Antonio Pizzonia

Wird der Dschungelboy der neue Senna? Wird der Dschungelboy der neue Senna?

Antonio Pizzonia

— 15.01.2003

Wird der Dschungelboy der neue Senna?

Top in den Nachwuchsserien, viel Fleißarbeit als Testfahrer bei BMW-Williams. Jetzt erhält Antonio Pizzonia (22) ein Cockpit bei Jaguar. Die Chance für den lebenslustigen Mann aus dem Regenwald.

Eine bis heute lupenreine Karriere

"Probier's mal mit Gemütlichkeit, mit Ruhe und Gemütlichkeit ...", brummt Balu, der Bär, mit dem Menschenjungen Mogli im Dschungelbuch. DER Song für Antonio Pizzonia. Jaguars neuer Formel-1-Pilot aus Brasilien ist für seine 22 Jahre ein reifes Kerlchen. Gelassenheit hat der Grand-Prix-Neuling daheim am Amazonas gelernt. "Bei uns gibt es total dichten Dschungel, ich liebe diese Natur", grinst der PS-Mogli. Deswegen auch sein Spitzname: Dschungelboy. Pizzonias dunkle Kulleraugen strahlen, wenn er an Manaus denkt.

Seine Geburtsstadt mitten im brasilianischen Regenwald ist keineswegs ein Urwalddorf, sondern hat zwei Millionen Einwohner. Eine Kartbahn gibt es in Manaus allerdings erst seit 1996. Antonio übte als Neunjähriger noch auf Parkplätzen. Dort hatte ihm sein Papa einen Parcours mit alten Reifen gebaut. "Vater war streng. Nur wenn ich gute Schulnoten hatte, durfte ich fahren", erinnert sich Antonio. Eine gute Kinderstube, die gute Startposition für eine bis heute lupenreine Rennfahrerkarriere.

Für Brasilien wächst mit Antonio Pizzonia wieder ein Hoffnungsträger. Einer, der endlich den 1994 tödlich verunglückten Nationalhelden Ayrton Senna ersetzen kann? Das versuchten schon viele: Rubens Barrichello, Tarso Marques, Luciano Burti, zuletzt Felipe Massa. Der überzeugte 2002 bei Sauber nicht und ist momentan ohne Cockpit.

Pizzonias Bilanz: 48 Siege/76-mal Podium

Nun will Pizzonia auf den Olymp des Motorsports. Die Vorschusslorbeeren sind hart verdient: Mit 17 wandert er nach England aus, wird sofort Zweiter in der Formel Opel, 1998 dann Meister. Ein Jahr später: Champion in der Formel Renault mit 15 Siegen – Rekord. Lohn: ein Formel-1-Test bei Williams.

2000 folgt sein Durchmarsch in der britischen Formel 3. "Eigentlich wollte ich da zwei Jahre fahren, doch ich wurde auf Anhieb Meister und musste halt den Plan ändern", sagt der Latino fast entschuldigend.

Nächste Schritte: 2001 Formel 3000 – ein Sieg (Hockenheim), Gesamtsechster. Dazu F-1-Tester für Benetton und Arrows. 2002 wird der Sonnyboy offizieller Testfahrer bei BMW-Williams und fährt weiter im Formel-1-Rahmenprogramm Formel 3000 (8.). Bilanz nach 112 internationalen Rennen: 48 Siege, 76-mal Podium.

Zwei Jahre an die Raubkatzen ausgeliehen

An den GP-Wochenenden 2002 genießt der Dschungelboy den engen Kontakt zum BMW-Williams-Rudel. Er witzelt mit den Mechanikern, ist offen und herzlich, eben wie die Brasilianer so sind. Und total fußballvernarrt. So hüpfte er mit blondierten Haaren, Nationaltrikot und Sonnenbrille nach Brasiliens Fußball-WM-Sieg durchs Camp.

Ein Draufgänger ist Antonio Pizzonia auf der Rennstrecke. Wie drei englische Journalisten im November 2002 bei einer Showrunde schnell bemerkten: Der wilde Dschungelboy überschlug sich mit den Schreiberlingen im Jaguar S-Type. Auto Totalschaden, Insassen wohlauf – der bisher einzige Pizzonia-Aussetzer. Viel mehr fiel er durch großen Testfleiß auf: 14512 Kilometer für Williams. "Antonio war sofort richtig schnell und ist ein guter Typ", lobt Stammfahrer Ralf Schumacher. Das bleibt Jaguar nicht verborgen.

Für zwei Jahre ist "Mogli" an die Raubkatzen ausgeliehen. Er verlässt das blau-weiße Rudel mit dem Zeugnis: "sauschnell und clever". Deshalb will Ziehvater Frank Williams ihn auch zurück. Damit "Tonio furioso" seinen Traum jagen kann: Weltmeister werden wie Senna. Nur locker muss er dabei bleiben. So wie der Bär Balu trällernd rät: "Mit Gemütlichkeit kommt auch das Glück zu dir..."

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.