Audi A1 auf dem Genfer Autosalon 2010

Audi A1 auf dem Genfer Autosalon 2010

— 10.02.2010

Der A1 – Audis Antwort auf den Mini

Es hat lange gedauert, bis dem Mini ein deutsches Auto aufs Blechdach rückte. Nun haben wir es: Der Audi A1 bringt Premium in die Klasse der Kleinwagen. Kann das funktionieren? Erster Schnuppertest.

Audi steigt ab und baut Kleinwagen. Eine Überraschung, die keine ist. Schon 1974 beglückten die Ingolstädter das Volk mit einem Straßenfloh. Damals hieß er Audi 50 und war Geburtshelfer für den VW Polo. Nun ist es umgekehrt: Der Polo liefert das technische Gerüst für den neuen Schrumpf-Audi A1. Das stört überhaupt nicht, schließlich sieht ihm diese Blutsverwandtschaft keiner an. Optisch gleichen sich beide wie eine Satellitenschüssel und ein Sushi-Teller von Alessi. Anders als der Polo ist der A1 deshalb auch nicht für jede Zielgruppe gedacht. Hausfrauen mittleren Alters, Rentner oder die ländliche Bevölkerung sieht Audi eher nicht hinterm Lenkrad des neuen Kleinen: "Die jungen Kunden des A1 leben in Metropolen und suchen ein Fahrzeug, welches für das urbane Umfeld konzipiert ist", lässt die PR-Abteilung vorab verlauten. Damit keiner auf falsche Gedanken kommt. Stichwortgeber ist da natürlich der Mini von BMW. Dem Trendmobil gelang das geniale Kunststück, als Kleinwagen ein Premium-Image zu erlangen – jahrelang allein auf weiter Flur. Damit soll nun Schluss sein: Der A1 zielt exakt in die Mini-Nische, Der A1 zielt exakt in die Mini-Nische, sogar auf Zweifarbigkeit können Audi-Käufer setzen, wenn sie wollen.

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Kein Thema ist indessen Retro-Design, dazu fehlt in der Audi-Historie nun mal die passende Ikone. "Wäre auch gar nicht unser Stil", fügt Holger Baumann bei unserer ersten Begegnung mit dem Kurzen hinzu. Baumann ist der Projektleiter des A1. Und er legt großen Wert darauf, dass es sich hier um einen 100-prozentigen Audi handelt. Gefühlt zumindest. Baumann haut auf die Pauke: "Die anderen machen Pop, wir machen Rock." Und wie ein echter Rocker schaut der A1 ein wenig düster aus der Wäsche. Das liegt an den Scheinwerfern, deren heftig gestylte Innereien den bösen Blick betonen, aber auch am riesigen Audi-Maul. Neu am Grill sind die abgeschrägten oberen Ecken, die später bei anderen Modellen ebenfalls auftauchen sollen. Neu ist aber auch die superbreite,
seitlich in die Flanken reichende Motorhaube. Sie lässt die Front des Winzlings unvermutet wuchtig erscheinen. Überhaupt steht er für seine Größe stämmig da. Wir wandern ums Auto – ein kurzer Weg, denn der A1 ist nur 3,95 Meter lang und 1,74 breit. Mithin noch zwei Zentimeter kürzer als der Polo, aber sechs breiter. Die Linie auf der Seite lässt sich rundherum weiterverfolgen, das strafft und hält die Form zusammen. Guter Designtrick.

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Klare Instrumente ohne Firlefanz. Der Bordcomputer dazwischen hilft beim Sparen mit Schaltanzeige.

Wie immer bei Audi: ruhige Flächen, alles eher konservativ, aber gelungene Proportionen. Das wirkt. Auch hinten wölbt sich die Klappe nahtlos bis in die Seiten, so wie schon bei den Audi-SUVs Q5 und Q7. Dazu knallige "Super-Red-LEDs" als Rückleuchten, die mit der Hecktür komplett nach oben schwingen. Um nachts auch bei offener Klappe nicht im Dunkeln zu verschwinden, benötigt der A1 deshalb separate Lichter im Klappenrahmen. Alles ziemlich aufwendig für einen (zugegeben gelungenen) Designgag. Vorläufig wird es den A1 nur als Dreitürer mit coupémäßiger Dachlinie geben. Blenden auf den Dachholmen betonen diesen Schwung, vor allem dann, wenn sie der Kunde in einer der vier Kontrastfarben ordert. "Auf Sonderwunsch gibt es noch weitere Farbtöne", stellt A1-Experte Baumann klar.

Der Preis überrascht

"Individualisierung" ist das Zauberwort, das schon beim Mini große Wirkung entfaltete. Dazu gehört auch das hier aufgefahrene "S line"-Paket mit markanten Schürzen und Schwellern, größerem Dachspoiler und den optionalen 18-Zoll-Rädern – der künftige A1-Fan wird es dem Audi-Verkäufer aus der Hand fressen. Ansonsten stehen zwei Ausstattungsversionen zur Wahl, "Attraction" (Basis) und "Ambition". Wir besteigen einen "Ambition". Erster Eindruck: klein, fein, aber keineswegs zu eng. Die Sportsitze (Serie) bieten vorzüglichen Halt, einen weiten Verstellbereich und tadellose Sitzposition. Da finden auch Großgewachsene Platz. Das vorherrschende Grau wird an den Türen und Sitzen von farbigen Partien unterbrochen – auch hier kann der Kunde zwischen diversen Bunttönen wählen.

An den Lüftungsrosetten und chromglänzenden Drehknöpfen für die Klimaanlage haben sich die Designer offensichtlich verkünstelt, aber das lockert das ansonsten streng sachliche Ambiente auf. Unser Verdacht, dass Audis kleines Schmuckstück so oder so nichts für schmale Geldbeutel sein dürfte, kann Baumann jedoch schon mal etwas entkräften. "Rund 16.000 Euro Einstiegspreis", verspricht er, wenn der A1 im Juli 2010 anrollt. Das wäre dann ein 1.2 TFSI. Und es wären nur knapp 1000 Euro über dem vergleichbaren Polo. Das ist eine Überraschung.

Autor: Wolfgang König

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