Aston Martin Twenty/Twenty

Aston Martin Twenty/Twenty Aston Martin Twenty/Twenty

Aston Matin Twenty/Twenty

— 22.02.2002

Der sprengt den Rahmen

Mit einem Fachwerk ganz aus Alu glänzt Giugiaros neues Showcar. Wir gingen mit dem 500-PS-Boliden auf Jungfernfahrt.

Aston-Technik in Giugiaro-Hülle

Nehmen wir an, wir sollen 35.000 Arbeitsstunden - komprimiert auf 4,45 Meter Länge und 1,9 Meter Breite - in die norditalienischen Berge jagen. Nehmen wir weiter an, wir dürfen den Investitionswert von rund zwei Millionen Dollar mit mehr als 220 km/h über die Autostrada hetzen. Nehmen wir jetzt noch an, das 500 PS starke Einzelstück ist nicht versichert, weil niemand Lust hat, 1000 Mark Versicherung pro Tag zu bezahlen: Klar nehmen wir das Angebot an. Andiamo - wird schon nichts passieren.

Natürlich passiert was. Wenn bei 6000 Touren 500 PS entfesselt werden, ziehen sich Mundwinkel nach oben, Frisuren verlieren jeglichen Halt. Wir brettern aus der Einfahrt von Italdesign mit Schwung auf die Via Grandini, die gerade aufgerissen wird. Den armen Straßenbauarbeitern fallen fast die Schaufeln auf die Zehen. Mit arrogantem tiefem Zwölfzylindergeblubber schiebt sich der Twenty/Twenty vorbei, fordert an der Kreuzung kräftigen Druck aufs Gaspedal und röhrt nach erwartetem Befehl in die Turiner Peripherie.

"Die Basis ist ein Aston Martin DB7", erklärt Fabrizio Giugiaro, der vom Beifahrersitz aus die Jungfernfahrt seiner neuesten Kreation genießt und AUTO BILD am Steuer die Gnade der ersten Ausfahrt gewährt, "nur eben ein bisschen stärker." Kein Wunder: Aston-Martin-Chef Ulrich Bez hatte Italdesign für das Conceptcar einen 30.000 km alten Experimental-DB7 Vantage Volante überlassen, der rund 80 PS mehr aufwies als das 420 PS starke Serientriebwerk. Die Giugiaros haben sich nicht beschwert, eine atemberaubende Hülle um die bekannte Aston-Martin-Technik gemeißelt.

Mächtiger Motor, atemberaubender Antritt

Mit einem Juchzen auf den Lippen zittern wir durch die norditalienischen Berge - nicht weil es auch in Italien ein kalter Frühling ist, sondern weil der Wagen so steif ist wie ein 20 Jahre alter Alfa Spider. "Spaceframe" - also ein fachwerkähnlicher Rahmen aus leichtem Aluminium - hin oder her: Im Prototyp sorgt er (noch) nicht für die erwünschte Steifigkeit, und wirklich leicht ist der Twenty/Twenty durch den Werkstoff nicht geworden: 1700 Kilo sind ein stolzes Gewicht für einen Sportwagen.

Trotzdem - wir fühlen uns wohl auf den glatten, mit sattelähnlichem Leder von Fabrizio-Freund Busnelli bezogenen Sitzschalen, die einst stolze Aston-Martin-Sessel gewesen sind. Wie im DB7 spricht der Motor auf jeden Gasstoß sofort an, und die leichtgängige Lenkung macht uns nach der Bergfahrt Appetit auf mehr. Rauf auf die Tangenziale Sud, das bis in den letzten Winkel durchdesignte Gaspedal ungebührlich bis 220 km/h tretend. Der Fotowagen, Fabrizios offener BMW M3, hat sichtlich Mühe, dem zügig beschleunigenden Einzelstück zu folgen.

Trotzdem ist der Sohn des berühmten Giorgetto Giugiaro zufrieden. Denn die Idee, ausgefallene Rahmenkonstruktionen wie den Capsula von 1982 und den Structura von 1998 nun auf die Spitze zu treiben, kam von ihm. Er dachte sich einen Alu-Spaceframe aus, der nicht unter einer Karosserie ruhen, sondern offensichtlich Teil des Stylings sein sollte.

Twenty/Twenty - Die Version für 2020

Nach ersten Computerspielereien im Juli 2000 wurde die Idee geboren, den möglichen Aston Martin des Jahres 2020 (daher der Name) für den Genfer Salon zu entwerfen. Im Oktober fing Fabrizio an zu bauen, mit reiner Kohlefaser zwischen den Aluminium-Pressprofilen. Sämtlicher Stahl wird so versteckt - bis auf die mächtigen Türscharniere. Im Januar erst wurde der Innenraum des "Britalieners" fertig. Dort überwiegt Inselstil: matt lackiertes Pinienholz, Aluminium und zweifarbiges Leder - sonst nichts.

Die Schalter würden jedes Flugzeugcockpit zieren, ebenso die Drehknöpfe für Heizung und Klimaanlage. Oben in der Mitte ein Navigationsgerät, gekoppelt mit einem Fernseher. Die drei Rundinstrumente thronen auf der in Höhe verstellbaren Lenksäule, damit das Holz dahinter nicht unterbrochen wird - very British, die Blackpooler Sportwagenschmiede TVR begeistert mit diesem Stilelement seit Jahren ihre Fans. Das Armaturenbrett ist vollständig symmetrisch.

Klasse die Idee mit dem verschiebbaren Windschott hinten: Für den Ausflug zu zweit wird es vorgeschoben, bei vier Insassen zurück. Das Dach ist noch in Arbeit. Es wird ein zweiteiliges Targadach mit einer Softtop-Abdeckung.

Nach wenigen weiteren Testfahrten wird der Twenty/Twenty künftig Ausstellungen zieren. In ein, zwei Jahren wird Fabrizio dann endlich damit in Urlaub fahren. Nehmen wir nicht nur an - wir wissen es.

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