Asma Perfectus Mercedes SLR — 13.02.2009
Die Wüste bebt
Ich war mal ein Mercedes McLaren SLR: Mit dem eine Million Euro teuren Asma Perfectus will ein deutsch-türkischer Tuner die Autoszene des arabischen Emirats Abu Dhabi aufmischen.
Ich fahre durch das abendliche Abu Dhabi und bin blind. Mit Müh und Not kann ich die Heckleuchten des Vordermanns ausmachen – wenn ich ganz dicht auffahre. Die fast auf null reduzierte Sicht rührt nicht etwa vom plötzlichen Verlust meines Augenlichts her, sondern von Asmas Eingriffen, die speziell auf arabische Wünsche zugeschnitten sind. Tiefschwarz folierte Frontscheiben fungieren als Symbol dieser Völkerverständigung. Erturul Asma, Namensgeber und Inhaber von Asma Design, erklärt: "Zum einen sieht es stimmiger aus, wenn sämtliche Scheiben foliert sind. Zum anderen legen die Scheichs Wert auf Diskretion. Sie wollen nicht, dass die ganze Welt sieht, wer neben ihnen sitzt." Diese Erkenntnis leuchtet durchaus ein – trotzdem will ich ein anderes Auto. Asma steigt selbst in den Dark-Room-SL und überlässt mir seine
S-Klasse. Der 38-jährige Deutsch-Türke Erturul Asma ist Ende 2007 mit Sack und Pack nach Abu Dhabi gezogen – samt Frau und zwei Kindern. Er wohnt in einer Stadtvilla in zentraler Lage – und hat an seiner neuen Heimat nur wenig auszusetzen. Fungiert er doch als Haus- und Hoftuner eines Scheichs, der in Abu Dhabi eine gewichtige Rolle spielt und grob überschlagen zehnmal so viel Geld wie Onkel Dagobert hat.
Alles sehr auffällig, sehr exklusiv, sehr kostspielig
Erfolgsstory: Erturul Asma (38) fing 2002 im schwäbischen Holzmaden an, mit Rädern zu dealen.
Wir machen uns auf den Weg in die Wüste. Asma gibt auf der gut ausgebauten Piste kräftig Gas. Das Tempolimit auf den Autobahnen liegt bei 160 km/h. Der Veredler fährt deutlich schneller. "Das Auto ist auf den Scheich zugelassen", verrät er lächelnd. Die S-Klasse, mit der wir unterwegs sind, dient Asma als Alltagsauto und Visitenkarte. Die Serienleistung sieht man dem Fahrzeug nicht an – ahnungslose Beobachter vermuten mindestens 500 PS. Das Bodykit Eagle I erhöht den Aufmerksamkeitswert um rund 800 Prozent, das gefräßige Maul scheint nach Kindern zu schnappen. Nach zwei Stunden sind wir wieder zurück in der Werkstatt. "Natürlich besteht noch Optimierungsbedarf", erklärt Asma. Priorität hat aktuell der Bezug eines repräsentativen Showrooms." Einen solchen in guter Lage zu bekommen, stellt selbst Menschen mit hervorragenden Beziehungen vor echte Probleme. Ohne wird man neben Größen der Branche wie "Prestige Cars" jedoch kaum wahrgenommen. Der Big Player hat im Zentrum einen großen Ausstellraum, der noch nicht einmal besonders prunkvoll wirkt. Was sich hinter den großen Glasscheiben tummelt, hat es jedoch in sich:
Rolls-Royce von
Mansory,
Ferrari von
Novitec Rosso,
Lamborghini von
Hamann. Der vorherrschende Geschmack scheint klar: sehr auffällig, sehr exklusiv, sehr kostspielig.
Fahren ohne Zulassung und Nummernschild
Der Über-SLR im Heimathafen. Die perfekte Werkstatt samt repräsentativem Showroom hat Asma noch nicht gefunden.
Das Auto, das uns hergeführt hat, steht nun endlich fertig vor uns. Wir staunen: Mit seiner Carbonhülle sieht es aus wie ein großes, gefährliches Reptil. Fett und Ehrfurcht gebietend steht das Monstrum auf der Straße. 2,1 Meter misst der
SLR an seiner breitesten Stelle. Nur Dach und Türen stammen vom Serienfahrzeug – alle anderen Teile hat Asma von Hand in Kohlefaser gefertigt. Der SLR scheint von den düsteren Comicstrips eines Frank Miller inspiriert. Den überstrapazierten "Batmobil"-Begriff gebrauchen wir mit Absicht nicht. Als Asma den Schlüssel dreht, vergessen wir derlei Kleinigkeiten rasch: Heiser grummelnd tritt der Motor seinen Dienst an. Die Verladeprozedur verursacht bei unserer Fotografin eine spontane Herzattacke. Ist sie doch überzeugt, das sündhaft teure Gerät in wenigen Sekunden maikäfergleich auf dem Rücken liegend final ablichten zu dürfen. Doch alles geht gut. Die Sonne steht nicht zu hoch und nicht zu tief, auf den Straßen herrscht gähnende Leere. Bis eine Polizeistreife auftaucht. Der Tatbestand scheint klar: Fahren ohne Zulassung und Nummernschild – keine Lappalie. Als der Name von Asmas Auftragsgeber fällt, hellt sich die Stimmungslage plötzlich umgehend auf und alle sind Freunde.
Imposante 700 PS
Kurz vor Schluss habe auch ich endlich Gelegenheit, das Auto zu bewegen. Und der erste Eindruck fällt alles andere als ernüchternd aus: Präsentiert sich die Leistungssteigerung auf 700 PS doch hinreichend imposant – obwohl brütende Temperaturen und zweifelhafte Spritqualität mit Sicherheit ihren Tribut fordern. Die Mehrleistung hat mehrere Ursachen: optimierte Elektronik, Metallkats, Sportauspuff. Auf den schnurgeraden, topfebenen asphaltierten Pisten fühlt sich der Perfectus in seinem Element. Gesehen hat der Scheich den Wagen noch nicht. Er muss sich gedulden, bis das Auto seiner Bezeichnung "Perfectus" endgültig gerecht wird. Wir vermuten, dass er beeindruckt reagieren wird. Nur die nicht folierte Frontscheibe wird er sicher sofort reklamieren.