 Bioethanol-Motoren, die allerdings fast alle nach Nordeuropa exportiert werden. "Immerhin hatten wir letztes Jahr schon 800 spanische Kunden, die einen Bioethanol-Motor in ihr Fahrzeug einbauen ließen", so ein Ford-Sprecher. Ein Anfang scheint also gemacht. Mittelfristig will Valencia das schwedische Modell imitieren, wo man sich bis zum Jahr 2020 unabhängig vom Erdöl machen will. Nun soll das Projekt für eine eigene Bioethanolanlage einigen potenziellen Geldgebern vorgestellt werden. Als Ansprechpartner infrage kommen spanische Firmen wie Acciona oder Abengoa, die sich auf Umweltfragen spezialisiert haben.

In zehn bis 15 Jahren könnte Bioethanol aus Orangen dann industriell gefertigt werden, hofft Pons und stellt gleich 2500 direkte und weitere 20.000 indirekte Arbeitsplätze für seine Region in Aussicht. Auch mit den Experten in Bartow, Florida, sind die Valencianer in Kontakt. Die Idee aus den scheinbar wertlosen Orangenschalen – sie wurden als Viehfutter verhökert – Bioethanol zu machen, hatte erstmals der US-Forscher Karel Grohmann. Bislang fertigte man Ethanol nur aus Weizen oder Zuckerrüben. Doch auch Orangenschalen enthalten Zucker und Stärke, und das gab Grohman die entscheidende Idee: Durch die Zugabe von Hefepilzen setzte die alkoholische Gärung ein und spaltete die Zuckermoleküle in Ethanol und Kohlendioxid, das praktischerweise treibhausneutral ist, ein neuer Kraftstoff war geboren. Egal, ob die Anlage nun in Spanien stehen wird oder nicht, zu einem hat sich Pons verpflichtet. Alle Fahrzeuge der valencianischen Landesregierung fahren ab 2010 nur noch mit grünem Sprit – am liebsten aus Orangen.

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