Aston Martin lässt die Marke Lagonda wiederauferstehen.

Aston Martin expandiert

— 03.09.2008

Lagondas Wiedergeburt

Aston Martin will mehr sein als bloße Sportwagenschmiede: Darum soll es ab 2012 die alte britische Marke Lagonda wieder geben. Ihr Logo wird komfortable Luxuslimousinen zieren, die auf der ganzen Welt angeboten werden sollen.

Die Zombi-Fabrik arbeitet auf Hochtouren: Nach MG, Maybach und Abarth steht mit Lagonda einer weiteren legendären Automarke die Reanimation bevor. Bis 2012 will Aston Martin ein neues Lagonda-Modell mit eigenständigem Charakter auf die Räder stellen. "Es ist nun Zeit, über die weitere Zukunft nachzudenken", begann Firmenchef Dr. Ulrich Bez im englischen Gaydon etwas weitschweifig die entsprechende Ankündigung. Aston Martin sei heute eine Marke, die moderne Technik mit solider Handarbeit verbinde und daraus vielversprechende Produkte entwickele – so werde 2009 der viertürige Rapide auf den Markt kommen, anschließend widme man sich dem Projekt "one 77", das der teuerste Aston Martin aller Zeiten werden soll.

Aston Martins Vorstandschef Dr. Ulrich Bez will 2012 komfortable Luxuslimousinen bauen.

Bez weiter: "Aus Untersuchungen schließen wir, dass die Wiederbelebung der Marke Lagonda uns erlaubt, Autos zu bauen, die einen anderen Charakter als Sportwagen besitzen." Und das war's auch schon – keine Studien, kein Name-Dropping; alles Weitere muss man sich denken. Zwischen den Zeilen lesen wir: Aston Martin will seinen Kunden mehr anbieten als luxuriöse Sportwagen und braucht dazu eine neue Marke. Lagonda wird luxuriöse Limousinen von hoher Güte und stolzem Preis bauen, die Rolls-Royce, Bentley und Maybach den Rang streitig machen sollen. Die neue Luxusmarke, so viel ist beschlossen, wird wie Aston Martin eine eigene, unverwechselbare Designsprache prägen. "Wir werden Elemente der DNA aus der Vergangenheit übernehmen, aber in die Zukunft orientiert wie bei Aston Martin", orakelt der Vorstandsvorsitzende des britischen Unternehmens.

Auch ein SUV soll es geben

Der Aston Martin Lagonda mit extravaganter Karosserie und vier Türen entstand 1965.

Lagonda werde ebenso exklusive und luxuriöse wie wandlungsfähige Produkte anbieten, die sich durch hohe Qualität und hohen Nutzwert für alte wie neue Märkte auszeichnen. "Damit werden wir unsere Präsenz von derzeit 32 Ländern auf mehr als 100 steigern können", glaubt Dr. Bez. 2009, wenn die Marke Lagonda 100 Jahre alt wird, wolle man das erste Konzept vorstellen. Dem Vernehmen nach soll das auf dem Genfer Salon geschehen. 2012 plant Aston Martin dann die Markteinführung des ersten neuen Lagonda. Antreiben werden die Limousine und laut "WELT am SONNTAG" auch ein SUV vorerst die V8- und V12-Maschinen von Aston Martin, die aber für mehr Fahrkomfort entsprechend modifiziert werden.

Kurze Geschichte von Lagonda

Die Marke Lagonda trat Anfang des 20. Jahrhunderts in Erscheinung: 1904 begann der amerikanische Ingenieur Wilbur Gunn (1859-1920), in England Motorräder zu produzieren. Pate für den klangvollen Namen stand übrigens ein Fluss in seiner Heimat Ohio. Vor etwa 100 Jahren entschloss Gunn sich dann, Autos zu bauen. Die erste marktfähige Konstruktion, der Torpedo mit 20 PS aus sechs Zylindern, siegte 1910 beim Rennen Moskau-St. Petersburg. Das machte die Marke in Russland schlagartig berühmt, sogar der Zar Nikolaus II. soll einen Lagonda gefahren haben. In der Zwischenkriegszeit machte Gunn seine sportlichen Autos auch in der Heimat bekannt, bald erwarb sich Lagonda den Ruf, "der Bentley des kleinen Mannes" zu sein.

Die Studie Lagonda Vignale wurde 1993 auf dem Genfer Automobilsalon gezeigt.

Nach dem Tode Gunns wurden vor allem sportliche Zweisitzer gebaut, deren Maschinen von zwei Liter Hubraum aus vier Zylindern im 14/60 von 1925 anwuchsen auf 4,5 Liter in sechs Zylindern im Rapide, der 1935 das 24-Stunden-Rennen von Le Mans gewann. Im selben Jahr wurde die Firma aufgekauft vom Multimillionär Alan Good, der den schon damals berühmten Designer W.O. Bentley (späterer Gründer von Bentley) verpflichtete. Jetzt begann die große Zeit von Lagonda, die 1937 in einem V12 mit 4,5 Litern Hubraum gipfelte. Nach dem Zweiten Weltkrieg war der Sportwagenhersteller, der wie viele britische Unternehmen finanziell durch die deutsche U-Boot-Blockade empfindlich gelitten hatte, angeschlagen. Er wurde 1947 von Aston Martin übernommen.

Wir dürfen gespannt sein

Der letzte Lagonda war ein Viertürer: Von 1976 bis 1989 gab es den Aston Martin Lagonda, der allerdings bis auf die kuriose Karosserie fast ausschließlich aus Komponenten von Aston Martin bestand. Die Exklusivität des Autos war höher, als vom Hersteller beabsichtigt: Nur 645 Stück fanden Käufer. 1993 war das Markenzeichen von Lagonda schließlich noch einmal zu sehen: Das Konzeptauto Vignale war auf dem Genfer Autosalon ausgestellt. Alles in allem dürfte es keine leichte Arbeit sein, aus der doch recht weit zurückliegenden großen Vergangenheit von Lagonda etwas zu destillieren, das für das Design eines modernen Autos taugt. Wir dürfen also gespannt sein.

Autor: Roland Wildberg

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