Aston Martin/Jaguar/Mercedes: Test

Aston Martin Rapide Jaguar XJR Mercedes S 63 AMG Aston Martin Rapide Jaguar XJR Mercedes S 63 AMG Aston Martin Rapide Jaguar XJR Mercedes S 63 AMG

Aston Martin Rapide/Jaguar XJR/Mercedes-AMG S 63: Test

— 11.06.2015

Hier bebt der Asphalt!

Sechs Tonnen Sportlichkeit im Limousinengewand: Aston Martin Rapide S gegen Mercedes-AMG S 63 4Matic und Jaguar XJR. Wer darf sich am Ende "viertüriger Sportwagen" nennen?

Die Kombination aus Platzangebot und Performance hat etwas Faszinierendes: Vor allem dann, wenn man sie nicht in einem nutzwertorientierten Kombi à la RS 6, vereint, sondern mit dem Auftritt einer luxuriösen Limousine. Diese drei Power-Limousinen machen Jagd auf gestandene Sportwagen, vernachlässigen neben all ihrer Dynamik in Längs- und Querrichtung jedoch niemals ihren repräsentativen Auftrag. Auffallen ja, doch bitte stets in diskreter Weise – es muss ja nicht jeder sehen, dass man nach Klausurtagung und Staatsbankett vielleicht noch ein Ründchen Nordschleife im Sinn hat. Stimmt, im wahren Leben dürfte kaum jemand auf die Idee kommen, mit seinem 200.000-Euro-Gefährt durch die Fuchsröhre zu bügeln, bis der Frontspoiler am Boden schrabbt. Doch das ändert nichts daran, dass diese drei hier es könnten, wenn man denn nur wollte.

Die eleganten Briten machen den Anfang

Ob quer oder schnell – der Rapide S gibt und fährt sich wie seine Coupé-Brüder.

Aston Martin Rapide S Da wäre zum Beispiel der stilistisch überlegende Brite namens Aston Martin Rapide S, der mit seinem hoch drehenden, 560 PS starken V12 beeindruckt und sich ganz nebenbei als vielleicht einzig wirklich gelungene Kreuzung aus Coupé und Limousine präsentiert. Allein schon das Herausklappen der Griffe zum Öffnen der Türen zieht die Blicke auf sich. Die Fondtüren klappen nicht in klassischer Manier auf, sondern schwingen gleichzeitig noch nach oben. Auf manchen Betrachter mag das schräg oder gar skurril wirken, Aufmerksamkeit heischend ist es allemal. Und dann dieses Design! Von vorn wie hinten ähnelt der britische Wagen stark seinem Coupé-Bruder DB9.

Nachgebessert in allen Bereichen

Zum aktuellen Modelljahrgang wurde der Rapide S mit einem neuen Getriebe sowie einer modifizierten Motorsoftware aufgefrischt. Statt der einstigen Sechsstufenautomatik kommt nun ein Achtstufer von ZF zum Einsatz. Das neue Getriebe soll nicht nur den Verbrauch senken, sondern auch die Fahrkultur verbessern. In nur 130 Millisekunden wechselt es die Übersetzungen. Wer es sportlich will, kann mit den beiden Schaltpaddeln am Lenkrad manuell ins Geschehen eingreifen. Im Gegensatz zu den beiden Konkurrenten, die Getriebe und Motor dicht aneinanderrücken, bringt der Rapide seine Antriebsmechanik nach klassischem Transaxle-Prinzip unter, was eine Achslastverteilung von 51 zu 49 beschert. Auch beim Antrieb legten die Aston-Martin-Techniker nach. Pro Zylinderbank ist jetzt ein neues Motorsteuerungsgerät von Bosch zuständig. Die Verbesserung resultiert in zwei Zusatz-PS sowie 10 Extra-Newtonmetern, die sich im Laufe der Drehzahl nun auf 630 Newtonmeter auftürmen.

Hintergrund: So testet AUTO BILD

Fahrwerk und Bremsen des Jags stoßen auf der Rennstrecke früh an ihre Grenzen.

Jaguar XJR Kommen wir zum zweiten Briten in dieser Runde, dem Jaguar XJR. Die große Limousine geizt ein wenig mit Blickfängern, höchstens an der verchromten Katze auf der Heckklappe oder dem ausfahrenden Drehregler der Achtstufenautomatik dürfte das Auge hängen bleiben. Ansonsten wirkt der Jag auf den ersten Blick eher altbacken. Kein Wunder, das Facelift steht in den Startlöchern, denn optisch hat sich seit fast sechs Jahren nicht viel getan. Der einzige Eingriff datiert 2013, als der 510 PS starke XJ 5.0 Supercharged mittels kleiner Spoiler, 20-Zoll-Rädern und Lüftungsschlitzen in der Motorhaube zum 550 PS starken XJR befördert wurde.

Ein Artikel aus AUTO BILD SPORTSCARS

Trotz Allrad kann der AMG seine Power nicht effizient auf die Straße brennen.

Mercedes-AMG S 63 4Matic Massagesitze, Abstandsradar, Nachtsichtgerät und Spurhalteassistent – das passt alles zu wem? Na klar, zum Benz. Vor der üppigen Ausstattung jedoch ein paar Fakten zum Antrieb. Normalerweise gelten für unsere Tests möglichst gleiche Voraussetzungen. So gibt es den S 63 ebenfalls mit Heckantrieb wie Aston Martin und Jaguar, doch konnte uns Mercedes zum Testzeitpunkt nur einen AMG S 63 in Langversion mit Allrad zur Verfügung stellen. Ob und wie sich das auf die Fahrdynamik auswirkt, dazu später noch mehr.

Der Sportler im AMG ist gut getarnt

Zurück zu dem, was den First Class-AMG ausmacht. Beim Rundgang suchen wir die Elemente, die einen AMG von einer normalen S-Klasse unterscheiden. Die Frontschürze beeindruckt mit großen Lufteinlässen, unter dem Heck lugen vier polierte Endrohre hervor. Dicke Backen? Fette Schweller? Fehlanzeige. Nur die mattschwarzen Räder und der Schriftzug am Heck entlarven den Sportler, der sich in diesem Luxusliner verbirgt. Die Unauffälligkeit gilt auch für die Akustik. Im normalen Modus verfällt der V8 nach einem kurzen, klangvollen Räuspern beim Anlassen schnell in ein gutmütiges Grollen. Doch wehe, man wechselt in die Sport-Modi, dann öffnen sich die Schallklappen im Auspuff, und der 63er bläst lautstark zum Angriff. In Sachen Performance hat der Testwagen 20- statt 19-Zöller und Keramik- statt Stahlbremsen verordnet bekommen. Optisch wurde mittels Carbon-Paket an Front, Heck und Außenspiegeln nachgearbeitet.
Technische Daten Aston Martin Jaguar Mercedes
Motorbauart V12 V8 V8
Aufladung/Ladedruck Kompressor/1,5 bar Biturbo/1,1 bar
Einbaulage vorn längs
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/4
Hubraum 5935 cm³ 5000 cm³ 5461 cm³
Bohrung x Hub 79,5 x 89,0 mm 92,5 x 93,0 mm 98,0 x 90,5 mm
Verdichtung 10,9 : 1 9,5 : 1 10,0 : 1
Leistung kW (PS) b. 1/min 412 (560)/6650 405 (550)/6500 430 (585)/5500
Literleistung 94 PS/l 110 PS/l 107 PS/l
Drehmoment Nm b. 1/min 630/5500 680/2500 900/2250
Antrieb Hinterrad Hinterrad Allrad
Getriebe 8-Stufen-Automatik 8-Stufen-Automatik 7-Stufen-Automatik
Bremsen vorn 400 mm/innenbel.
/geschlitzt
380 mm
/innenbelüftet.
402 mm/innenbel.
/perf.
Bremsen hinten 360 mm/innenbel.
/geschlitzt
376 mm
/innenbelüftet
360 mm/innenbel.
/perf.
Bremsenmaterial Stahl Stahl Keramik
Radgröße vorn – hinten 8,5 x 20 – 11 x 20 9,0 x 20 – 10 x 20 8,5 x 20 – 9,5 x 20
Reifentyp Bridgestone Potenza
S001 (AMR)
Pirelli P
Zero (J)
Conti Sport Contact
5P (MO)
Länge/Breite/Höhe 5020/1929/1360 mm 5127/1899/1448 mm 5287/1915/1499 mm
Radstand 2989 mm 3032 mm 3165 mm
Tankvolumen 90 l 82 l 80 l
Kofferraumvolumen 223 l 520 l 530 l
0-100 km/h 4,5 s 4,1 s 3,9 s
0-200 km/h 13,9 s 13,4 s 12,7 s
100-0 km/h warm (Verzög.) 34,1 m (11,3 m/s²) 34,5 m (11,2 m/s²) 34,8 m (11,1 m/s²)
Leistungsgewicht 3,6 kg/PS 3,6 kg/PS 3,7 kg/PS
Höchstgeschw. 327 km/h 280 km/h (abgeregelt) 300 km/h (abgeregelt)
Grundpreis 193.995 Euro 141 310 Euro 155.295 Euro
Gesamtpreis 201.879 Euro 141.310 Euro 174.632 Euro

Aston Martin/Jaguar/Mercedes: Test

Aston Martin Rapide Jaguar XJR Mercedes S 63 AMG Aston Martin Rapide Jaguar XJR Mercedes S 63 AMG Aston Martin Rapide Jaguar XJR Mercedes S 63 AMG



Autor:

Guido Naumann

Fazit

Wenn auch Sie vorab auf den Mercedes S 63 AMG als Sieger getippt haben, dann ist die Überraschung rundum gelungen. Zumal der Benz mit Allradantrieb antritt. Doch dann kommt dieser britische Schönling aus der Deckung und schnappt sich mit seinem überragenden Abschneiden auf der Rennstrecke noch den Sieg – selbst unter Berücksichtigung des hohen Einstandspreises. Der S 63 AMG verspielt den Sieg in diesem Vergleich auf grund seiner schwachen Vorstel lung am Sachsenring und dem wenig emotionalen Auftritt. Trotz vier angetriebener Räder und gigantischer V8-Biturbo-Power kann er hier gegen den Rapide S nichts ausrichten. Der Jaguar ist zunächst noch gut dabei; Motor und Getriebe liegen durchaus auf Augenhöhe mit der Konkur renz. Doch beim Fahrwerk kann er nicht mithalten; die Abstimmung passt rein gar nicht zum sportlichen Charakter des XJR. Als viertüriger Sportwagen überzeugt hier nur der Aston Martin Rapide S.

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