Drei kompakte Benziner im Test

Audi A3 1.4 TFSI/BMW 116i/Mercedes A 170 Audi A3 1.4 TFSI/BMW 116i/Mercedes A 170

Audi A3 1.4 TFSI/BMW 116i/Mercedes A 170

— 06.08.2008

Tierisch sparsam

Verbrauchsarme Autos sind lahme Sparschweine – das war einmal. Audi A3 1.4 TFSI, BMW 116i und Mercedes A 170 zeigen, dass niedriger Verbrauch nicht weniger Fahrspaß bedeutet.

Spardosen sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren – nämlich Porzellanschweine mit Schlitz im Rücken und Blümchenmuster aus Emaille. Heutzutage ist eine ganz andere Tierart für effizientes Geldknausern zuständig. Audi, BMW und Mercedes haben in der Kompaktklasse eine besondere Spezies gezüchtet, jede geizt dabei nach einer besonderen Methode. Audi setzt im flinken Windhund A3 1.4 TFSI auf einen modernen Motor, der BMW 116i steht mit dem Maßnahmenpaket Efficient Dynamics an der Ampel still wie ein lauerndes Krokodil. Und Mercedes will seinen A 170 mit der Blue-Efficiency-Strategie zum genügsamen Kaltblüter machen.

Wir lassen die Neuzüchtungen gegeneinander antreten. Welcher verputzt unter normalen Fahrbedingungen am wenigsten, wer hat darüber hinaus die Nase vorn, wenn es um Euro und Cent geht? Ganz bewusst haben wir Benziner ausgewählt. Denn die sind aufgrund ihrer modernen Motoren, geringerer Fixkosten und günstigerer Kaufpreise dabei, sparsamen Dieseln den Rang abzulaufen. Für diesen Vergleich ermittelten wir neben dem sehr praxisnahen Durchschnittsverbrauch (Testverbrauch) auch den minimal möglichen Wert. Am Ende steht dann der beste Futterverwerter ganz oben auf dem Podest.

Audi spart an der Kraft-Quelle

Audi A3 1.4 TSFI: Das Sechsgang- Schaltgetriebe spart tatsächlich.

Der durchtrainierte Greyhound aus Ingolstadt rennt los wie gedopt. So knackt der A3 1.4 TFSI fast mühelos die 200-km/h-Schallmauer, wetzt in rund zehn Sekunden auf Tempo 100. Und das soll ein  Sparkonzept sein? Respekt! Audi spart direkt an der Quelle, am Motor: Der TFSI wählt einen kleinen Hubraum, Benzindirekteinspritzung und Turboaufladung, um den Durst zu zügeln. Darüber hinaus gibt es nur einen Schaltpfeil im Cockpit. Unverständlich: Ausgerechnet diese Sparhilfe kostet Aufpreis, die optische Schaltempfehlung gibt es nur in Verbindung mit dem 245 Euro teuren Fahrer- informationssystem. Mit unter sechs Liter Verbrauch legt der Audi eine saubere Sparrunde vor, auf unserer praxisnahen Testrunde inklusive kurzen Vollgasanteils ist er im Mittel mit 7,2 Litern zufrieden. Super – zumal der aufgeladene 1.4er des A3 zugleich ein kleines Kraftpaket ist. Der Vierzylinder zieht bereits bei niedrigen Drehzahlen beeindruckend satt durch und wird auch bei hohen Drehzahlen niemals laut. Dieser Windhund kann in seinem zweiten Leben schnurren wie ein Kätzchen

BMW knausert mit allen Mitteln

Er lauert, verharrt ganz still. Da, die Ampel schaltet um auf Grün, blitzschnell startet der 1er und will nach vorn springen. Aber so richtig vorwärts geht es nicht. Dem verhältnismäßig drehmomentarmen 1.6-Vierzylinder fehlt der rechte Biss, um aus dem Stand loszustürmen. Dafür arbeitet die Start-Stopp-Automatik des 1ers sehr effektiv. Gerade in der Stadt, an roten Ampeln, senkt das Abschalten des Motors den Verbrauch drastisch.

BMW 116i: Minimal sind 5,6 Liter Durchschnitt möglich.

Auch sonst steckt eine schlaue Strategie hinter BMWs Efficient-Dynamics-Konzept: Die Wasser- sowie die Ölpumpe des Direkteinspritzer-Benziners drehen sich nur, wenn sie gebraucht werden. Die Lichtmaschine lädt wie bei Mercedes intelligent, übernimmt gleichzeitig die Anlasser-Funktion. Außerdem wird der Fahrer per Schaltempfehlung zum rechtzeitigen Gangwechsel aufgefordert. Wer sich darauf einlässt und die Technik machen lässt, spart enorm. Daraus resultiert auf unserer Minimal-Testrunde der Bestwert: 5,6 Liter. Aber: Der Motor des 116i braucht teures Super plus für die volle Leistung – das Krokodil ist ein teurer Feinschmecker.

Mercedes lässt es ruhig angehen

Mercedes A 170 BE: Das lang übersetzte Fünfganggetriebe hemmt die Spurtkraft.

Das hochgewachsene Kaltblut aus Stuttgart geht es besonnen an. Schneller Galopp liegt dem 116 PS starken A 170 sowieso nicht. Das verhindert zuallererst ein temperamentloses Fahrverhalten. Auch die leichtgängige Lenkung vermittelt eher das Gefühl, zu lasche Zügel in der Hand zu halten. Gleichfalls zählt der Motor nicht gerade zu den Rasse-Aggregaten. Er läuft zwar leise und nach Messwerten brauchbar flott, müht sich aber lustlos durchs Drehzahlband. Das schwächste Auto in diesem Vergleich hat zudem den größten Durst, kostet auch insgesamt am meisten. Vielleicht liegt das an der halbherzigen Umsetzung der Blue-Efficiency-Idee. Leichtlaufreifen, aerodynamischer Feinschliff, Tieferlegung – das gibt es unter dem Namen Blue Efficiency. Aber nur für den Diesel-Bruder A 160 CDI. Der A 170 hat dagegen außer dem Start-Stopp-System nur noch eine Schaltanzeige zu bieten – das ist für die Praxis zu wenig: Selbst mit sensiblem Gasfuß bewegt, unterbietet der A 170 nicht die Sechs-Liter-Marke. Immerhin: Er ist geräumig und funktional.

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Jan Horn

Audi gewinnt – und spart dabei: Der A3 fährt einen klaren Sieg ein. Weil er ein Alleskönner ist – und dabei nicht einmal das teuerste Modell. Audis Weg, auf kleinen, aufgeladenen Hubraum zu setzen, ist wirksamer als die BMW-Lösung, die in der Motorumgebung spart. Da hilft auch das Start-Stopp-System nicht weiter, zumal der 116i am liebsten Super plus mag. Mercedes wird beim Tanken entzaubert: Blue Efficiency ist in diesem A 170 ein Etikettenschwindel.

Tierisch sparen, aber richtig billig fährt keiner

Für unsere Kostenbewertung zählt der Verbrauch nicht allein. Wir addieren Unterhalt, Wertverlust und den Verbrauch in Cent pro Kilomter, berechnen dann die Gesamtkosten für eine vierjährige Haltedauer. Pro Jahr setzen wir 15.000 Kilometer Fahrleistung fest.
Kosten Audi BMW Mercedes
Modell A3 Sportback 1.4
TFSI Attraction
116i A 170 BE
Avantgarde
Preis 23.580 Euro 22.760 Euro 24.068 Euro
Steuer 376 Euro 432 Euro 456 Euro
Haftpflicht 3200 Euro 3200 Euro 2988 Euro
Vollkasko 3080 Euro 3804 Euro 3984 Euro
Öl/Wartung 1100 Euro 1200 Euro 1104 Euro
Kraftstoffkosten 6636 Euro 6858 Euro 6726 Euro
Restwert 13.676 Euro 12.746 Euro 13.478 Euro
Gesamtkosten für 4 Jahre und 60.000 km 24.296 Euro 25.508 Euro 25.848 Euro
Kosten pro km bei 15.000 km/Jahr 40 Cent 43 Cent 43 Cent


Kosten/Garantien Audi BMW Mercedes
Abgasnorm Euro 4 Euro 4 Euro 4
Steuer pro Jahr 94 € 108 € 114 €
Typklassen HPF/VK/TK 16/16/16 16/18/21 15/19/15
Werkstattintervalle n. Anzeige/2 Jahre n. Anzeige/2 Jahre 20.000 km/1 Jahr
Kosten Ölwechsel/Inspektion 150/400 € 150/450 € 120/300 €
Garantie/Gewährleistung Garantie Gewährleistung Garantie
Technik/km-Begrenzung 2 Jahre/ohne 2 Jahre/ohne 2 Jahre/ohne
Garantie gegen Durchrostung 12 Jahre 12 Jahre 30 Jahre
Mobilitätsgarantie unbegrenzt 5 Jahre 30 Jahre
Preis 23.580 € * 22.760 € ** 24.068 €
* inklusive 17-Zoll-Bereifung für 1330 €, ** inklusive 660 € für 195/55 R 16


Die Wertung Punkte max. Audi Mercedes BMW
Karosserie
Platzangebot 30 22 23 20
Kofferraum/Variabilität 20 11 18 11
Zuladung (Anhängelast) 20 13 15 12
Sitze/Sitzposition 30 27 25 24
Raumgefühl/Rundumsicht 20 16 17 15
Ausstattung/Bedienbarkeit 30 20 20 21
Sicherheitsausstattung 30 19 20 19
Qualitätseindruck/Materialien 20 19 18 18
Zwischenergebnis 200 147 156 140
Antrieb/Fahrwerk
Motoreigenschaften 20 19 17 16
Beschleunigung/Vmax 30 22 18 21
Elastizität 20 13 9 10
Fahrverhalten 30 28 25 28
Fahrgeräusche 10 7 6 6
Fahrkomfort 20 18 16 16
Getriebe/Schaltung 20 18 16 17
Lenkung/Wendekreis 20 18 14 19
Zwischenergebnis 200 161 139 155
Kosten
Steuer/Versicherung 20 13 11 11
Verbrauch/Umwelt 40 32 32 30
Minimalverbrauch 20 14 12 12
Garantie 20 11 13 9
Wartung 20 17 16 17
Aufpreisgestaltung 10 6 6 6
Wiederverkauf* 10 10 10 9
Grundpreis 60 28 26 30
Zwischenergebnis 200 131 126 124
* ermittelt von Bähr&Fess Forecasts/Saarbrücken
Gesamtpunktzahl 600 439 421 419
Platzierung 1. 2. 3.

Autor: Jan Horn

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