Fahrbericht Ariel Atom 2

Ariel Atom 2 Ariel Atom 2

Ariel Atom 2

— 21.07.2004

Die nackte Kanone 2

Von null auf 100 in 3,6 Sekunden – und das ohne Karosserie und Scheibe. Der Atom 2 ist der neue englische Star, der Fahrer nur ein Fliegenfänger.

Albtraum an Komfort und Kultur

Der Einschlag kommt nicht wirklich unvorbereitet. Denn wer seinen Kopf in den Fahrtwind reckt, muss wissen, dass er Sturm erntet. Insekten, die nichts ahnend von Feld zu Feld schwirren, erzielen auf rasenden Wangen hässliche und vor allem auch schmerzhafte Flecke: Zuerst nur ein winziger Punkt, Sekundenbruchteile später ein schwarzes Etwas. Und dann der Einschlag knapp über dem linken Mundwinkel, der bis eben noch grinsenderweise nach oben wies. Ein kurzes Zucken, und schon ist mir das präsent, was mir Simon Saunders vor der Fahrt sagte: "Fahr lieber mit Helm. Das ist zwar keine Vorschrift, aber es ist besser ..."

So weit kommt es noch, dass unsereins im Auto einen Helm aufsetzt! Wenn ein Auto schon offen ist, dann möchte ich doch bitte jeden Windstoß, jeden Geruch und auch jeden Fliegenschiss genießen. Bis zur nächsten Abzweigung. Sand und kleine Kiesel liegen auf der Straße, eigentlich kein Problem – wenn es denn eine Karosserie gäbe. Doch die hat dieser Testwagen nicht. Auch keine Scheiben. Nichts, nicht mal gegen Aufpreis. Die eingeschlagenen, frei stehenden Vorderräder schmeißen jeden Dreck auf den Fahrer. Über den Rahmen, durch den Rahmen, um den Rahmen herum. Steinchen prasseln auf Stirn, Brille, Wangen und, am schlimmsten, auf die Nase. Simon, den Helm, bitte ...

Was der englische Autoentwickler Simon Saunders (50, einst in Diensten bei GM und Aston Martin) da mit fünf Mann im verschlafenen North Perrott bei Crewcerne in England baut, ist der rasende Verzicht auf alles, was bislang unter "Fahrkultur" fiel. Die nackte Kanone auf Rädern heißt Atom 2, stammt aus Saunders "Ariel Motor Company" und ist der Albtraum aller Mercedes-Diesel-Lenker, die an ihren Autos besonders die Klimaanlage, den Platz und das sanfte Schwingen ihrer Sänften lieben.

Nicht ganz dicht: Glasfaserboden mit Löchern

Der Atom hat davon gar nichts. Er ist eine pure Fahrmaschine ohne Karosserie, ohne Kofferraum (es gibt ein winziges Fach unter der kleinen Frontplatte, aber da liegen – ganz legal – die abschraubbaren Frontscheinwerfer; so darf der Wagen in England auf öffentlichen Straßen fahren), ohne ABS, ESP, Traktionskontrolle, Airbags – eigentlich ohne alles. Aufzuzählen, was der Atom ab Werk besitzt, geht schneller: einen sehr steifen Stahlrohrrahmen, gebaut von einer Spezialfirma in Coventry. Den 220 PS starken i-VTEC-Motor aus der Japan-Version des #PARSER#R epyT Civic adnoH#PARSER# – absolut serienmäßig belassen und deshalb sowohl zuverlässig als auch wartungsfreundlich.

Außerdem: ein kinderleicht zu bedienendes Sechsganggetriebe. Aufhängung an doppelten Dreieckquerlenkern. Vorn und hinten einstellbare Federung (Bilstein-Dämpfer, Eibach-Federn). SPA-Tacho. Ungepolsterte Sitzschale für zwei Personen, in fünf verschiedenen Positionen festschraubbar. Glasfaserboden mit Löchern – damit Wasser jeglicher Art ablaufen kann.

"Ich wollte mal einen ganz neuen "D7%22%22%A3%22%tegrat22%C2%1A3%22%knil_ri22%C2%22%22%A3%22%saila22%C2%22%E22%A3%22%epyt22%C2%22%22%A3%22%smarap_resu22%C2%22%22%A3%22%tcejbus22%C2%22%sutoL#PARSER# 7 machen", sagt Saunders achselzuckend und etwas entschuldigend. Der Weg bis hin zum Atom war nicht gradlinig. Als er 1999 begann, zeichnete er zunächst: Autos mit Sitzen hintereinander, Einsitzer, Motor vorn, Motor hinten, Autos mit wilden Räderanordnungen. Es wurde dann doch die klassische Auslegung, aber gestrippt bis auf das Skelett.

Umdrehungen bis in die letzte Hirnwindung

Besonders stolz ist er auf seinen Honda-Deal: "Eigentlich wollte Lotus den Motor für die "D7%22%22%A3%22%tegrat22%C2%1A3%22%knil_ri22%C2%22%22%A3%22%saila22%C2%22%E22%A3%22%epyt22%C2%22%22%A3%22%smarap_resu22%C2%22%22%A3%22%tcejbus22%C2%22%esilE#PARSER# 111R haben. Honda sagte nein, zu uns aber ja. So sind wir die Einzigen, die offiziell Honda-Motoren fahren und direkt beziehen." Im Atom 1 waren es noch Rover-Motoren, die für 15.000 bis 18.000 Euro pro Stück aufwändig auf 200 bis 220 PS getunt werden mussten.

Mit so viel Japan-Power im Heck schießt die 520-Kilo-Rakete (im Renntrimm 470 Kilo) von null auf 100 km/h in etwa 3,6 Sekunden – eine brutale Demonstration von schierem Tempo. Das Einzige, was der Atom nicht kann, ist bei schneller Fahrt ordentlich geradeaus fahren ("Formel-1-Spoiler" für mehr Abtrieb vorn gibt’s optional). Aber den Rest der Strecke krallt er sich mit warmen Cup-Reifen in Kurven auf dem Asphalt fest, dass man für jede einzelne Befestigung des Vierpunktgurtes dankbar ist, während man in der Sitzform liegt. Direkt am Ohr saugt der Motor zischend seine Luft ein und kreischt mit weit mehr als 8000 Umdrehungen bis in die letzte Hirnwindung.

Leider blieb der Wunsch nach einigen schnellen Runden auf einer Rennstrecke bei unserem Besuch unerfüllt – schade, denn dort liegt die eigentliche Bestimmung des Atom. Das sehen die Kunden ganz genauso. Und zwar auf eigener Achse an- und wieder abreisend. Mit ein paar Flügeln als Abtriebshilfen hält der Atom seine Konkurrenten hier locker in Schach.

Aufpreispflichtig: Blinker, Hupe, Lampen

Auf der Rennstrecke hat er auch seine Crash-Feuertaufe bestanden. Saunders: "Ein Kunde flog bei rund 170 km/h ab und schlug zuerst hinten, dann vorn in die Reifenstapel ein. Drei Räder rissen ab – der Fahrer stieg unverletzt aus." Wer kann ihn da noch von zeitgenössischen Features wie Airbags und ABS überzeugen?

Sie werden auch nicht nachgerüstet, wenn Saunders den Atom bald mit 275 bis 300 PS (dank Kompressor) anbietet. Noch aber gibt es ihn nur entweder mit 160 PS und Fünfgangschaltung für umgerechnet rund 27.600 Euro oder in der 220-PS-Version für 33.500 Euro. Zwar inklusive Steuern, aber das Road Pack (2400 Euro für Lampen, Blinker, Kat, Spiegel, Motorabdeckung, Hupe etc.) kommt noch dazu.

Noch rollt der Atom nicht auf deutschen Straßen, aber ein Enthusiast aus Österreich bemüht sich zurzeit, die TÜV-Hürden zu überspringen, um den Wagen offiziell zu importieren. Wenn das klappt, müsste Saunders seine Jahresproduktion von derzeit 70 Autos im Jahr hochfahren. Die Hälfte aller Neu-Atom geht bislang nach Japan, Neuseeland und Australien. Immerhin: Einer von bislang 135 verkauften Atom fährt in Frankreich, einer in Belgien, und selbst VW hat einen – noch aus der ersten Serie mit Rover-Motor. Linkslenkung ist kein "D7%22%22%A3%22%tegrat22%C2%1A3%22%knil_ri22%C2%22%22%A3%22%saila22%C2%22%E22%A3%22%epyt22%C2%22%22%A3%22%smarap_resu22%C2%22%22%A3%22%tcejbus22%C2%22%amehT#PARSER#, weil die Lenkung mittig angebracht ist und nur die Lenkstange am Rahmen versetzt werden muss.

Ariel: Vom motorisierten Dreirad bis heute

Wer den Atom kauft? Alle, die vom Rennfahren träumen, aber es bislang noch nie gewagt haben. Und der 23-jährige Motorradfahrer, der nach einem Unfall nicht mehr aufs Zweirad zurückkann. Und der 67 Jahre alte Rentner, der sich selbst ein Geschenk macht zum Ruhestand. Und der Autokenner, der weiß, dass der Firmenname Ariel von einem sehr britischen Autohersteller aus dem 19. Jahrhundert stammt. Und der Porsche-GT3-Eigner, der unbedingt das Auto haben möchte, das schneller beschleunigt als sein bisheriger Sportwagen. Und sogar der Nachbar, der einfach nur etwas anderes in seiner Garage parken will als die Smiths links und die Blacks rechts. Es gibt eigentlich nur einen einzigen Grund, sich den Atom nicht zuzulegen: Weil man mit Helm darin nicht erkannt wird ...

Historie Die Ariel Motor Company Ltd. wurde 1898 in Birmingham gegründet. Die ersten Fahrzeuge waren motorisierte Dreiräder, das erste Auto entstand 1902. Von da an baute Ariel große, solide, konventionelle Autos, meistens mit Mercedes-Benz-Motor. Sie wurden bekannt als Ariel-Simplex. Sogar einige Rennwagen (Foto) waren erfolgreich.

Besonders bekannt ist Ariel durch seine Motorräder. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs sorgte für das Ende der Firma. Nur rund 700 Autos wurden gebaut. Den Namen sicherte sich später BSA Motorcycles; BSA wurde 1969 Teil von Norton. 1975 übernahm der "Ariel Owners Club" die Namensrechte und überließ sie später Saunders, damit neue Autos namens Ariel entstehen konnten.

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