Fahrbericht Audi A3 e-tron

Audi A3 e-tron: Fahrbericht

— 25.06.2014

Audi sucht Anschluss

Besser spät als nie: Mit dem A3 e-tron findet Audi endlich Anschluss beim Elektroauto. Wir haben den Plug-in-Hybriden schon mal ausprobiert.

Es hatte ein bisschen was von einem Wackelkontakt – erst war Audi ganz vorn dabei bei der Elektromobilität und hatte mit dem R8 fast schon die Pole-Position inne – und dann haben die Bayern den Stecker gezogen, ihre Strategie überdacht und irgendwie den Anschluss verloren. Mercedes hat zwischenzeitlich die B-Klasse elektrifiziert, BMW lässt sich für i3 und i8 feiern, Renault und Nissan stehen schon lange an der Ladesäule, selbst Porsche verkauft seit Monaten einen Plug-In-Hybrid und die Konzernmutter VW in Wolfsburg hat mit XL1, Up und Golf gleich drei Autos eingestöpselt.

Alltagstauglichkeit bleibt oberste Priorität

Praktisch soll er sein: Damit die Kunden zugreifen, setzt der A3 e-tron auf hohe Alltagstauglichkeit.

Doch jetzt hat Audi offenbar den Kurzschluss überwunden, die Kontakte poliert und will endlich mitmischen bei der elektrischen Revolution: Ab sofort kann man bei den Herren der Ringe den A3 Sportback deshalb für 37.900 Euro aufwärts auch als e-tron mit Plug-in-Hybrid und einer elektrischen Reichweite von immerhin 50 Kilometern bestellen. Zwar hat der anders als der i3 der Konkurrenz aus München noch einen Verbrennungsmotor an Bord und deshalb auch eine feine Abgasschleppe. Doch als Teilzeitstromer mit viel Platz und ohne Einschränkung bei der Alltagstauglichkeit gilt den Entwicklern aus Ingolstadt dieses Konzept mittlerweile als aussichtsreichste Lösung. "Denn der Elektroantrieb wird bei den Kunden nur erfolgreich sein, wenn sie beim Fahrverhalten keine Einbußen haben und ihre Mobilitätsgewohnheiten nicht ändern müssen", argumentieren die Macher und zücken zum Beweis das Datenblatt: Mit 7,6 Sekunden von 0 auf 100 und maximal 222 km/h muss sich der umgerüstete Sportback vor Dieseln und Benziner nicht verstecken und bei bis zu 940 Kilometern Reichweite kann man fahren wann und wohin man will.

Der Antrieb packt dem A3 ordentlich Speck auf die Rippen

Schwer: 300 Kilo bringt das Plug-in-Hybrid-System auf die Waage – beim Fahren spürt man das kaum.

In Fahrt bringen den e-tron der bekannte 1,4-Liter-TSI mit 150 PS und ein als Scheibe im Getriebe integrierter E-Motor mit 102 PS. Wenn beide zusammen arbeiten, geht es mit dem Audi flott zur Sache. Druckvoll beschleunigt der Wagen von der Ampel weg, überholen wird zum Kinderspiel, und auf der Landstraße ist der Bayer so engagiert, dass man die 300 Kilo Mehrgewicht durch Akku und E-Maschine schnell wieder vergessen hat. Aber wirklich spannend wird es, wenn man mit einer Taste auf der Mittelkonsole in den E-Betrieb wechselt. Dann übernimmt der Stromer die Alleinherrschaft und überrascht mit einem langen Atem. Quietschende Reifen beim Ampelspurt – das bekommt jedes andere Akku-Auto auch hin, weil die E-Maschine sofort ihr maximales Drehmoment bereitstellt. Aber der Audi beweist auch danach einen langen Atem. Wo es bei Leaf & Co schnell zäh wird, zieht Stromer weiter an. Und wo man bei anderen Hybrid-Modellen das Fahrpedal nur etwas fester streifen muss, damit sich der Verbrenner zuschaltet, kann man hier richtig Strom geben und hat unter der Haube noch immer Ruhe. Erst wenn man richtig feste zutritt oder 130 km/h überschreitet, schaltet sich der Vierzylinder wieder zu.

Neben dem automatischen Mischbetrieb und dem reinen Elektro-Modus hat Audi noch zwei weitere Fahrprogramme in der Elektronik hinterlegt. Mit "Hold" kann man den Akkustand einfrieren und so den Strom etwa für die nächste Stadtdurchfahrt oder die letzten Kilometer im Wohngebiet sparen. "Nur falls man den Nachbarn imponieren möchte", sagt ein Entwickler augenzwinkernd. Und wer auf das "Charge"-Button drückt, der kann den im Wagenboden verstauten Akku mit überschüssiger Motokraft auch unterwegs laden. Weil das allerdings die am wenigsten effiziente Lösung ist, rät Audi zum regelmäßigen Griff hinter die Ringe im Kühlergrill.

Auch Audi verlangt einen satten Elektro-Aufpreis

Preisfrage: Mindestens 37.900 Euro werden für den A3 e-tron fällig – ein satter Aufschlag für den Hybriden.

Dort verbirgt sich die Ladebuchse, über die man den 8,8 kWh großen Lithium-Ionen-Akku binnen 3:45 Stunden an der Haushaltssteckdose oder in 2:30 Stunden am Starkstromanschluss tanken kann. Von außen nur an kleinen Feinheiten wie dem neuen Chromschmuck im Grill oder dem vom S3 entlehnten Dachspoiler zu erkennen, macht der e-tron bei der ersten Ausfahrt eine gute Figur. Der Antrieb ist flott, das Zusammenspiel der beiden Motoren harmonisch und der Bordcomputer meldet imposante Werte – selbst wenn der Normverbrauch von 1,5 Litern natürlich nur der günstigen Berechnungsformel zu verdanken ist. Ein Problem mit dem (teil)elektrischen Antrieb hat allerdings auch Audi noch nicht lösen können: Den hohen Aufpreis. Vom stärksten Benziner diesseits des S3 trennen den e-tron stolze 10.000 Euro. Und mit dem doppelten Antrieb ist er sogar rund 3000 Euro teurer als der rein elektrische BMW i3. Entsprechend gering sind offenbar die Verkaufserwartungen. Sonst würden die Bayern jetzt mal so langsam Gas geben an der Elektrofront. Doch so richtig eilig haben es die Herren der Ringe noch immer nicht – auch wenn sie schon von weiteren Plug-in-Modellen zum Beispiel beim nächsten Q7, beim A6 und beim A4 sprechen. Denn ausgeliefert wird der A3 e-tron erst zum Jahreswechsel.

Autor: Thomas Geiger

Stichworte:

Plug-in-Hybrid

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