Audi A4 gegen VW Passat

Audi A4 gegen VW Passat Audi A4 gegen VW Passat

Audi A4 gegen VW Passat

— 09.05.2005

Kein leichter Einstieg

Deutschlands beliebtester Dienstwagen? Der Audi A4. Doch mit dem neuen Passat hat VW gute Chancen, den Titel zurückzuholen.

Der Passat eine graue Maus? Das ist vorbei

Vor 30 Jahren sah die Sache noch einfach aus: Passat und Audi 80, technische Zwillinge in ähnlichen Kleidern aus einem Konzern. Ende 1980 löst sich der Passat vom Audi, folgt eigenständigen Wegen. Sein Design bleibt bieder, von Lifestyle keine Spur. Dem Erfolg schadet das nicht. Der Passat ist nach dem Käfer und dem Golf das meistverkaufte Auto bei VW.

Anders der Audi. Aus dem einst kantigen 80er Modell wird nach und nach eine schicke, edle Limousine namens A4, die Hut und Hosenträger abstreift. Der Kombi Avant fährt sogar Designer-Preise ein. Heute treffen die beiden erneut aufeinander. Und plötzlich scheint alles anders.

Der Passat eine graue Maus? Vorbei. Mit dem imposanten Chromgrill vorn macht er auf richtig chic. Und die edlen Rückleuchten strahlen mit seinem stolzen Besitzer um die Wette. Keine Frage: Die sechste Generation des Passat hat mächtig gewonnen. Nur wer genau hinsieht, entdeckt formale Schwächen. So sind seine vorderen und hinteren Überhänge zu groß geraten, rauben dem Wagen Dynamik, Sportlichkeit und eben auch Emotionen.

Cockpit und Platzangebot

Genau das macht Audi immer noch besser: Der A4 wirkt dynamisch. Wie aus einem Guß. Aber das ist Geschmackssache und wird in unserem Test nicht bewertet. Hier zählen Fakten. Und da legt der neue VW gleich mal die Meßlatte ein ganzes Stück höher. 18 Zentimeter mehr Außenlänge gegenüber dem A4 – eine Welt. Sieben davon tummeln sich immerhin zwischen Vorder- und Rücksitz, was die Passat-Passagiere augenblicklich in die Business-Klasse hebt. Knie- und Kopffreiheit sind vorbildlich. Im A4 zwickt es, ihm fehlt hier die Großzügigkeit. Ärgerlich: Werden die Füße nach vorn unter den Sitz geschoben, stoßen die Schienbeine schmerzhaft gegen die harte Verkleidung am Vordersitz.

Hinter dem Lenkrad ist der Passat klar das modernere Auto. Die Sitzposition ist besser, das rechte Bein drückt nicht wie im A4 gegen die Mittelkonsole, und die Bedienung gelingt ohne Probleme. Audi beließ das Cockpit beim Facelift im letzten Herbst unverändert, wechselte nur das Lenkrad aus. Zwar ist alles gut ablesbar, aber nach meinem Geschmack sind zum Beispiel Drehschalter für die Klimaregelung leichter zu bedienen als Tiptaster.

Überhaupt sind es neben dem besseren Raumgefühl die wohldurchdachten Kleinigkeiten im Passat, die den Umgang mit dem VW angenehmer machen. So paßt eine Literflasche in die Türablage (wohin damit im Audi?), zwei Schubladen im Armaturenbrett nehmen Parkkarte oder anderen Kleinkram auf, das Handschuhfach ist gekühlt, ein Brillenfach wartet am Himmel, und der Handbremshebel mutierte zum Knopf, der griffgünstig links vom Lichtschalter liegt. Der Passat ist damit das erste Auto dieser Klasse, das eine elektronische Parkbremse einsetzt.

Kofferraumvolumen und Motor

Wie das alles verpackt ist? Im Audi gewohnt solide und perfekt. Feine Materialwahl, alles fühlt sich wertig an. Etwas enttäuscht bin ich vom Passat. Das Basismodell trägt viel Hartplastik, und die schlichte Kunststoffeinlage quer über die gesamte Breite (wo ich eigentlich einen Holzstreifen erwarte) ist nun wirklich nicht schön.

Wichtig für Mittelklasselimousinen ist der Kofferraum. Hier stellt der Passat den Audi mit über 100 Litern mehr an Kapazität klar in den Schatten. Hinzu kommen die herausnehmbaren seitlichen Wände, die Platz für die Golftasche machen. Wer noch mehr Raum benötigt, kann im VW die Rücksitzlehnen getrennt und die Bank als Ganzes umklappen. Im A4 kostet dies 280 Euro (nur Lehnen).

Motorisch haben wir die Diesel-Basisantriebe gewählt, den 1,9-Liter-TDI. Im Audi leistet er 115 PS, der Passat kommt mit dem gleichen Vierzylinder auf 105, was ihn sowohl in der Beschleunigung als auch in der Elastizität leicht zurückfallen läßt. Im Alltag spielt dies jedoch keine Rolle. Schon eher, daß die Dieselaggregate recht unwirsch ihre Arbeit verrichten.

Verbrauch und Komfort

Der rauhe Ton in den unteren Gängen will nicht zum luxuriösen Gesamtcharakter dieser Autos passen. Wobei sich der Pumpe-Düse-Diesel im Passat eine Spur vornehmer benimmt und besser gedämmt erscheint.

Insgesamt zeigen sich die beiden Direkteinspritzer als angenehme Begleiter: kräftiger Antritt aus niedrigen Drehzahlen und sparsamer Umgang mit dem Treibstoff. 6,8 Liter sind es beim Passat, 6,7 beim Audi. Gleich große Tanks liefern somit auch gleich große Reichweiten. Wenn man denn gewillt ist, solche Touren auf sich zu nehmen. Denn zu sportlich, wie ich finde, haben es die Ingenieure mal wieder mit dem Fahrwerk gemeint.

Den Audi haben wir in diesen Belangen ja schon öfter kritisiert. Er nimmt Querfugen sehr deutlich, leitet Fahrbahnstöße fast ungefiltert an die Insassen weiter. Etwas besser macht es der Passat. Er rollt sanfter über Schlaglöcher oder Frostaufbrüche, bleibt dabei aber auch recht straff.

Kosten und Ausstattungen

Kommen wir zum Preis. Von der Größe und äußeren Anmutung her könnte man meinen, der Passat müßte das teurere Auto sein. Falsch. Fast 2000 Euro trennen ihn vom Konzernbruder Audi in der Basis – und der Volkswagen ist dabei sogar noch besser ausgestattet (klappbare Rücklehnen serienmäßig). Mit diesen Trümpfen hat der Passat wieder gute Chancen, auf Platz eins der deutschen Dienstwagen-Hitliste zu fahren. Aktuell ist es Konzernbruder A4.

Technische Daten und Testwerte

Der Passat steht früher: Mit kalter Bremse – das simuliert eine plötzlich auftretende Gefahrensituation – stoppt der Volkswagen einen Meter früher. Aber auch die Audi-Bremse verzögert sehr gut.

Fazit und Wertung

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Michael Specht Gegen den neuen Passat hat es der Audi A4 nicht leicht. Dennoch bleibt er ein überzeugendes Auto und ist für Kunden, denen Image wichtiger ist, die bessere Wahl. Hier muß er sich aber dem Passat geschlagen geben: Der hat mehr Platz, den größeren Kofferraum und ist günstiger. Aber er bleibt ein Passat, selbst mit viel Chrom und markanten Leuchten. Mitten rein ins Premium-Segment fährt er so noch nicht. Wohl aber bald wieder auf Platz eins der Dienstwagen-Hitliste.

Hier ist Ihre Meinung gefragt

Ob ein Auto letztlich ankommt, wissen nur die Verbraucher selbst – also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig. Vergeben Sie eigene Noten für VW Passat und Audi A4. Das Ergebnis sehen Sie nach Abgabe Ihrer Bewertung.

Autor: Michael Specht

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