Audi A3 gegen Honda Civic: Test

Audi A3 Honda Civic Honda Civic

Audi A3/Honda Civic: Vergleich

— 21.10.2010

Duell an der Basis

Bitte einsteigen in die Basisversionen von Audi A3 und Honda Civic. Hier ist von karger Bescheidenheit keine Spur. Sparen wollen beide nur beim Sprit: mit ausgefeilter Turbotechnik und Hightech aus der Formel 1.

Das Basismodell einer Baureihe heißt auch gern "der Kleine". Der kleine Eins-Sechser, der kleine Zwoliter. Aber was sagen wir, wenn die Motoren noch weiter schrumpfen? Jüngstes Beispiel: Audi ersetzt im A3 seinen 1,6-Liter-Benziner mit 102 PS durch einen 1,2-Liter mit Turbo, Direkteinspritzung und 105 PS. Auf dem Heck prangt nunmehr ganz bescheiden ein verchromtes "TFSI", der kleine Hubraum wird schamhaft verschwiegen. Dabei bräuchten sich die Ingolstädter wegen der 1,2 wirklich nicht zu schämen. Dieses kleine Wunderding aus dem VW-Regal (kennen wir seit Kurzem aus Polo und A1) fühlt sich fast wie ein Zweiliter an. Es schiebt den A3 schon ab 1550 Umdrehungen mit kräftigen 175 Newtonmetern an, gewinnt sogar noch an Kraft, weil die Lichtmaschine in diesen Momenten nicht arbeitet.

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Wirkt kraftlos: Der Civic braucht hohe Drehzahlen für ein niedriges Drehmoment.

Honda spart dagegen noch auf die klassische Weise. Der Formel-1-Motorenlieferant pimpt seinen 1,4-Liter mit einer variablen Ventilsteuerung (i-VTEC) auf. Doch das für den Durchzug wichtige höchste Drehmoment meldet sich erst bei 4800 Touren zur Arbeit und ist mit 127 Nm vergleichsweise schlapp. So viel zur Theorie. In der Praxis sieht der Civic 1.4 i-VTEC Type S trotz aller Sport-Attribute (Doppelauspuff, Heckflügel) im Vergleich zum A3 1.2 TFSI richtig alt aus. Wo der Audi völlig unaufgeregt in 10,9 Sekunden auf 100 spurtet und 192 Spitze erreicht, braucht der Civic S fast zwei Sekunden länger, die Puste geht ihm dann schon bei 177 km/h aus. "S" steht hier also nicht mehr für Sport, sondern eher für Schlaffi. Nur bei der Lärmentwicklung gibt er sich betont sportlich: Ab 3500 Touren beginnt der 1,4-Liter ein Höllenspektakel, sein Crescendo strapaziert die Nerven der Insassen schon ab Tempo 100. Der A3 gibt sich akustisch wesentlich dezenter.

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Gut abgestimmt: Beim Fahrwerk schwört der A3 nun seiner knallharten Line ab.

Ebenso beeindruckend der Verbrauch, schließlich will der Audi auch dank Start-Stopp-Automatik der sparsamste Benziner in dieser Baureihe sein. Immerhin konsumiert der neue 105-PS-Motor gegenüber seinem 102-PS-Vorgänger 1,4 Liter Super weniger. Im Test liefen 6,2 Liter durch die Direkteinspritzung. Der herkömmliche Honda-Motor braucht nur 0,2 Liter mehr. Ebenfalls eine Super-Leistung. Wer es dann auf der Straße richtig krachen lässt, der bemerkt kaum Unterschiede. Der Honda glänzt wie der Audi mit unbeirrbarem Geradeauslauf, die Bremsen stoppen diese ausgewachsenen Kompakten nach guten 36 Metern. Allerdings wirkt der Civic in flotten Kurven nicht ganz so handlich wie der A3. Der hat mit seiner Fahrwerkabstimmung der knallharten Linie endgültig abgeschworen. Trotz Sportfahrwerks (Serie bei "Ambition") bietet der A3 noch ausreichenden Komfort, der Civic muss sich auf schlechten Strecken geschlagen geben, weil er kurze Bodenwellen nur stuckernd verarbeitet.

Zur Diskussion der (nicht bewerteten) Äußerlichkeiten fordern beide heraus. Hier das Honda-Grinsegesicht, der fette Heckflügel und dreieckige Auspuffrohre. Ganz objektiv aber stört innen das Armaturen-Suchspiel. Neben dem Zündschloss wartet sogar ein Extra-Startknopf, während der Audi auf Anhieb treffsicher zu bedienen ist. Geschmackssache sein voluminöser, aber ungeschützter Schlund. An Parkkratzer denkt hier offensichtlich niemand mehr. Auch die weit ausladend öffnenden Türen könnten Gummipuffer an den Kanten gut gebrauchen, das gilt für beide. Wer Gäste in den Fond bittet, sollte sie im Audi vorher Falttechniken üben lassen, beim Honda geht das entspannter. Dafür kostet seine sperrige Sitzlehnen-Entriegelung so manchen Fingernagel. Genial der variable Kofferraum. Rücksitzfläche hochgestellt: Ein Kinderfahrrad passt stehend rein. Alle Lehnen umgeklappt: topfebener Laderaum. Was dem Civic zwar kräftig Punkte einbringt, ihn aber noch lange nicht zum Siegertyp macht.
Fahrzeugdaten Audi Honda
Motor Vierzylinder, Turbo, vorn quer Vierzylinder, vorn quer
Ventile/Nockenwellen 2 pro Zylinder/1 4 pro Zylinder/1
Nockenwellenantrieb Kette Kette
Hubraum 1197 cm³ 1339 cm³
kW (PS) bei 1/min 77 (105)/5000 73 (100)/6000
Nm bei 1/min 175/1550 127/4800
Vmax 192 km/h 177 km/h
Getriebe Sechsgang manuell Sechsgang manuell
Antrieb Vorderradantrieb Vorderradantrieb
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Scheiben Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung 225/45 R 17 W 205/55 R 16 V
Hersteller/Typ Pirelli Pzero rosso Bridgestone Turanza ER 300
Radgröße 7,5 x 17" 6,5 x 16"
Abgas CO2 127 g/km 135 g/km
Verbrauch* 6,7/4,7/5,5 l 7,3/5,0/5,9 l
Tankinhalt 55 l/Super 50 l/Super
Vorbeifahrgeräusch 71 dB (A) 69 dB (A)
Anhängelast gebr./ungebr. 1200/640 kg 1200/500 kg
Kofferraumvolumen 350–1080 l 456–1352 l
Länge/Breite/Höhe 4238/1765/1421 mm 4270/1765/1460 mm
Preis (wird bewertet) 22.750 Euro 19.790 Euro
*innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km
Messwerte Audi Honda
Beschleunigung
0–50 km/h 3,5 s 3,8 s
0–100 km/h 10,9 s 12,8 s
0–130 km/h 18,4 s 23,1 s
Elastizität
60–100 km/h 9,8 s (4. Gang) 14,4 s (4. Gang)
80–120 km/h 20,5 s (6. Gang) 28,4 s (6. Gang)
Leergewicht/Zuladung 1288/477 kg 1224/466 kg
Gewichtsverteilung v./h. 60/40 % 61/39 %
Wendekreis links/rechts 10,6/10,7 m 10,9/10,9 m
Bremsweg
aus 100 km/h kalt 36,6 m 35,8 m
aus 100 km/h warm 36,0 m 36,8 m
Innengeräusch
bei 50 km/h 56 dB (A) 57 dB (A)
bei 100 km/h 63 dB (A) 66 dB (A)
bei 130 km/h 68 dB (A) 71 dB (A)
Testverbrauch – CO2 6,2 l S – 147 g/km 6,4 l S – 151 g/km
Reichweite 880 km 780 km
Diether Rodatz

Diether Rodatz

Fazit

Schon nach der ersten Vergleichsfahrt war mir klar, dass der Audi A3 der klare Gewinner wird. Lahm und laut der Motor des Honda, gewöhnungsbedürftig Bedienung und Form. Doch beim Addieren der Punkte die Überraschung: Das Karosserie-Kapitel geht an Honda, beim Verbrauch ist er ebenbürtig, und da der Audi serienmäßig keine Klimaanlage bietet, holt der Honda auch dank seines günstigeren Preises am Schluss ordentlich auf.

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