Premium-Einsteiger im Vergleich

Audi A3 1.6 - BMW 116i - Mercedes A 150

— 08.03.2005

Der kleine Luxus

Audi, Mercedes, BMW stehen oft ganz oben auf der Wunschliste. Was haben die Autos drauf, die ganz unten in deren Preislisten parken?

1er BMW nimmt seine Insassen hart ran

Es ist angerichtet. Mit den Basis-Modellen von Audi, Mercedes-Benz und BMW kommt Kaviar in die Kompaktklasse. Man braucht sie nicht wirklich, aber es gibt Momente im Leben, da streicheln sie die Seele. Die jngsten Zugnge dieser Seelenwrmer heien A-Klasse und 1er das ist der Golf von BMW. Ein neues Stck Bangle-Blech (Chris Bangle ist der Chef-Designer von BMW), das Statements setzt: "Ja, ich bin ein echter BMW. Ich fahre so. Ich fhle mich auch so an."

Er soll Spa machen oder wie sie das im Konzern formulieren "Freude am Fahren" vermitteln. Das geht immer noch am besten mit Heckantrieb. Nahezu die Hlfte des Gewichts lastet auf der Hinterachse. Weil Lenkung und Antrieb voneinander getrennt sind, fhrt der BMW dynamischer als die frontgetriebene Konkurrenz durch Kurven. Schnell wird klar, der BMW will ein Sportler sein, ein in Blech gepretes Endorphin, wie es im Verkaufsprospekt steht, also ein Glckshormon.

Doch das Glck endet auf Kopfsteinpflaster (was die Hochglanzbroschre natrlich nicht verrt). Hier nimmt der 1er seine Insassen hrter ran, das Fahrwerk bleibt konsequent knochentrocken. Wenig Glcksgefhle auch im Innenraum: Der Kofferraum wirkt klein (330 Liter), die Rckbank ist eine bessere Hutablage, und ganz ehrlich das graue Plastik scheint viel zu billig fr einen 19.900 Euro teuren 2+2-Sitzer, der ein lifestyliges Premiumprodukt sein will.

Einparken, einkaufen, einpacken mit Stern

Relativ unspektakulr geht der kleinste 1er-Benziner ans Werk. Er tritt sanft an, 115 PS reichen fr Tacho 200, die Beschleunigung (null auf 100 in 11,4 Sekunden) fhlt sich an wie in einer praktischen Familienkutsche. Sein maximales Drehmoment erreicht der lngs eingebaute Vierzylinder erst bei 4300 Touren, deutlich spter als Audi und Mercedes-Benz.

Obwohl sich der BMW subjektiv eher behbig bewegt, beschleunigt der 116i auf der Mestrecke schneller als die beiden Konkurrenten. Deren Basismotoren leisten schmalere 102 und 95 PS, verbrauchen dafr aber weniger und billigeres Super statt Super Plus.

Leistung definiert die A-Klasse anders: einparken, einkaufen, einpacken das ist ihre Welt. Wenn es sein mu auch mit Tricks und doppeltem Boden. Im Kofferraum lt sich der Laderaumboden in der Hhe verschieben, beim Fnftrer lassen sich sogar die Sitze ausbauen (Aufpreis).

Der kleine Benz bietet am meisten Platz

Im Vergleich zum Vorgnger legte die A-Klasse in der Lnge um 23 Zentimeter zu, was der erstmals angebotene Dreitrer vornehm kaschieren kann. Der Kunde verzichtet auf zwei Tren, er gewinnt laut Mercedes-Benz "jugendlichen Charme" in Form eines Coups. Das klingt prima, aber beim Aus- und Einsteigen scheuern sich die Fondpassagiere an der B-Sule wie ein Hund am Laternenmast. Zu eng ist die Lcke zwischen Front- und Fondsitzen, die Tren sind zu wuchtig fr enge Parklcken und die Gurte fr die vorn Sitzenden zu weit hinten.

Beim Transport ist es klar: Obwohl die A-Klasse 40 (!) Zentimeter krzer ist als 1er und A3, schlgt sie die Konkurrenz um Lngen. Sie bietet den Passagieren mehr Beinfreiheit, Schultern rcken weiter auseinander, fr Knie und Kpfe bleibt mehr Luft. Dieses geniale Konzept nennt Mercedes-Benz One-Box-Design. Nachteil des raumzaubernden Kisten-Formats: Der 1.5-Liter-Mercedes kmpft schwer gegen den Wind und lt sich leichter zur Seite pusten. Was schwerer wiegt: Er kommt im Ernstfall spt zum Stehen. 40,2 Meter Bremsweg aus 100 km/h sind zuviel. Bei einem so teuren Kompakten (17.980 Euro) darf der Kunde mehr erwarten. Das ESP wacht in der zweiten Generation permanent, einen Ein-/Ausschalter gibt es nicht mehr was aber nicht weiter strt. Nur beim Anfahren auf Schnee oder Matsch knnte das Probleme bereiten.

Im Vergleich zu 1er und A3 schenkten die Mercedes-Benz-Techniker jeder Funktion auch einen Bedienschalter. Moderner wirkt das iDrive gesteuerte BMW-Cockpit kostet aber auch 2400 Euro extra (inklusive Navigationssystem). Mit einem silbernen Knubbel fr Kluge steuert der Fahrer Navi, Klima, Radio und Telefon auf einmal wenn er es denn erst mal kapiert hat.

Exklusives Wohlfhlambiente im Audi A3

Am simpelsten lt sich der Audi bedienen. Reinsetzen, anfassen, wohlfhlen. Alles erklrt sich wie von selbst, so als wre fr dieses Auto nie eine Bedienungsanleitung geschrieben worden. Er ist mit mehr Liebe gemacht als Konzernbruder Golf, mit dem sich der A3 Plattform und Technik teilt. Im Audi findet man, was der 1er vermissen lt. Aufgeschumter Kunststoff, minimale Spalte, feine Formen, Alu-Schmuck. Einfach mehr Auto frs Geld denkt man. Doch fast alles was glnzt, kostet im A3 extra. Selbst eine Klimaanlage mu der Kunde wie bei BMW teuer bezahlen, die im Mercedes-Benz hingegen serienmig mitfhrt. Das macht 1390 Euro, die auf den strammen Preis von 19.050 Euro noch mal draufkommen.

Im Alltag lt es sich mit Audis Basis-Benziner gut leben. Erst auf der Autobahn, ab Tempo 160, wirkt der Vierzylinder zh und schon bei leichten Steigungen mu zurckgeschaltet werden. Beim Fahrwerk besserte Audi zwar nach, aber grobe Bodenwellen kommen immer noch sprbar durch. Was sonst noch strt, ist die miese Sicht nach hinten auch wenn die beim 1er durch das kleinere Heckfenster sogar noch schlechter ausfllt.

In der A-Klasse von Mercedes-Benz behlt der Fahrer besser den berblick, nur Gefhle wollen nicht aufkommen. Obwohl die Stuttgarter aus dem ehemals klobigen Ambiente ein ansehnliches Cockpit schnitzten, wirkt der Baby-Benz einfach nchtern und neutral. Das reicht zwar fr den Testsieg, aber womglich nicht fr den Kauf. Denn hier geht es um den Kaviar der Kompakten. Und bei soviel Luxus entscheidet meistens der Geschmack.

Kosten und Ausstattungen

Im Kostenkapitel fhrt die A-Klasse den Sieg nach Hause. Mit dem schwcheren Basismotor bietet Mercedes-Benz den Kompaktwagen billiger an als die Konkurrenz ihre Einstiegsmodelle.

Technische Daten und Testwerte

Der 1er erzielt einen super Bremswert. Unter 38 Meter das ist fr einen Kompakten sehr beachtlich. Aber auch beim Audi gibt es keinen Grund zum Klagen, der immerhin noch vor der 39-Meter-Marke steht. Enttuschend: die lange Spur der A-Klasse. Das ist mit rund vierzig Metern eine Klasse fr sich diesmal leider im negativen Sinne.

Fazit und Wertung

Fazit von AUTO BILD-Redakteurin Margret Hucko Mein Verstand sagt A-Klasse. Mein Bauch sagt BMW. Der Audi wre nur ein Kompromi wenn auch ein schner. Die A-Klasse gewinnt den Vergleich, weil sie praktischer ist als Audi und BMW zusammen. Weil sie gnstiger ist, ohne billig zu wirken. Mercedes-Benz hat im Vergleich zum Vorgnger richtig zugelegt. Das Platzangebot: besser. Das Ambiente: schner. Der Verbrauch: vernnftig klein. Lenkung, Fahrwerk alles stimmiger. Mein Herz gewinnt trotzdem der BMW. Weil er fhrt wie ein BMW. Weil er aussieht wie ein BMW. Nur fhlt er sich nicht so an, das kann Audi besser. Die Qualitt steht teilweise nicht in Relation zum Preis. Aber auch das gehrt zu Herzensangelegenheiten: ber kleine Macken mal hinwegzusehen.

Hier ist Ihre Meinung gefragt

Ob ein Auto letztlich ankommt, wissen nur die Verbraucher selbst also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig. Vergeben Sie eigene Noten fr Mercedes-Benz A-Klasse, Audi A3 und BMW 1er. Das Ergebnis sehen Sie nach Abgabe Ihrer Bewertung.

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