Drei Luxus-Cabrios im Vergleich

Aston Martin Vanquish/Ferrari California/Mercedes-AMG SL 63: Test

— 14.12.2016

Heiligs Blechle: Luxus trifft Leistung

Man wird ja wohl noch träumen dürfen: Aston Martin Vanquish Volante, Ferrari California T und Mercedes-AMG SL 63 würzen Luxus mit sportlichem Auftritt.

Achtung, eine Durchsage: Wir verlassen jetzt den Bereich der automobilen Vernunft und begeben uns in das Reich der Emotionen und der unerreichbaren Träume. Sie kommen in Gestalt von drei Hochkarätern: Aston Martin Vanquish Volante, Ferrari California T HS und Mercedes-AMG SL 63 treten luxuriös und sportlich zugleich auf und kitzeln unsere Gefühlswelt kräftig. Was denn auch sonst, wenn man bekennenden Benzinköpfen drei derartige Kaliber vor die Nase stellt, von denen keiner langsamer als 300 km/h unterwegs ist.

Auch bei Ferrari sorgt heutzutage ein Turbo für Leistung

Der V8 im California T steht unter Zwangsbeatmung und holt aus 3,85 Litern 560 PS und 755 Nm.

Okay, der SL 63 hat eine Höchstgeschwindigkeit von exakt 300, aber auch nur, weil er da – ja was wohl – abregelt! Um in den Genuss dieser Vmax zu kommen, muss man allerdings das AMG Driver's Package-Fahrertraining für 3213 Euro bestellen. Ansonsten ist bei politisch korrekteren 250 km/h Schluss. Aston Martin und Ferrari lassen ihren Kreationen dagegen traditionell ab Werk freien Lauf und liegen mit 316 (Ferrari) und 317 km/h (Aston Martin) Höchstgeschwindigkeit weit und deutlich jenseits von Gut und Böse. Was aber völlig egal ist, denn auch sonst haben die drei offenen Boliden einiges zu bieten: Da ist der frei saugende V12 des Aston Martin mit sechs Liter Hubraum, der schon aus Gründen des Artenschutzes liebevolle Hege verdient hat. Der Mercedes-AMG wiederum setzt zwar auf einen V8-Biturbo, doch verspricht sein Drehmoment von gewaltigen 900 Nm einen heißen Ritt. Last but not least weckt der Ferrari California T das Interesse des Liebhabers, weil er ebenfalls zwangsbeatmet wird, doch das auf Ferrari-Art mehr als kaschiert: Im Vergleich zum V8-Sauger des Vorgängers hat er an Drehmoment (plus 49 Prozent) und Leistung (plus 70 PS) zugelegt, Ansprechverhalten und Sound sollen laut Ferrari auch kein Grund zu Klage sein. Mal sehen.
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Der Vanquish bringt Eleganz und Rassigkeit gekonnt zusammen

Hinreißend: Auch der Vanquish Volante ist wie alle Aston Martin eine echte Auto-Schönheit.

Damit wir das auch erledigt haben, sprechen wir kurz über Geld, um eine grobe Orientierung zu geben. Wenn ein Mercedes-AMG SL 63 fast als Schnäppchen durchgeht, kann man sich den Rest denken. Mit einem Grundpreis von 161.691 Euro – der Testwagen belief sich mit allen Performance-relevanten Extras auf 177.755 Euro – liegt der Benz mehr als 20.000 Euro unter dem Ferrari California T. Der Einstieg in die edle Welt von Aston Martin beginnt erst bei knapp 265.000 Euro. Viel Spielgeld sollte also übrig haben, wer sich mit einem der drei Luxus-Sportler schmücken möchte. Auch das ist jenseits von Gut und Böse. Doch dafür kauft man sich den Eintritt in eine Welt des Luxus, in der Leder weich sein kann wie ein Kinderpopo (Aston Martin), in der mediterrane Lebensfreude quasi zur Serienausstattung gehört (California T) oder schlicht ein rundum stimmiges Gesamtpaket die Lust an der Perfektion befriedigt (SL 63). Jeder dieser drei automobilen Leckerbissen schöpft aus dem Vollen, bescheidet sich höchstens beim Benzinverbrauch und verbindet einen edlen Auftritt mit einem mehr oder weniger ausgeprägten Maß an Sportlichkeit.

Ein Artikel aus AUTO BILD SPORTSCARS

Ausgewiesene Rennstreckentiere sind natürlich alle drei nicht. Vielmehr Gran Turismos, im Fall von Aston und Ferrari zudem in 2+2-Sitz-Konfiguration, wobei im California allenfalls kleine Kinder hinten glücklich werden, im Aston Martin eher nur Gepäck reinpasst. Wer sich dem Aston Martin Vanquish Volante nähert, wird dies mit einer gewissen Ehrfurcht tun, denn die Marke gehört zum britischen Tafelsilber, beflügelt Geheimagenten und zeigt, wie gelungen englisches Design Eleganz und Rassigkeit zusammenbringen kann.
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Understatement ist die Tugend des Mercedes-AMG SL 63

Der sportlichste SL aller Zeiten: Was der AMG-Benz drauf hat, deutet sein Blechkleid nur dezent an.

Während man bei den meisten Marken zumindest zwei Meinungen hören kann, scheinen sich bei Aston Martin die meisten einig: Die Autos aus Gaydon gelten schlicht als schön. Der massig-markante Auftritt des Vanquish erhält seine besondere Würze von Details wie etwa dem typischen Kühlergrill, der wuchtigen Heckpartie mit dem integrierten Spoiler oder den ausdrucksvollen Frontscheinwerfern. Nicht minder interessant ist die Optik des Ferrari California T, der wie der Mercedes SL und im Unterschied zum Vanquish mit einem Blech-Klappdach ausgestattet ist und so als Coupé-Cabrio allen Wettern gewachsen ist. Ist das Design des Aston eher streng, wirkt der Ferrari verspielter und schwellender, die neckische Taillierung erzeugt eine gewisse Dramatik – typisch italienisch eben. Der SL 63 ist gemessen an seinen beiden Luxus-Kollegen geradliniger und nüchterner gezeichnet, er setzt mehr auf Understatement, was für eine Mercedes-Ikone, die seit fast 60 Jahren gebaut wird und damit einer eigenen Formensprache verpflichtet ist, auch sehr gut passt. Exotik wie bei Aston oder Ferrari findet man hier weniger, dafür einen grundsoliden, schnörkellosen Auftritt. Dass der aktuelle SL der sportlichste SL ever ist, deutet der 63 AMG eher dezent an.
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Weitere Details zu den drei offenen Pulsbeschleunigern finden Sie in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und Tabellen gibt es als Download im Online-Heftarchiv.
Fahrzeugdaten Aston Martin Ferrari Mercedes-AMG
Modell Vanquish Volante California T HS SL 63
Motorbauart V12 V8 V8
Aufladung/Ladedruck Biturbo/1,3 bar Biturbo/0,9 bar
Einbaulage vorn längs vorn längs vorn längs
Ventile /Nockenwellen 4 pro Zylinder/4 4 pro Zylinder/4 4 pro Zylinder/4
Hubraum 5935 cm³ 3855 cm³ 5461 cm³
Bohrung x Hub 89,0 x 79,5 mm 86,5 x 81,0 mm 98,0 x 90,5 mm
Verdichtung 11,0:1 9,4:1 10,0:1
kW (PS) b. 1/min 424 (576) / 6650 412 (560) / 7500 430 (585) / 5500
Literleistung 97 PS/l 145 PS/l 107 PS/l
Nm b. 1/min 630 / 5500 755 / 4750 900 / 2250
Antrieb Hinterrad Hinterrad Hinterrad
Getriebe 8-Stufen-Automatik 7-Gang-Doppelkupplung 7-Stufen-Automatik
Bremsen vorn 398 mm/innenbel./gel. 390 mm/innenbel./gel. 402 mm/innenbel./gel.
Bremsen hinten 360 mm/innenbel./gel. 360 mm/innenbel./gel. 360 mm/innenbel./gel.
Bremsenmaterial Carbon-Keramik Carbon-Keramik Carbon-Keramik
Radgröße vorn – hinten 8,5 x 20 – 11 x 20 8 x 20 – 10 x 20 9 x 19 – 10 x 20
Reifengröße vorn – hinten 255/35 R 20 – 305/30 R 20 245/35 R 20 – 285/35 R 20 255/35 R 19 – 285/30 R 20
Reifentyp Pirelli P Zero Pirelli P Zero (F) Michelin Pilot Sup. Sp. (M01)
Länge/Breite/Höhe 4728/1912/1294 mm 4570/1910/1322 mm 4640/1877/1305 mm
Radstand 2740 mm 2670 mm 2585 mm
Leergewicht/Zuladung 1844/226 kg 1730 kg/k. A. 1845/335 kg
Leistungsgewicht 3,2 kg/PS 3,1 kg/PS 3,2 kg/PS
Tankvolumen 78 l 78 l 75 l
Kofferraumvolumen 187 l 240-340 l 364-504 l
Beschleunigung
0-100 km/h 4,0 s 3,6 s 4,2 s
0-200 km/h k. A. 11,2 s 11,3 s
Vmax 317 km/h 316 km/h 300 km/h (abgeregelt)
Verbrauch 12,8 l/100 km Super Plus 10,5 l/100 km Super Plus 9,8 l/100 km Super Plus
Reichweite 610 km 740 km 765 km
Teswagenpreis 264.995 Euro 197.303 Euro 177.756 Euro
Autor:

Ralf Kund

Fazit

Promenieren, schnell reisen, beeindrucken, Spaß erzeugen – diese Disziplinen beherrschen diese drei Luxusgeschöpfe aus dem Handgelenk. Müsste man sich für einen entscheiden – was glücklicherweise der weit überwiegenden Anzahl der Menschen und allen SPORTSCARS-Redakteuren erspart bleibt –, könnte man dies nach praktischen oder emotionalen Aspekten tun. Die beste Flexibilität im Alltag bietet sicher der 2+2-Ferrari California. Dazu gesellt sich ein sehr sportliches Wesen, geprägt von einem grandiosen Turbo-Motor. Ebenso grandios fühlt und hört sich das V12-Aggregat des Aston Martin an, dazu kommt ein stilsicherer und ästhetisch äußerst ansprechender Auftritt. Der SL 63 gibt in diesem Trio die graue Maus, in der eine Stimmungskanone mit perfekten Umgangsformen schlummert. Und jetzt? Wir müssen uns ja nicht entscheiden ...

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