Astra gegen 307, Octavia und Corolla

Opel Astra gegen Peugeot 307, Skoda Octavia und Toyota Corolla Opel Astra gegen Peugeot 307, Skoda Octavia und Toyota Corolla

Astra gegen 307, Octavia und Corolla

— 25.07.2002

Kompakte Kombis für Kind und Kegel

Pack die Badehose ein ... Und das ganze andere Strandgut. Klar, das können am besten Kombis. Sie haben die Größe, diese vier auch Format. Mal sehen, wer Bade-, pardon: Lademeister wird.

Bewegte Zeiten mit Traum vom Raum. Wir verlangen in jedem Pkw variable Hinterteile, klatschen über Kangoo & Co, bejubeln Vans und Busse. Verlieben uns manchmal in Pick-ups, liebäugeln vor lauter Ladelust gar mit der Sprinter-Klasse. Das Auto kann uns Baumarkt-Ikea-Gartencenter-Tätern nicht groß genug sein. Bis wir auf einmal verblüfft feststellen: Es gibt sie ja noch, die stinknormalen Kombis. Die in jede normale Garage passen, von jeder normalen Gattin eingeparkt werden können und sogar – man staune – einen normalen Benziner unter der Haube haben. Der hier allerdings in allen vier Fällen schon mal Super braucht, was aber für die gute Futterverwertung spricht.

Corolla mit Reihensechszylinder-Qualitäten

Neu wie Peugeot: Toyota Corolla Combi 1.6 VVT-i (variable Ventilsteuerung). Vor allem die Lenkung und der Motor überzeugen beim Japaner.

Am geizigsten der Corolla mit einem Testverbrauch von 7,9 Litern, der Astra nippt 0,2 Liter mehr, der Octavia schluckt 8,4 Liter, und der 307 kommt auf 9,1. Leistungsmäßig liegen die geräumigen vier genau zehn PS auseinander (100 bis 110), beim Hubraum trennen sie elf Kubikzentimeter (1587 bis 1598). Der genügsame Toyota ist das Leichtgewicht in der Runde: Er wiegt leer nur 1175 Kilo. Er und der 307 sind auch die Benjamine im Quartett. Deshalb durften sie sich über die größte Aufmerksamkeit in der Redaktion freuen. Großes Lob empfing der Corolla für Motor und Schaltung. An der Ampel verrät nur der Drehzahlmesser, dass der VVT-i (intelligente variable Steuerung der Einlassventile) auch läuft. Das sind Reihensechszylinder-Qualitäten. Der Schalthebel lässt sich mit dem kleinen Finger präzise durch die einzelnen Gänge wirbeln.

Ähnlich gut die Kollegen-Kommentare zum Peugeot 307. Auch sein Vierventiler bleibt im Leerlauf stumm, gibt sich darüber angenehm sportlich, erst so ab 5000 Touren wird er hörbar brummiger. Kleiner Technikabbieger: Einzig den Skoda bewegt in diesem Vergleich noch ein altmodischer Motor mit jeweils "nur" einem Ein- und Auslassventil. Was sich aber dank variablem Saugrohr weder in den Abgaswerten noch beim Verbrauch groß bemerkbar macht. Und das, obwohl er auch noch ein deutlich höheres Leergewicht mit sich herumschleppen muss. Das gleicht er bei der Zuladung aus: 425 Kilo (Opel 470, Peugeot 575, Toyota 480) sind zwar recht knapp für einen Kombi. Beim maximalen Laderaum reicht's aber: 1512 Liter (Opel 1500, Peugeot 1675, Toyota geschätzt 1500) passen bei umgelegter Rückbank hinein. Wobei sich Peugeot und Opel mit einer Ladekantenhöhe von 55 und 56 Zentimetern sehr rückenfreundlich zeigen, Toyotas Heckboden ist 60 cm hoch, der Skoda meldet sogar 67 cm.

Peugeot bietet ESP ohne Aufpreis

Vom Charakter scheint der Octavia eher ein Familienwagen zu sein. Da packt der Kofferraum 528 Liter (Opel 480, Peugeot 503, Toyota 402), auch fehlen hinter der B-Säule am Dach die Rasten zum Einhängen eines Trenn-Netzes. Den Gepäck-Fänger haben nur Opel und Peugeot. Dafür gefällt der tschechische Wolfsburger (steht ja auf der Golf-Plattform) mit seiner guten Ambiente-Ausstattung. Da sind praktische Extras drin wie Radio, E-Heber vorn, E-Spiegel, beheizbare Vordersitze oder Klimaanlage. Aber auch Gimmicks wie ein Dosenhalter mit Taschenkrebs-Greifzange.

Auch beim jungen Peugeot vermissen wir trotz guter Tendance-Ausstattung (E-Heber mit Einklemmschutz vorn, E-Spiegel, Audioanlage) Klimaanlage und die sehr praktischen Licht- und Wischer-Einschaltautomatiken. Sie gehören zum "Sichtpaket" für 350 Euro. Stattdessen bietet der 307 schon den Schleuderschutz ESP serienmäßig (bei Skoda Aufpreis, bei Opel und Toyota nicht lieferbar), doch davon später. Ärgerlich noch die luschige Laderaum-Abdeckung, die seltsam gefaltet wird und deren Dämpfergummis schon im Testwagen völlig verschlissen waren.

Seltsamer Spar-Trick beim jungen Japaner. Nur der Fahrersitz ist höhenverstellbar, allerdings um die vordere Querachse. Wobei dann der gesamte Sitz seinen Winkel verändert. Nach einer Justierung muss also immer die Lehnenneigung angepasst werden. Die Klimaanlage kostet ebenfalls extra. Dem dienstältesten Vertreter in diesem Quartett nähme man eine lange Aufpreisliste nicht übel, schließlich haben wir Deutschen sie erfunden. Doch der Opel Astra Caravan (hier als Selection mitgefahren) bietet auch schon Klima, Radio und Leichtmetallräder. Eine Zumutung sind die zwei winzigen Huptasten im Lenkrad und die sportlich ausgeformten, und dennoch in Kurven völlig haltlosen Vordersitze.

Der Opel Astra giert nach Kurven

Der dienstälteste Kombi in diesem Vergleich: Opel Astra Caravan Selection 1.6 16V. Sein Fahrwerk giert förmlich nach Kurven.

Wobei das Fahrwerk des Astra trotz fehlendem ESP förmlich nach Kurven giert. Mehr noch: Der kleine Opel ist eine rechte Serpentinen-Sau. Leer und beladen lässt er sich lustvoll um Ecken prügeln. Er macht jeden Driftwinkel mit, lässt ESP überhaupt nicht vermissen. Und beim Komfort ist er den anderen immer noch überlegen. Radien-Rambo im negativen Sinne ist der junge Toyota. Beim abrupten Ausweichen haut er hinten herum, um nach dem Korrigieren heftigst in die Gegenrichtung zu schlagen. Das passiert auch in beladenem Zustand. Das Fahrwerk ist eben zu komfortabel ausgelegt, ESP müsste hier Pflicht sein.

Peugeot (ESP Serie) und Skoda (ESP Aufpreis) benehmen sich artverwandt. Im Grenzbereich wollen beide mit dem Heck in den Straßengraben, was der Schleuderschutz natürlich verhindern will. Kaum im Regelbereich, hackt die Elektronik dann unvermittelt und unkultiviert zu, stoppt aber den Abflug. Da sich ESP beim Skoda abschalten lässt, spielten wir mal Grundausstattung. Und siehe: Wie der Toyota bricht er hinten aus, schlägt kräftig in Gegenrichtung nach. Auch das eine Folge der Unterdämpfung. Beladen zeigt er sich dann dank guter Lenkung etwas ziviler, dennoch gilt für ihn: ESP besänftigt hektische Hinterachsen.

Vollkommen einig ist sich das Quartett bei dem, was hinten rauskommt: Die Abgase sind stubenrein, bieten also Steuerbefreiung. Auch bei den Versicherungsklassen kaum fühlbare Konkurrenz. Nur beim (T)Euro lohnt es sich immer, zweimal hinzusehen. 1705 Euro trennen den Billigsten (Toyota) vom Teuersten (Skoda). In alter Mark gerechnet also fast 3400. Dafür lässt sich der Traum vom Raum schon mit allerlei Fracht oder Extras füllen.

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