Drei Supersportler im Vergleich

Drei Supersportler im Vergleich

Aston Martin DB11/Honda NSX/Lamborghini Huracán: Test

Hölle, Hölle, Hölle!

28 Zylinder und 1829 PS verteilt auf drei Supersportler. Redakteur Andreas May im Grenzbereich zwischen Lust, Luxus und Leistung.
Und jetzt stellen wir uns mal vor, wir hätten in der C-Jugend den Fußball wichtiger genommen. Wir hätten beim Waldlauf nicht eine mittelschwere Bronchitis vorgetäuscht, wir hätten Kopfbälle geübt, Taktik gebolzt und null Bock gehabt auf Mädels, Cola und "Brauner Bär"-Eis. Was dann? Ja, verflixt noch mal, dann könnten wir uns die Autos hier leisten! Heute darf ich, der May, Waldlauf-Muffel, Kopfball-Wegducker, also reiner C-Jugend-Abbrecher und somit verhinderter Millionär, mal ran. Darf Aston Martin DB11, Honda NSX und Lamborghini Huracán Performante testen, darf Reifen ruinieren und Gas geben wie ein gegelter Superproll – und der Chef bezahlt die Tankrechnung.

Am Huracán Performante ist alles etwas dick aufgetragen

Grünes Monster: Der 640 PS starke Zehnzylinder im Lamborghini macht einen Höllenlärm – und Spaß!

Um es kurz zu machen, mein Fazit schon hier und jetzt: Hölle, Hölle, Hölle! Aber bleiben Sie bitte dran, es gibt einiges zu erzählen. Über den Lamborghini Huracán Performante etwa. Diesen giftgrünen Donnerkeil. Donnergeil wäre richtiger, denn wenn ich die rote Abdeckung in der Mittelkonsole hochhebe und den darunter befindlichen Startknopf drücke, dann ist das so, als brüllten zehntausend Ultras in der Kurve gleichzeitig los und hörten erst wieder auf, wenn die Kirsche endlich in der Kiste liegt. Welch infernalischer Lärm dieser 5,2 Liter große Zehnzylinder-Mittelmotor mit 640 PS macht. Der Sportsfreund ist Sauger von Beruf, ein hemdsärmeliger, ehrlicher Typ und kein Schnacker mit synthetischem Turbo-Akzent; die Musik aus seinen zwei fetten Auspuff-Endrohren ist noch drei Straßen weiter zu hören. An dieser Stelle, lieber Chef, ein ehrlich gemeintes Sorry. Hab in eines der Ofenrohre mein iPhone 7 Plus reingeschoben, ja, passt da wirklich rein, und dann Vollgas gegeben. Jetzt Spiderman-App, also Glas kaputto, capito?
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Der DB11 entfaltet seine Sportlichkeit zurückhaltend

Kraftvoller Gentleman: Der V12 im DB11 gibt sich akustisch zurückhaltend, drückt aber ordentlich.

Der Frontspoiler fängt so tief unten an, da gucken die Jungs vom Winter-Räumdienst ganz neidisch. Hinten kannst du nach getaner Arbeit deinen Glühwein auf dem Heckflügel abstellen, so eine schön geschwungene Theke hab ich ja selten gesehen, und da kenne ich mich aus, ehrlich. Keine Angst, jetzt nicht noch mal so viele Worte zu Beats und Bums von Aston Martin DB11 und Honda NSX. Das geht ganz fix. Zuerst Astons neuer Martin. 5,2 Liter großer Zwölfzylinder. Ja, richtig gelesen: zwölf Pötte. Dazu doppelt aufgeladen. Aber nicht so ein Krawallbruder wie der Lambo. Der ist Heavy Metal, der Aston klingt nach einem Sinfonieorchester, fein abgestimmt, kein schiefer Ton, pure Harmonie, "Freude, schöner Götterfunken" in der Elbphilharmonie. Ganz großes Tennis. Und der Honda NSX? Tischtennis! Ganz ehrlich: Wenn du den Nachbarn deinen neuen Supersportwagen für knapp 200.000 Euro vorführst und dann diesen Sechszylinder startest, dann holen die ganz schnell ihren Aufsitzmäher aus dem Carport, um zu horchen, wer mehr Lärm macht.
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Lass sie reden, die Nachbarn. Dieser rote Renner ist einer für die Liebe auf den zweiten Blick. Und da macht es Klick! Hier arbeitet nicht nur ein 3,5 Liter großer V6-Mittelmotor, nee, hier gibt's noch Spaßmacher Nummer zwei, drei und vier. An der Vorderachse sind zwei 37-PS-Elektromotoren angeflanscht, der V6 mit Biturbo wirkt auf die Hinterachse und wird dabei unterstützt von einer 48 PS starken E-Maschine. Resultat: 581 PS Systemleistung und immer so viel Biss wie Nachbars Hofhund.

Mit dem NSX schafft jeder Fahrer gute Rundenzeiten

Techniker: Der Honda NSX setzt auf einen Turbo-V6 und drei Elektromotoren – macht insgesamt 581 PS.

Du kannst den Kerl hochjagen auf 7500 Touren, ihn mit seiner fehlerfrei schaltenden Neungang-Doppelkupplung über die Piste prügeln, er wirkt trotz Allradantrieb immer wie ein hecklastiger Supersportler. Bist du etwas zu übermütig beim Einlenken, lässt der Nippon-Flitzer das Heck leicht kommen, wird aber niemals zickig, bleibt immer beherrschbar. Mal unter uns: In den roten Renner kannst du einen Affen reinsetzen (nennen wir ihn ruhig May), und er kann damit auf der Rennstrecke schnell fahren. Versuchen wir das mal mit den beiden anderen Freunden der gepflegten Unterhaltungsmusik. Lamborghini Huracán Performante – schon der Name klingt lecker wie Spaghettini aus dem Parmesanlaib mit Trüffel drauf. Aber Vorsicht! Wer davon zu viel hatte, passt nicht mehr in die engen Sportsitze. Die sind mit Alcantara bezogen, sehen echt cool aus mit dem giftgrünen Streifen. Dich da rein- und wieder rauszuschälen sieht aber total behämmert aus, erst recht, wenn du C-Jugend-Abbrecher bist und viel zu viel Cola und "Brauner Bär"-Eis hattest. Tipp unter Freunden: So was nie, nie, nie vor der Eisdiele machen, nur um den Mädels zu gefallen. Das kann nur in die Hose gehen.
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Weitere Details zu den drei heißen Sportlern finden Sie in der Bildergalerie.
Technische Daten Lamborghini Huracán Performante:Motor: V10 • Hubraum: 5204 cm³ • Leistung: 470 kW (640 PS) • Leergewicht: 1382 kg • Vmax: 325 km/h • 0–100 km/h: 2,9 s.
Technische Daten Aston Martin DB11: • Motor: V12-Biturbo • Hubraum: 5204 cm³ • Leistung: 447 kW (608 PS) • Leergewicht: 1915 kg • Vmax: 322 km/h • 0–100 km/h: 4,4 s.
Technische Daten Honda NSX: • Motor: V6-Biturbo, 3 E-Motoren • Hubraum: 3493 cm³ • Leistung: 427 kW (581 PS) • Leergewicht: 1762 kg • Vmax: 308 km/h • 0–100 km/h: 3,2 s.

Autor: Andreas May

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