APR Tiguan 400 im Test

APR Tiguan 400: Test

APR hallo!

Wir waren skeptisch: 400 PS aus zwei Liter Hubraum. In einem Tiguan. Mit Gewindefahrwerk und Sportreifen. Aber Tuner APR hat geliefert – und wie!
Plötzlich stand er in der Tiefgarage. Schwarzer Lack, silbergraue Camouflage-Beklebung, runtergedrehtes Gewindefahrwerk, Performance-Bremse, 20-Zöller mit Michelin Cup 2-Reifen – hmm, alles nur Show? Oder kann die tiefergelegte Rentnerschaukel wirklich was? APR, 1997 im US-amerikanischen Alabama gegründet und seit 2013 auch in Deutschland aktiv, hat sich den VW Tiguan vorgenommen – und wir testen.

Ein größerer Turbolader bläst den Zweiliter-Vierzylinder auf

Der hat Dampf: Im Bug des APR Tiguan steckt der 2.0 TSI mit satten 400 PS und 550 Nm Drehmoment.

Der Tuner bläst den Zweiliter-Turbobenziner von 220 PS auf sehr beachtliche 400 PS auf. Das sind straffe 200 PS pro Liter, die ein Motor natürlich nicht einfach so ausspuckt. APR installiert dafür ein Carbon-Ansaugsystem, eine vergrößerte Turbo-Inlet-Pipe, den großen Turbolader des Golf R, eine dicke Downpipe sowie einen leistungsfähigeren Ladeluftkühler. Gemanagt wird das Ganze nicht etwa von einem angeklipsten Zusatzsteuergerät; APR spielt vielmehr eine neue Motorsoftware auf das Original-Steuergerät. Im Ergebnis liegen jetzt bis zu 1,77 Bar Ladedruck an, die das Maximaldrehmoment mal eben von 350 auf 550 Nm puschen. Falls Sie sich nun nicht ganz unberechtigte Sorgen um die Haltbarkeit von Triebwerk, Getriebe und Achsen machen: Wer seinen neuen Tiguan von APR tunen lässt, erhält – analog zum Hersteller – volle zwei Jahre Garantie auf Motor und Antriebsstrang.

Die Kraftentfaltung geschieht explosionsartig

Wahnsinn: Der wilde Tiguan geht in 4,75 Sekunden auf Tempo 100 und schafft maximal 270 km/h.

Und der wird tatsächlich stark gefordert: Bei den Beschleunigungsmessungen mit Launch-kontrolliertem Start bindet die Haldex-Kupplung die Hinterachse bisweilen mit einem ungewohnt harten Schlag ins Geschehen ein. Auch zugunsten des Doppelkupplungsgetriebes würden wir die Launch Control also lieber nicht zu oft nutzen. Denn nach einem deutlichen Turboloch scheint der TSI vor Potenz förmlich zu platzen, die Kraftentfaltung ist wohl am treffendsten mit explosionsartig beschrieben. 4,75 Sekunden zeigt das Display nach Erreichen von 100 km/h – nicht schlecht für einen Tiguan und ziemlich exakt auf dem Niveau des Teilespenders Golf R. Der zwar nur 310 PS auffährt, sich allerdings um satte 240 Kilo leichter tut. Bis 160 km/h hätte der APR Tiguan gegenüber dem Golf R DSG sogar die Nase vorn, oberhalb davon bremst die größere Stirnfläche das Kompakt-SUV aber wieder leicht ein. Dennoch: Wir kennen keinen zweiten Tiguan, der in 18,5 Sekunden von 0 auf 200 km/h beschleunigt. Mit der Leistung muss freilich auch die Bremse wachsen, und so installiert APR an der Vorderachse die Stopper aus dem Performance-Paket des Golf R.

Ein Artikel aus AUTO BILD SPORTSCARS

Womit sich der Tiguan anständig, wenn auch nicht überragend aus der Affäre zieht. Denn schon nach der ersten Bremswegmessung aus 200 km/h lässt sich das Bremspedal bis zum Boden treten, womit das Vertrauen in die Standfestigkeit flöten geht. Echtes Fading mit dramatisch abbauender Verzögerung oder gar Totalausfall treten aber nicht auf

Auf der Rennstrecke ist das Fahrwerk zu weich

Deutliche Seitenneigung: Bei der wilden Kurvenhatz könnte der APR Tiguan etwas härter sein.

Gleiches Bild auf dem Sachsenring. Rennprofi Steve Kirsch kämpft schon in der ersten Runde mit einem schlappen Bremspedal, doch die Verzögerungsleistung bleibt einigermaßen berechenbar. Beim Einlenken empfindet Steve das von APR gewählte Set-up des KW-Gewindefahrwerks als etwas zu weich. Trotz stattlicher Tieferlegung und der vom Golf R übernommenen, strafferen Elastokinematik bewegt sich die Karosserie immer noch deutlich. Was im Alltag auf der Straße jedoch kein Fehler ist, denn der APR Tiguan bietet einen gerade noch akzeptablen Federungskomfort. Das Fahrwerk spricht feinfühlig an, verfügt aber eben über kurze und entsprechend progressive Federwege. Rundum überzeugt hat uns die extrem präzise Lenkung, die ein zentimetergenaues Dirigieren ermöglicht, weniger gut gefiel uns hingegen der nervöse Geradeauslauf oberhalb von 200 km/h, der beim Serienmodell nicht auftritt. Steve prügelt den APR weiter über den Ring. Das Gripniveau der Cup 2-Pellen ist gewohnt hoch, die mögliche Querbeschleunigung für ein SUV erstaunlich.
Konzeptbedingt schiebt der Tiguan aber immer wieder leicht über die Vorderachse. Auf Lastwechsel dreht sich die Fuhre auch mal munter ein, doch bevor man diesen Impuls für eine schönere Linie nutzen kann, greift das nicht vollständig deaktivierbare ESP ein und bereitet dem Spaß ein Ende. Klar, Gewindefahrwerk und Sportreifen machen aus einem 1,8-Tonnen-SUV noch keinen Sportwagen, doch das Handling ist durchaus agil, gutmütig – und schnell: Die Uhr stoppt bei 1:40,13 min – nur sechs Zehntel fehlen auf den deutlich leichteren, ebenfalls sportbereiften Golf R DSG. Der APR Tiguan kommt nach einer Abkühlrunde an die Box – und glüht immer noch. Wir fahren sofort wieder raus zum weiteren Herunterkühlen. Er ist thermisch an seine Grenzen gekommen. Doch er hat geliefert.

Fahrzeugdaten APR Tiguan 400
Motorbauart R4
Aufladung/Ladedruck Turbo/1,8 bar
Einbaulage vorn quer
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder / 2
Hubraum 1984 cm³
Bohrung x Hub 82,5 x 92,8 mm
Verdichtung 9,3:1
kW (PS) b. 1/min 294 (400)/5800
Literleistung 202 PS/l
Nm b. 1/min 550/3300
Getriebe 7-Gang-Doppelkupplung
Antrieb Allrad
Bremse vorn 340 mm innenbel./gel.
Bremse hinten 300 mm
Bremsscheibenmaterial Stahl
Radgröße 9 x 20
Reifengröße 255/40 R 20
Reifentyp Michelin Sport Cup 2
Länge/Breite/Höhe 4490/1859/1644 mm
Radstand 2677 mm
Tankvolumen 60 l
Kofferraumvolumen 615-1655 l
Testwagenpreis ca. 55.000 Euro

Messwerte APR Tiguan 400
Beschleunigung
0-50 km/h 2,0 s
0-80 km/h 3,5 s
0-100 km/h 4,8 s
0-130 km/h 7,3 s
0-160 km/h 10,7 s
0-180 km/h 14,2 s
0-200 km/h 18,5 s
0-402,34 m (1/4-Meile) 13,20 s
Vmax 270 km/h
Elastizität
60-100 km/h (4./5. Gang 4,0/6,3 s
80-120 km/h (5./6. Gang 5,3/7,9 s
80-120 km/h (7. Gang) 12,8 s
Rundenzeit
Sachsenring 1:40,13 min
Bremsweg
100-0 km/h kalt 36,8 m
100-0 km/h warm 33,8 m
200-0 km/h warm 132,2 m
Verbrauch
Ø auf 100 km 11,2 l Super Plus
Reichweite 540 km
Gewichte
Leergewicht/Zuladung 1750/510 kg
Balance VA/HA 55,9/44,1 %
Leistungsgewicht 4,4 kg/PS

Florian Neher

Fazit

APR treibt das Tiguan-Konzept an seine Grenzen. Mehr geht nicht – zumindest nicht mit Zweiliter-Motor und VW-Baukasten-Bremse. Fahrleistungen und Rundenzeit sind für ein Kompakt-SUV erstklassig, ohne dass der APR Tiguan in einem anderen Kapitel versagen würde. Wir ziehen den Hut vor soviel Ausgewogenheit. Wie lange die Technik das aushält? Wissen wir auch nicht!

Stichworte:

Kompakt-SUV

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