Audi 80 (1978-1986)

Audi 80 (1978-1986) Audi 80 (1978-1986)

Audi 80 (1978-1986)

— 24.10.2002

Zieh' den Hut, gnädiger Herr!

Hut ab vor diesem rüstigen Rentner. Selbst im hohen Alter wird der Audi 80 selten zum Pflegefall. Nur übermütige Enkel könnten den Opa killen.

Karosserie und Motor

Mancher läuft erst im Ruhestand zur Höchstform auf. Das gilt sicher auch für den bereits 1986 aufs Altenteil geschickten Audi 80. Eine ebenso grundsolide wie konservative Limousine, die erstmals 1972 auftauchte und mit kleinem Lifting als Typ 81 seit Herbst 78 in den Showrooms stand. Der kantige Ren(t)ner galt schnell als Tip unter Gebrauchtwagen. Und ist es auch heute noch.

Der natürliche Feind des alten 80ers ist der Rost, denn Zink gab es erst beim Nachfolger. Alles vor Baujahr 1981 ist deshalb meist verrottet, weil erst danach besser konserviert wurde. Noch dauerhafter sind die Modelle der Jahre 1985/'86 mit den schrägen Scheinwerfern. Unbedingt prüfen: den Motorträger. Das Blechprofil sitzt vorn unterm Auto im Dreck- und Salzwasser-Nebel und gammelt leise vor sich hin. Im Extremfall kann die Vorderachse abreißen. Bei alten Autos immer einen Blick wert: Unterkanten von Türen und Hauben sowie der Bodenbereich - man weiß ja nie.

Unter der Fronthaube war damals die ganze Audi-Motorenpalette zu haben - vom 1,3-Liter-Vierzylinder bis zum 2,3-Liter-Fünfzylinder mit Allradantrieb. Am häufigsten sind die 1,6-Liter mit 75 PS anzutreffen. Astronomische Laufleistungen bei minimaler Wartung sind garantiert, wenn nicht gerissene Keilriemen, undichte Wasserpumpen oder defekte Thermoschalter den Motor ins Grab bringen. Sogar ein überspringender Zahnriemen bedeutet nicht das Aus: Ventile und Kolben können sich bei Normalbenzinern bis Baujahr 1985 nicht berühren.

Dafür ist der Zahnriemen beim Diesel Schadenursache Nummer eins. Auch die Verteilereinspritzpumpe lebt nur begrenzte Zeit, abhängig vom Kraftstofffilterwechsel und der Unsitte, den Tank leerzufahren und so ihre Schmierung zu unterbrechen. Ganz wichtig: die Kaltstartprobe. Der Diesel sollte nach dem Vorglühen (gelbe Lampe verloschen) sofort anspringen und einwandfrei rund laufen. Zünden die vier Töpfe einzeln oder geht der Motor aus - Finger weg! Mindestens eine der Glühkerzen ist defekt, wahrscheinlich aber sogar der Motor hin. Das gleiche gilt, wenn sich mehr als ein Schnapsglas Öl im Luftfilterkasten findet.

Technik und Innenraum

Nicht nur Steuerfüchse hören gern, daß Audi schon früh einen G-Kat anbieten konnte. Ab August '84 war der Abgasputzer zu haben, zunächst im 1,8-Liter mit 90 PS. Die Getriebe gelten als solide, lediglich die Viergang-versionen leiden unter defekten Lagern, erkennbar an Geräuschen, vergleichbar einer rollenden Bowlingkugel. Die chronisch wackelnden Sitze des VW-Audi-Konzerns sind hinlänglich bekannt. Störender sind eingerissene Polsterstoffe vor allem der Rücksitzlehne, die bis Ende 82 unter UV-Strahlen ihre Fasson verloren. Austausch gibt es beim Schrotti.

Es wäre bösartig, dem Audi 80 eine antiquierte Straßenlage nachzusagen. Schließlich galt das Fahrwerk damals als das beste seiner Art, der Geradeauslauf ist heute noch top. Höchstens an der Seitenneigung in Kurven und den für heutige Begriffe laschen Bremsen des 80ers zeigt sich der Fortschritt neuer Autos. Dafür ist die Art, wie der rüstige Rentner Buckel aller Art mit den langen Federwegen einfach schluckt, beeindruckend. Das bei Beladung hängende Heck läßt sich dafür in Kauf nehmen.

Es gibt sie noch: gepflegte Modelle aus erster (Rentner-)Hand. Mit Scheckheft. Aber damit sind oft auch schon die Enkel auf Spritztour gewesen. Am Zustand hängt der Preis. Frühe Exemplare mit der letzten TÜV-Plakette kosten um 1500 Mark. Liegt die Lebenserwartung bei drei bis vier Jahren, sind um 3000 Mark realistisch. Doch solche Topzustände sind selten. Es überwiegen die Zwiebeln mit Rest-TÜV sowie fünf bis sieben Vorbesitzern. Und bei diesem Pensum geht auch der rüstigste Rentner mal in die Knie.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 9/78 Neue Modellreihe des 72er Urtyps als viertürige Limousine, Benziner von 55 bis 110 PS • 9/80 Diesel mit 55 PS eingeführt; auf Wunsch Fünfganggetriebe und Servolenkung. Neu: das Coupé • 9/81 Verbundglas-Frontscheibe und H4-Hauptscheinwerfer • 1/83 neuer 90-PS-Benziner und Allrad-Version (quattro) • 9/83 Fünfzylindermotor (115/136 PS) • 1/84 erster Kat-Motor mit 90 PS 7/84 nur noch Vierzylinder-Modelle • 8/86 Modellwechsel: "runder" 80er

Schwachstellen Rost an Kotflügeln, Boden, Türen, Klappen, Motorträger und Achsaufnahme • Ölverlust an Motor und Getriebe • Zahnriemen wartungsabhängig • Lichtmaschine defekt • Vorderradaufhängung und Lenkgelenke ausgenudelt • Zylinderkopfdichtung durchgebrannt (Diesel) • Wasserpumpe undicht • Thermoschalter korrodiert • Motor ruckelt (bes. 85 PS) • Radlager heulen

Reparaturkosten Der Audi ist ein Veteran, folglich gibt es günstige AT-Teile und viel Auswahl auf dem Schrott. Der empfiehlt sich ohnehin für eine zeitgerechte (sprich billige) Reparatur, denn die Einstandspreise für TÜV-Jährlinge liegen bei knapp 1500 Mark.

Fazit und Urteil

Fazit Der kantige Audi 80 beweist im hohen Alter erstaunliches Stehvermögen. Obwohl bereits 1986 vom viel engeren Nachfolger im Rund-Design abgelöst, spielt der Youngtimer sogar heute noch eine Rolle auf der Gebrauchtbühne. Vor allem, wenn seine traditionellen Paradedisziplinen gefragt sind: viel Platz, günstiger Preis und hohe Zuverlässigkeit.

AUTO BILD-Urteil: empfehlenswert

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