AMG Performance Studio

AMG Performance Studio AMG Performance Studio

AMG Performance Studio

— 27.07.2006

Stil ohne Grenzen

Mercedes maximal: Das neue AMG Performance Studio in Affalterbach erfüllt extreme Kundenwünsche. Und baut Sonderserien wie den SLK für die Rennpiste.

Noch schneller, noch teurer, noch exklusiver

Vielleicht arbeiten die bei Mercedes mit Gehirnwäsche. Oder mit Hypnose oder sonst einem dieser Psychotricks. Anders ist es kaum zu erklären, warum man die Welt plötzlich so anders wahrnimmt, wenn man das neue "Performance Studio" der Tuning-Tochter AMG in Affalterbach besucht. Die Stimmen werden hier auf einmal leiser, die Schritte vorsichtiger, die Umwelt kommt nur noch ganz gedämpft an. So wie im Museum – bloß ohne Filzlatschen.

Es könnte auch einfach an der Atmosphäre liegen. Die einzelnen Werkstattboxen im Perfomance Studio sind mit schwarzem Absperrband voneinander getrennt. Um die Fahrzeugteile zu schonen, sind die Werkbänke mit Teppich ausgeschlagen, und sie werden nach jedem Arbeitsgang vom Mechaniker penibel abgesaugt. Dass die Uhren an der Wand auf die Sekunde genau gehen, erscheint einem als Besucher da fast schon wie eine Selbstverständlichkeit. Auf jeden Fall haben die hier keine Werkstatt wie jede andere. Hier werden Autos für Menschen gebaut, denen ein normaler Mercedes viel zu gewöhnlich ist – und ein normaler AMG nicht aufregend genug. Die Kunden hier wollen es noch schneller, noch teurer, noch exklusiver.

Zwei besonders ausgefallene Exemplare rollen die AMG-Leute exklusiv für AUTO BILD in die Werkshalle. Und schon der erste davon wird Traditionalisten an den Rand der Ohnmacht bringen: Es ist ein Mercedes 300 SL von 1954 – allerdings mit moderner Technik. Der auf 385 PS gesteigerte V8-Motor (Vmax 270) stammt aus dem Roadster R129, die dazu passende Automatik ist auch mit drin. Die Spiegel sind elektrisch verstellbar und kommen aus dem Porsche Carrera 2. Die Tankklappe ist vom W124, beim Original-Flügeltürer kam man nur über die Heckklappe an den Tank. Dazu hat der neue Alte eine Klimaanlage, ein Pioneer-Radio mit CD-Wechsler und iPod- Anschluss.

Geschmackliche Grenzgänge gehören dazu

Besonders gewöhnungsbedürftig wirken allerdings die Räder: Statt auf den schönen alten Stahlblech-Scheibenrädern steht der 300 SL jetzt auf Fünf-Speichen-Rädern. "Wir hätten sicher auch eine andere Lösung finden können", sagt Verkäufer Volker Nieweg, "aber der Kunde wollte es so." Auftraggeber ist ein Herr aus Asien, und er hat viel in dieses Auto investiert. Nieweg: "Es hat einen Wert von 1,2 bis 1,3 Millionen Euro."

Es ist ein Stil ohne Grenzen, den das Perfomance Studio seinen Kunden ermöglicht, sowohl nach oben hin als auch nach unten. Das zeigt auch der CLS 500, den die Mechaniker für ein (männliches) Mitglied der Königsfamilie von Bahrain komplett in Rosa eingefärbt haben – und zwar innen und außen. "Wir haben vom Kunden ein Farbmuster zugeschickt bekommen und später durch Zufall herausbekommen, dass das auf einer Opelfarbe basiert", erzählt Nieweg. Genau gesagt: auf Rosenquarz-Metallic, Farbcode 578. Die Umfärbe-Aktion hat 50.000 Euro gekostet.

Nur gut, dass die Mechaniker im Perfomance Studio nicht nur solche geschmacklichen Grenzgänge ausführen müssen. Sondern jetzt auch aus "normalen" Mercedes-AMG-Fahrzeugen noch exklusivere Kleinserien machen – wie den SLK 55 AMG Black Series (siehe nächste Seite) oder den Highend-Sportler CLK DTM AMG Cabriolet aus der "Signature Series". Die sind zwar auch extrem – aber wenigstens nicht quietscherosa.

Bewegende Bilder: SLK 55 AMG Black Series

Man braucht das Auto gar nicht zu bewegen. Muss nicht mal den Motor anlassen. Es reicht, von innen gegen das Dach zu fassen und die Maserung zu fühlen. Sie erinnert an Holz, ist aber Carbon. Da weiß man, daß dies kein normaler SLK ist und auch kein normaler AMG-SLK. Es ist der 107.300 Euro teure SLK 55 AMG Black Series – und noch eine Spur extremer. "Der Wagen hat mehr als 70 Neuteile gegenüber dem normalen AMG-SLK, über 200 haben wir verändert", sagt Projektleiter Olaf Herholz.

Das elektrohydraulische Variodach zum Beispiel musste der festen Carbon-Variante weichen, das spart 34 Kilo Gewicht. Vier weitere Kilo bringen die 19-Zoll-Schmiederäder. Der 5,5-Liter-V8-Motor leistet 400 PS, beschleunigt den Wagen in 4,5 Sekunden von null auf 100 (statt 4,9) und maximal auf (abgeregelte) 280 km/h – wie das live aussieht, sehen Sie als Livestream, wenn Sie auf den Play-Button im Videobild klicken. Sie können das Video aber auch aus der Mediengalerie herunterladen.

Hauptaugenmerk lag aber auf der Fahrdynamik: Der Wagen lenkt präzise ein, untersteuert fast gar nicht und kann (fast) immer mehr, als man ihm zutraut. Aber wer leistet sich so ein extremes Auto? Herholz sagt: "Viele haben einen normalen SLK 55 AMG für die Straße und wollen den hier zusätzlich für die Rennstrecke." Okay, alles klar...

Technische Daten SLK 55 AMG Black Series V8-Motor • drei Ventile pro Zylinder • eine obenliegende Nockenwelle pro Zylinderbank • Hubraum 5439 cm³ • Leistung 294 kW (400 PS) bei 5750/min • max. Drehmoment 520 Nm bei 3750/min • Hinterradantrieb • Siebenstufen-Automatik • innenbelüftete Verbundscheibenbremsen • Einzelradaufhängung v./h. • Kofferraum 300 l • Länge/Breite/Höhe 4087/1794/1271mm • Reifen vorn-hinten 235/35-265/30 ZR19 • Leergewicht 1495 kg • Spitze 280 km/h (abgeregelt) • 0–100/200 km/h in 4,5/15,5 s • EU-Verbrauch 12,2 l/100 km • Preis 107.300 Euro

Autor: Alex Cohrs

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