Audi A4 Avant 2.5 TDI quattro

Audi A4 Avant 2.5 TDI quattro Audi A4 Avant 2.5 TDI quattro

Audi A4 Avant 2.5 TDI quattro

— 29.07.2002

Dieses Auto macht keinen neidisch

Dabei gäbe es Gründe genug dafür: Der Audi A4 Avant 2.5 TDI quattro hat viele Talente. Die sich zudem nur wirklich gut Verdienende leisten können.

Weder Statussymbol noch Billigheimer

Neid ist eine der sieben Todsünden, die Papst Gregor I. vor 1500 Jahren formulierte. Daher ist es eine christliche Tugend, wenn man vermeidet, dass er überhaupt entsteht. So gesehen ist ein Audi A4 ideal für den Besserverdiener: Der A4 wird gern gesehen, aber nicht neidisch betrachtet. Er gilt nicht als Statussymbol, aber auch nicht als Billigfahrzeug. Dies erklärt die große Zahl von preisgünstigen A4-Versionen, die Deutschlands Straßen bevölkern.

Ab 22.100 Euro ist die kleinste Stufenhecklimousine im Audi-Programm zu haben. Man kann allerdings auch beträchtlich mehr Geld für einen A4 ausgeben, ohne sich dabei in den Augen seiner Mitmenschen der Todsünde des Hochmuts schuldig zu machen. Der getestete A4 Avant mit schneesicherem Allradantrieb und 2,5-Liter-Turbodieselmotor kommt bereits auf einen Grundpreis von 34.780 Euro – das sind 12.680 Euro mehr als für die Basisversion. Der Betrag lässt sich anschließend mit Extras in fast beliebige Höhe treiben. Ein bisschen Leder hier, ein Navigationssystem mit TV-Bildschirm da, ein Satz Aluräder dort, und schon überschreitet der nach wie vor schlichte Audi die 50.000-Euro-Marke; kostet also mehr als 100.000 Mark!

Nur ausgesprochene Experten wissen, dass man mit dem Kauf dieses Autos ruck, zuck das Jahresgehalt eines besser Verdienenden auf den Kopf gehauen hat. Mit Vernunft hat das wenig zu tun, tut der Attraktivität des Testwagens aber keinen Abbruch. Der Kenner schnalzt mit der Zunge, wenn er die Zutaten dieses A4 sieht: quattro-Allradantrieb mit Schlupfregelung, vollverzinkte Avant-Karosserie mit variablem Innenraum und natürlich der verheißungsvolle 180-PS-TDI.

Der tiefe Fall ins Turboloch, aber dann ...

Gerade der Motor scheint bei zahlreichen Auto-Interessierten als Quadratur des Kreises zu gelten: Bärenkraft und Miniverbrauch unter einer Motorhaube. Die Praxis relativiert das Ganze allerdings. Unter 1500 Touren gähnt ein tiefes Turboloch, das beim Anfahren und vor allem im Stadtverkehr lästig ist. Bis 2000 Touren geht es verhalten vorwärts, danach stürmt der Audi völlig entfesselt los, bis bei knapp oberhalb von 4000 Touren schon wieder Schluss ist.

Somit muss man eifrig im Sechsgang-Getriebe rühren – oder weitere 1790 Euro für das fünfstufige Automatikgetriebe anlegen. Auf dem Prüfstand gibt der V6-TDI zwar bereits bei 1500 Touren seine gewaltigen 370 Newtonmeter ab, aber eben nur auf dem Prüfstand. In der alltäglichen Praxis muss man den Motor stets im Bereich zwischen 2000 und 4000 Touren halten, dann ist der Schub tatsächlich fast brachial. Man stelle sich vor: Ein Diesel, der in 8,6 Sekunden auf Tempo 100 beschleunigt und auf der Autobahn echte 222 Sachen rennt. Das gab es bis vor wenigen Jahren noch nicht.

Echte Miniverbräuche darf man jedoch nicht erwarten; dazu ist der Motor zu groß und der A4 mit 1785 Kilo Leergewicht viel zu schwer. Unter 7,1 Liter/100 Kilometer sind wir nicht gekommen. Im Testschnitt waren es 9,4 Liter. Das ist nicht sensationell wenig, aber im Verhältnis zu den hohen Fahrleistungen dennoch lobenswert. Schnelles Fahren kostet hier keinen unakzeptabelen Zuschlag, auch wenn der Verbrauch bei Dauervollgas auf leerer Autobahn auf über 13 Liter hochschnellt – und damit fast den Tatbestand der Todsünde Völlerei erfüllt. Trotzdem – ein Benziner braucht bei diesem Tempo 20 Liter/100 km.

180-PS-TDI ausschließlich mit Allrad

Gut, dass der 180-PS-TDI ausschließlich mit dem Allradantrieb zu haben ist. Ein Frontantrieb wäre von der plötzlich einsetzenden Turbokraft schon bei Nässe völlig überfordert, erst recht im Winter. Durch den quattro-Antrieb genießt man die Gewissheit, dass die Kraft auch wirklich in Vortrieb umgesetzt wird. Das hilft beim Überholen eines Lastwagens, aber auch in der Stadt beim Einfädeln in den dichten Kolonnenverkehr. Ein Zentraldifferenzial verteilt die Motorkraft auf Vorder- und Hinterachse. Audi vertraut dabei bereits seit 1988 in allen seinen Längsmotor-quattro auf ein so genanntes Torsen-Zentraldifferenzial (von TORque SENsing; engl. für Drehmoment fühlend). Es verteilt die Kraft variabel nach vorn und hinten, je nach Griffigkeit des Bodens im Verhältnis 25:75 bis 75:25.

Je griffiger der Untergrund unter einer Achse, desto mehr Kraft wird dieser Achse über das Torsen-Differenzial zugeführt. Diese Verteilung funktioniert rein mechanisch über die charakteristischen Schnecken- und Stirnzahnräder, die sich gegenseitig verspreizen und dadurch auch eine automatische Sperrwirkung bis zu 100 Prozent erzeugen.

Trotz des sehr wirksamen Allradantriebs bleibt der A4 quattro ein lupenreines Straßenauto. Der vergleichsweise kurze erste Gang lässt den 2.5 TDI zwar steile Anstiege gut erklimmen, doch es hapert an der Bodenfreiheit. Schon harmlose Waldwege bringen den Audi häufig zum Aufsetzen. Der Dieselmotor läuft in jeder Situation mit hörbar rauem Klang, aber immerhin ohne lästige Vibrationen. Vor allem in kaltem Zustand nagelt er jedoch spürbar härter als vergleichbare Dieselmotoren von BMW oder Mercedes. Audi benutzt für seinen V6-TDI eben (noch) nicht die Common-Rail-Technik, welche die Direkteinspritzer-typische Härte des Dieselnagelns effektiv mildert, sondern eine vergleichsweise schlichte Hochdruck-Verteilereinspritzpumpe von Bosch.

Fahrwerk und Komfort

Dennoch verschafft dieser A4 dem Fahrer ein angenehmes Reiseerlebnis. Dafür sind in erster Linie das gekonnt komfortabel abgestimmte Fahrwerk und die hochwertigen Sitze verantwortlich. Der teure Audi wirkt straff, aber dennoch angenehm. Das liebevoll verarbeitete Interieur trägt ebenfalls zum Wohlbefinden bei. Wirksame und standfeste Bremsen mit knapp über 38 Meter Bremsweg aus Tempo 100 erhöhen das Gefühl der Sicherheit. Auch das unproblematische Fahrverhalten mit nur leichter Neigung zur Untersteuerung macht eine schnelle Fahrweise möglich. Nur in engen Kurven schiebt der kopflastige Audi stark über die eingeschlagenen Vorderräder zum Außenrand der Kurve.

Das Wohlbefinden wird schnell geschmälert, sobald mehr als zwei Erwachsene an Bord sind. Hier liegt der Nachteil des Understatements, denn ein wirklich geräumiges Auto ist der A4 Avant nicht. Vorn hat man anständig Platz, wenn auch das Raumgefühl durch die sehr flache Scheibe beschränkt ist. Im Fond sind die Platzverhältnisse knapp, wenn Erwachsene für eine längere Fahrt Platz nehmen.

Die Hinterbänkler müssen sich mit den vorne Sitzenden arrangieren, um genug Kniefreiheit zu haben. Über dem Kopf findet sich im Fond nur ein Fingerbreit Luft. Hier bietet der A4 Avant mit seinem schick heruntergezogenen Dach und der schräg abfallenden Heckklappe wenig. Bei nur 76 Zentimeter Höhe muss ein größerer Hund ständig den Kopf einziehen. Große Kartons schluckt der Laderaum ebenso ungern.

Fazit und Technische Daten

Fazit Der Audi A4 Avant 2.5 TDI quattro ist zwar richtig teuer, aber auch gut und liebevoll gemacht. Verarbeitung und Aufmachung überzeugen, der 180-PS-Turbodiesel weniger: unten herum zu schlapp, dann (fast) zu stark. Zwei Dinge dürfen den Interessenten nicht stören: Der A4 ist auch als Avant für Familien zu knapp geschnitten, und seine Talente reichen trotz Allradantrieb nicht über die Straße hinaus.

Preise und Ausstattungen

Schnäppchen-Prerise wird bei Audi keiner erwarten. Aber: Das Verhältnis von Fahrleistungen und Verbrauch stimmt. Wem der 2,5 TDI nicht sparsam genug ist, der greift zum 1,9 TDI.

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