Spritpreise steigen weiter

Spritpreise in Deutschland Spritpreise in Deutschland

Anstieg der Spritpreise

— 23.05.2007

Die Tricks der Benzin-Bosse

Benzin wird immer teurer. Als Gründe geben die Mineralölkonzerne die abstrusesten Gründe an. BILD bringt ein wenig Licht ins Sprit-Dunkel.

Fünf Benzin-Märchen

Die Spritpreise steigen und steigen – Millionen Autofahrer fühlen sich abkassiert! Die Mineralölkonzerne sind trickreich und um die passende Ausrede nicht verlegen. In BILD sagen Experten, was davon zu halten ist:

MÄRCHEN: "Die hohen Beschaffungskosten sind schuld!" Quatsch! Oft gibt es langfristige Lieferverträge, die niedrige Produktionskosten sichern! Ölmarkt-Expertin Prof. Claudia Kemfert, Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung: "Die Konzerne machen deshalb so hohe Profite, weil sie Benzin günstig herstellen und teuer verkaufen. Dabei machen Tochterfirmen miteinander Geschäfte. Oft werden nur wenige Dollar pro 159-Liter-Fass Öl gezahlt – das sind ein paar Cent pro Liter."

MÄRCHEN: "Die hohe US-Nachfrage nach Benzin ist schuld!" Fakt ist: Das Problem, dass Amerika zu Anfang der wärmeren Jahreszeit ("driving season") den Spritmarkt leerkauft, tritt jedes Jahr auf – gegen die Engpässe unternehmen die Multis aber nichts! Klaus Matthies, Institut HWWI: "Statt in neue US-Raffinerien zu investieren, muten sie den Europäern lieber die hohen Preise zu."

MÄRCHEN: "Steigende Nachfrage sorgt für Transport-Engpässe und damit höhere Kosten!" Experten glauben nicht, dass Tanker fehlen, haben einen anderen Verdacht. Klaus Matthies, Institut HWWI: "Vorstellbar wäre, dass Konzern-Tanker absichtlich langsam fahren, um das Öl künstlich zu verknappen und so den Preis zu treiben."

MÄRCHEN: "Die hohen Steuern sind schuld!" ADAC-Experte Wolfgang Steichele: "Stimmt nicht! An den aktuellen Erhöhungen sind die Konzerne schuld. Denn: Der Mineralölsteuersatz ist seit Jahren stabil, nur der Mehrwertsteuer-Anteil steigt leicht, wenn die Preise steigen."

Laut Experten sind an den hohen Spritpreisen die Ölkonzerne schuld.

MÄRCHEN: "Spekulanten sind schuld!" Immerhin: Das Argument stimmt! Claudia Kemfert: "Öl ist reichlich vorhanden, der Preis müsste eher bei 40 bis 50 Dollar als bei 70 Dollar pro Fass liegen. Oft streuen Finanzjongleure Gerüchte über Gefahren, die der Förderung angeblich drohen. Das löst Sorgen und Ängste aus, die den Preis ohne echten Anlass hochtreiben."

Nur einer von vier Öl-Bossen antwortete

BILD hat am 22. Mai bei den Deutschland-Chefs der vier größten Mineralölkonzerne nachgefragt: "Zocken Sie die Autofahrer ab?" Nur einer antwortete: BP/ARAL-Chef Uwe Franke. Er sagt: "Für einen Liter Normalbenzin verlangen wir 53 Cent plus Mehrwertsteuer, das ist doch günstig! Das ist ein Preis wie vor 25 Jahren." Der Gewinn pro Liter, den BP im Tankstellengeschäft erziele, liege bei 0,5 bis 1,0 Cent. Franke weiter: "Wir senken und erhöhen an fünf Tagen pro Woche. 110 Tagen mit Erhöhungen standen 2006 rund 190 Tage mit Senkungen gegenüber." Ferientermine spielten im harten Preiswettbewerb seiner Aussage nach keinerlei Rolle.

Auf die Frage, warum die Benzinpreise immer "zufällig" zum Start der Reisewellen erhöht werden, ließ Exxon-Mobil-Chef Kalkoffen seinen Sprecher ausrichten: "Das wird seit 20 Jahren behauptet, hat noch nie gestimmt." Shell-Chef Kurt Döhmel wollte auf die Fragen gar nicht antworten, lehnte eine Stellungnahme ab. Michael Mallet, Total-Chef, ließ lediglich ausrichten, er sei nicht zu sprechen.

Vier wichtige Fragen rund ums Thema Benzin

Warum ist Benzin bei freien Tankstellen billiger? Stephan Zieger, Bundesverband freier Tankstellen: "Freie Tankstellen gehören nicht zu den großen Öl-Multis. Wir geben kein Geld für aufwendige Werbung und große Verwaltungsapparate aus. Daher sind wir in der Regel einen Cent günstiger."

Kann ich statt Super auch billigeres Normalbenzin tanken? In der Bedienungsanleitung steht, ob das Auto auch Normalbenzin verträgt. Generell gilt: nur im Stadtverkehr zu empfehlen. Auf längeren Strecken verbraucht das Auto oft mehr.

Gefährdet der hohe Ölpreis den Aufschwung? Jörg Krämer, Commerzbank-Chefvolkswirt: "Dem Wirtschaftsaufschwung kann der hohe Ölpreis kaum etwas anhaben. In den letzten vier Jahren hat sich der Ölpreis verdreifacht. Dennoch ist die Weltwirtschaft so stark gewachsen wie selten zuvor, sogar Deutschland boomt."

Bricht jetzt der Autoabsatz ein? Laut Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer ist der Absatz von Januar bis April um 27,2 Prozent gesunken. Hauptgrund war aber die Mehrwertsteuer-Erhöhung.

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