AMI Leipzig 2006

AMI Leipzig 2006: Fiat Panda MultiEco AMI Leipzig 2006: Fiat Panda MultiEco

AMI Leipzig 2006

— 01.04.2006

Schön sauber hier

In Genf haben die Hersteller so richtig auf dicke Hose gemacht, in Leipzig ziehen sie blank: Öko ist toll, lautet die Botschaft. Grüne Welle in Sachsen.

472 Aussteller, 130.000 Quadratmeter Hallenfläche, 280.000 erwartete Besucher – das sind die nackten Eckdaten der 16. AMI in Leipzig. Eco Fuel, CNG, Natural Power – das sind die Kürzel, die hier für Furore und Kauflust sorgen sollen. Wer über die kleine sächsische Schwester der Frankfurter IAA schlendert, hat nicht wirklich den Eindruck, als hätte irgendein Hersteller irgendeinen Trend in Sachen Sprit sparen und Emissionen senken verpennt. Im Gegenteil. Ganz selbstverständlich präsentiert fast jeder Autobauer ein kreativ getauftes Sparmodell.

AMI-Weltpremiere feiert beispielsweise der bivalente (Benzin- und Erdgasantrieb) Focus CNG, der im Herbst 2006 vom Konzeptauto zur einzigen Limousine mit Erdagasantrieb im C-Segment konvertieren soll. Volkswagen kontert mit dem "quasi-monovalenten" (primär Erdagsantrieb, kleine Benzinmenge) Touran Eco Fuel, der ab Sommer dieses Jahres ebenfalls 300 Kilometer Reichweite ermöglichen soll für kleines Spritgeld. Zwischen 1,50 und sechs Euro pro 100 Kilometer lassen sich sparen im Vergleich zu konventionellen Dieseln bzw. Benzinern, wirbt der Trägerkreis Erdgasfahrzeuge auf den Frontscheiben seiner Exponate in Halle 3.

Rund 35.000 Fahrzeuge sind derzeit mit Gasbetankung auf deutschen Straßen unterwegs, erfährt man dort. Die meisten Modelle kennt und sieht man hier: Volvo S60 und V70 BiFuel, Fiats Natural-Power-Flotte aus Punto, Doblo und Multipla, Opels CNG-Duo Zafira und Combo sowie der doppelte CNG-Focus von Ford, als bereits erwähnte Limousine und bereits erhältlicher C-Max. Heimlicher Star des Erdgas-Stands ist der VW Touran TSI-CNG, den die Schweizer Konzeptschmiede Rinspeed für die Wolfsburger gebastelt hat. Die 150-PS-Maschine mit Kompressor-Abgasturbolader steckt auch im Volkswagen-SUV Concept A, das bereits auf dem Genfer Auto Salon im März 2006 stand – wie nahezu jedes Exponat, was hier zu bewundern ist. Einige Hingucker-Studien wie der Volvo C30 fehlen allerdings. Die stehen in Stockholm, auf dem schwedischen Autosalon, der dieses Jahr nicht nach der AMI, sondern parallel stattfindet.

Dickster Brocken (und unverkäufliches Einzelstück) der grünen Welle, die über den Leipziger Autosalon schwappt, ist ein auf Autogas umgerüsteter Hummer H2. Für die 533-PS-Verpackung sorgt Veredler Geiger aus Bayern, für die alternative Kraftstoffversorgung die Autogastechnik Triptis aus Ost-Thüringen.

Echte Haudegen sind dagegen die Hybrid-Fahrzeuge, auf die Toyota und Honda seit einigen Jahren das Monopol besitzen. Die Japaner kombinieren den bewährten Verbrennungsmotor mit drehmomentstarken, zunehmend größeren Elektromotoren. Honda Civic IMA (Integrated Motor Assist) und Toyota Prius sind hierzulande bereits in der zweiten Auto-Generation zu haben, Lexus RX 400h und GS 450h (ab Juni 2006) mischen die Oberklasse alternativ auf. Konkurrenz müssen die japanischen Pioniere nicht fürchten: Europäische und amerikanische Autobauer können und wollen zur Zeit nichts Vergleichbares anbieten. Frühestens 2008 rücken Konsortien wie Audi/VW/Porsche oder GM/BMW/DaimlerChrysler nach. Nur mal so: 2010 will Toyota das erste serienmäßige Brennstoffzellen-Fahrzeug an den Start bringen.

Von den Bemühungen der Europäer, den Rückstand aufzuholen, ist in Leipzig herzlich wenig zu sehen. Weder die bekannten S-Klasse-Hybriden von Mercedes noch Peugeots 307 CC Hybrid-Diesel-Konzept haben es hierher geschafft. Zu realitätsfern? Statt dessen gibt es auf Sparsamkeit getrimmte Serienmodelle zu sehen. Bei Volkswagen wartet der knauserige Polo BlueMotion, der sich mit 3,9 Liter Diesel auf 100 Kilometer begnügen soll. Anders als der inzwischen eingestellte Drei-Liter-Lupo kommt der Polo ohne teure Umbauten und High-Tech-Materialien aus. Kraftstoff gespart wird durch eine dezent modifizierte Aerodynamik und eine längere Getriebeübersetzung. Nach und nach sollen auch andere VW-Modelle BlueMotion-Ableger bekommen, "mittelfristig" sieht VW-Chef Pischetsrieder die BlueMotion-Linie sogar als Keimzelle eines Hybridantriebs. Fragt sich nur, was auch immer wir uns unter "mittelfristig" vorzustellen haben ...

Einen Rundumschlag (oder ein letztes Aufbäumen?) wagt Smart: Der todgeweihte forfour feiert mit zusätzlichem Flüssiggasantrieb eine zweifelhafte letzte Weltpremiere. Neben dem forfour lpg (liquified petroleum gas) stehen fortwo cng (zwei zusätzliche Erdgas-Unterflurtanks) und fortwo ev (reiner Elektroantrieb). Beides Öko-Prototypen, die zumindest als Baureihe bessere Chancen haben. Anders als der eingestellte roadster, der mit dem ziemlich schwarz-gehaltenen Sondermodell pitchblack eine Abverkaufs-Messe-Premiere feiert. Ob alle Öko-Smarts es bis auf die Straße schaffen, bleibt abzuwarten: Der lpg soll schon Ende April 2006 ohne Aufpreis zu haben sein.

Was es sonst noch Sehenswertes auf der AMI gibt – neue Roadster, craxy Aufbauten, originelle Sondermodelle –, erfahren Sie wie immer in der Bildergalerie. Viel Spaß beim virtuellen Rundgang – und beim Wiederkommen: Während der gesamten Ausstellungszeit (1. bis 9. März 2006) aktualisieren wir fortlaufend die Panorama-Galerie. Bildschirmfüllende 360-Grad-Ansichten in höchster Auflösung – die gibt es nur bei autobild.de.

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