Audi A4 (1994-2001)

Audi A4 (1994-2001) Audi A4 (1994-2001)

Audi A4 (1994-2001)

— 25.02.2002

Auf wackligen Beinen

Audis Erfolgstyp gilt allgemein als solide, sicher und langlebig. Nur mit den Bremsen und Gelenken hat er große Probleme.

Qualitätsprobleme und Lösungen

Mit dem A4 hat Audi einen Streber im Programm. Sieger vieler AUTO BILD-Vergleichstests, seit 94 über eine millionmal gebaut und ganz nebenbei ein kleiner Qualitätsriese. Im VW-Konzern ist der A4 das Maß aller Dinge. Seine geschliffene Verarbeitung gilt als Vorbild für alle anderen Modelle. Oft kopiert und nie erreicht. Dabei legte der Schönling von der Donau beileibe keinen Musterstart aufs Parkett.

Wegen möglicher elektrostatischer Aufladung der Airbags – und der Gefahr vorzeitigen Auslösens – wurde der A4 in die Werkstatt gebeten. Ein Kabel zur Masseverbindung wurde nachgerüstet. Ärger bereiteten auch 100.000 Ölpumpen und Steuerketten beim 1,8-Liter-Motor. Und – nicht zu vergessen – das aktuelle Bremsenproblem, das den Audi-Technikern zur Zeit schlaflose Nächte beschert. Wenn das Bremspedal bei feuchter Witterung längere Zeit nicht betätigt wurde, ist die Verzögerung beim ersten Drauftreten fast Null. Erst im zweiten Versuch packt die Bremse wieder wie gewohnt zu.

Auch die Beine des Audi-80-Nachfolgers haben Probleme mit der Standfestigkeit. Überdurchschnittlich oft werden im A4 bei Hauptuntersuchungen Spiel in Gelenken der Radaufhängung sowie Defekte an Lenkhebeln bemängelt. Meist schlagen die Kugelköpfe nach 40.000 Kilometern aus, machen sich durch Quietschen oder Klappern bemerkbar. Ursache: schlechtes Material bei den Baujahren bis 96. Audi reagierte und bietet den teuren Teile-Austausch der Vierlenkerachse (identisch mit der des neuen A6 und A8) kostenlos an. Ob es hilft? Unser Dauertest-A4 (Testziel 200.000 km) fährt zwar auf erstarkten Gelenken, doch fühlt er sich nach 170.000 Kilometern schwammig und weich an – als ob die Karosserie an Steifigkeit verloren hätte. Immerhin zeigen sich die verzinkten Bleche als rostresistent.

Inneraum und Motoren

Seinen hohen Qualitäts-Standard beweist der A4 vor allem in der Paßgenauigkeit der Teile außen wie innen. Nur ganz vereinzelt klappert oder knistert es im Bereich der B-Säule und des Cockpits. Reichlich Windgeräusche bei den ersten Modellen lassen sich meist durch nachträgliches Einstellen der Türen beseitigen. Letzte Auffälligkeit, die beim Gebrauchtkauf zu prüfen ist: Gelegentlich waren die Schiebedächer undicht.

Eitel Sonnenschein unter der Motorhaube. Am häufigsten treibt der kleinste Vierzylinder, ein 1,6-Liter mit 101 PS, den A4 an. Keine Rakete, mehr eine brave Alltagsmaschine, die sich mit 8,5 Litern begnügt. Spaß kommt mit dem 1,8-Liter auf, der mit Turbo 150 PS leistet. Einzige Schwachstelle: rißgefährdete Steuerketten zwischen Ein- und Auslaßnockenwelle, die Audi kulant tauschte. Keinen Ärger machen die Zahnriemen - sie müssen nur alle 180.000 Kilometer gewechselt werden.

Unproblematisch, aber deutlich teurer: die Sechszylinder. Das Angebot reicht von 2,4 bis 2,8 Liter, im Topmodell S4 mit Doppelturbolader reißen sogar 265 Pferde an allen Rädern. Für Sparfüchse gibt es aus dem Konzernregal die durchzugsstarken TDI (90 und 110 PS). Solide Nachfrage, solide Preise: Fünfjährige Modelle werden mit mehr als 50 Prozent des Neupreises notiert, dreijährige bringen noch 60 Prozent. Und das sind mehr als standfeste Preise für den Musterschüler auf seinen wackligen Beinen.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 11/94 Einführung des Audi-80-Nachfolgers, sechs Motorvarianten: Benziner von 101 (1.6) bis 174 (2.8) PS, TDI (1.9) mit 90 PS. ABS und Doppelairbag serienmäßig. Basis ab 36300 Mark 9/95 zweiter TDI-Motor (1.9) mit 110 PS 2/96 Einführung des Kombimodells Avant 4/96 Leistungssteigerung beim 2,8-Liter-V6 auf 193 PS 9/96 rot eingefärbte Heckleuchten serienmäßig • 6/97 neuer 2,4-Liter-V6-Benziner (165 PS) löst 2,6-Liter-Motor ab 9/97 Topmodell S4 mit Allrad und 265 PS für 81500 Mark 4/98 dritter TDI-Motor (2,5-Liter Sechszylinder) mit 150 PS.

Schwachstellen • Achsmanschetten sind die klassische Schwachstelle jedes Fronttrieblers – beim A4 oft schon nach 60.000 Kilometern eingerissen. Ersatz kostet 200 Mark • Lenkhebel und -gelenke haben oft zuviel Spiel, notiert der TÜV Auto-Report '99/AUTO BILD-Spezial. Ursache: Materialschwäche. Folge: Klappern, Quietschen, schwammiges Fahrgefühl. Audi tauscht auf Kulanz • Zahnriemen müssen beim Diesel alle 60.000 Kilometer gewechselt werden. Bei Benzinern ist nach 180.000 Kilometern der Tausch fällig • Ölverlust an Motor und Getriebe ist nicht selten, aber meist undramatisch. Wichtig: Die Rückrufaktion für die getauschten Ölpumpen muß im Scheckheft von der Werkstatt abgestempelt sein • Airbags wurden gegen elektrostatische Aufladung nachgerüstet

Reparaturkosten Preise inklusive Lohn und Mehrwertsteuer am Beispiel eines Audi A4 1.6, 74 kW/101 PS, Bj. 1995. Audi spielt neben BMW und Mercedes die erste Geige - entsprechend teuer sind Reparaturen. Selbst beim kleinen A4 wird kräftig hingelangt.

Fazit und Urteil

Fazit Der A4 ist die Visitenkarte von Audi. Eine durch und durch solide Mittelklasse ohne große Auffälligkeiten. Allerdings mußten die Ingolstädter für den guten Ruf auch drei Rückrufe starten: Am wichtigsten war der kostenlose Tausch aller Kugelköpfe der Vierlenkerachse. Sie schlugen bei den ersten Modellen rasch aus, quietschten oder klapperten. Außerdem wurde der Airbag gegen elektrostatische Aufladung gesichert und die falschen Druck liefernde Ölpumpe getauscht. Windgeräusche in den ersten Serien ließen sich meist durch Einstellen der Türen beseitigen. Bei den Motoren empfehlen sich vor allem die kraftvollen und sparsamen TDI-Varianten oder der harmonische 2,6-Liter-Sechszylinder.

AUTO BILD-Urteil: Bedingt empfehlenswert

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