Anschlagserie auf Autotransporter

Anschlagserie auf Autotransporter

— 25.06.2013

Autobahn-Schütze gesteht

Die Polizei hat den Autobahn-Schützen gefasst – und er hat seine Taten gestanden. Das Motiv des 57-Jährigen: "Ärger und Frust im Straßenverkehr."

(dpa) Die jahrelange Serie von Schüssen auf deutschen Autobahnen ist nach Angaben des Bundeskriminalamts (BKA) aufgeklärt. Ein Lastwagenfahrer habe die Taten wenige Stunden nach seiner Festnahme gestanden. Als Motiv habe der 57-Jährige aus Nordrhein-Westfalen "Ärger und Frust im Straßenverkehr" genannt, sagte der BKA-Präsident Jörg Ziercke am 25. Juni 2013 in Wiesbaden.

Hier geht es zum BKA-Fahndungs-Link

Das Bundeskriminalamt sicherte diese beschossene Autotür. Das Projektil stammt von der Waffe des Autobahnschützen.

Seit 2008 hatte der Mann mindestens 762 Mal aus seinem Lastwagen auf andere Lastzüge geschossen, vor allem auf Autotransporter. Die Fahnder nahmen ihn am 23. Juni 2013 in seinem Wohnort in der Eifel fest. Zwei Pistolen und ein Schießkugelschreiber seien sichergestellt worden, sagte Ziercke. Man habe bei dem Verdächtigen noch 1300 Schuss Munition gefunden. Ziercke sprach von einem "gefährlichen Serientäter", der Fall sei "bislang einzigartig in der Kriminalgeschichte".

Der Würzburger Staatsanwalt Dietrich Geuder kündigte an, der 57-Jährige werde sich unter anderem wegen versuchten Totschlags verantworten müssen. Dem Fahrer werden auch Verstöße gegen das Waffengesetz vorgeworfen. Der Mann sei "ein frustrierter Einzelgänger mit einem Hass auf andere Menschen und einer Affinität zu Waffen". 2009 war bei den Schüssen eine Autofahrerin auf der A3 bei Würzburg am Hals getroffen und schwer verletzt worden.

Ziercke sagte, die Fahnder seien dem Fahrer mit Hilfe automatischer Kennzeichenlesegeräte auf die Schliche gekommen. Die Geräte wurden in diesem Frühjahr an sieben Autobahnabschnitten von Aachen Richtung Bayern und Baden-Württemberg eingesetzt. Wenn Lkw beschossen wurden, seien deren Bewegungsdaten mit denen anderer Wagen auf der Strecke in Verbindung gebracht worden. So kristallisierte sich ein Lkw einer Spedition in Monschau in der Eifel heraus. Dessen Fahrer und sein Handy seien dann weiter überwacht worden, um den Täter eindeutig zu identifizieren.

Der BKA-Präsident wies den Vorwurf von Datenschützern zurück, die Kennzeichenerfassung sei unverhältnismäßig gewesen. Der rheinland-pfälzische Beauftragte Edgar Wagner kritisierte, es gebe "für diese bundesweit erstmals eingesetzte Ermittlungsmethode aus Datenschutzsicht keine hinreichende gesetzliche Ermächtigungsgrundlage".

Wenn keine Schüsse gemeldet wurden, seien die Daten nach zehn Tagen ungelesen gelöscht worden, sagte Ziercke. Im Gegenteil: Die Polizei habe selber mit großem Aufwand Daten sammeln müssen, die bei der Lkw-Maut Toll Collect ohnehin vorlägen. "Durch Mautdaten hätten wir viel früher diese Tatserie unterbinden können", sagte er. Deren Nutzung sei verboten, und er wolle keine Diskussion darüber anfangen. Er frage sich aber, wen das Recht in einem solchen "absoluten Ausnahmefall" schütze.

Der mutmaßliche Täter führte die Ermittler selber zu seinem Waffenversteck in einer Hecke auf seinem Grundstück. Gefunden wurden eine Pistole und der Schießkugelschreiber mit Kaliber 22 sowie eine Pistole vom Kaliber 9 Millimeter.

"Das Geständnis ist noch sehr pauschal", sagte Staatsanwalt Geuder. Der Verhaftete berufe sich auf Erinnerungslücken. Er habe ausgesagt, vor vielen Jahren einmal von einem Autotransporter abgedrängt worden zu sein, es habe fast einen schweren Unfall gegeben. Aus Sicht des Täters herrsche auf deutschen Autobahnen Krieg, die Schüsse seien eine Art Selbstjustiz gewesen.

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