Audi A4 von Frank Gabesz

Audi A4 von Frank Gabesz Audi A4 von Frank Gabesz

Audi A4 von Frank Gabesz

— 03.08.2006

Gabesz verleiht Flügel

Wer denkt, die Spanier oder Franzosen seien wahre Karosseriekünstler, der hat noch nicht erlebt, was die Ungarn draufhaben.

Eigentlich ist der Audi A4 als brave Stufenhecklimousine eher ein Fahrzeug, das die meisten Tuner hierzulande dezent veredeln. Ganz anders Frank Gabesz aus Budapest. In nur vier Monaten zauberte er aus einem anthrazitfarbenen Original-A4 diese auffällige Rakete. Nicht ganz ohne Stolz gibt der Ungar zu erkennen, dass 90 Prozent aller Teile Eigenkonstruktionen sind.

Und das glauben wir ihm gern, denn wer hat schon einmal solch einen brachialen Breitbau in Verbindung mit Suicide-Doors und Flügeltüren am A4 gesehen? Wohl niemand. Man muss natürlich dazusagen, dass Frank auf ein Team von Spezialisten zurückgreifen kann. Er arbeitet nämlich ähnlich wie unsere Jungs der "Big Block Produktion" für einen ungarischen Fernsehsender und rüstet in deren Auftrag verschiedene Fahrzeuge im Rekordtempo um.

Rekordverdächtig ist auch der Motorumbau des Audi. Sorgte ursprünglich ein normaler 1.8-Turbo-Motor für Vortrieb, darf sich der Ungar jetzt über einen

Ein bisschen mehr: Der ehemalige 1.8 T bringt es nun auf 450 PS.

"dezenten" Leistungszuwachs freuen, unter anderem dank NOS-Einspritzung und Chiptuning. Dem nicht genug, implantierte man gleich noch die komplette Einspritzanlage inklusive des Turbos aus dem RS6. So umgerüstet, bringt es der Audi auf 450 PS! Auf unsere Frage, wie es denn mit TÜV-Eintragungen in Ungarn bestellt sei, antwortet Frank ganz entrüstet, dass alle seine Fahrzeuge TÜV-geprüft sind. Nun ja, wir glauben es ihm mal. Oder auch nicht.

Da wäre zum einen die Sache mit den Suicide-Doors. TÜV-gerecht ist die nicht ganz so einfach zu bewerkstelligen. Auch Frank und sein Team hat einige Zeit gebraucht, um das gewünschte Ergebnis dauerhaft und haltbar hinzubekommen. Vor allem in Verbindung mit dem Breitbaukit mussten zahlreiche Hürden genommen werden. So mussten letztendlich die halben hinteren Radlaufverbreiterungen den Türen weichen, da eine ausreichende Öffnung anders nicht zu realisieren gewesen wäre. Das macht aber nichts, der Optik schadet dies in keinem Fall, und der Symmetrie wegen wurden die vorderen Radläufe ebenfalls etwas angepasst. Dazwischen findet man die extremen Seitenschweller aus Eigenproduktion vor, die den Audi gute zehn Zentimeter in die Breite wachsen lassen.

Die Front erinnert entfernt noch an ein Exemplar aus der Japan-Szene. Vor allem Mitsubishi-Eclipse-Fahrer schwören auf solche Flügelschürzen. Aber auch hier war richtig Handarbeit angesagt, musste man doch einen nahtlosen Übergang zum Rest des Body-Kits schaffen. Spaltmaße zwischen Stoßfänger und Kotflügel? Fehlanzeige! Ebenso die Heckansicht, die mehr an einen Vertreter unserer Breitengrade,

Sieht verdammt schnell aus: die Lufthutze auf der Motorhaube.

nämlich ein DTM-Modell aus dem Hause Opel erinnert, wurde nahtlos mit den hinteren Karosserieformen "verschweißt". Eine riesige Dachhutze sowie deren abgeschwächtes Ebenbild auf der Motorhaube komplettieren den DTM-Style des Wagens.

Tourenwagenähnlich sind auch die Felgenmaße, die hier verbaut wurden. Geht es an der Vorderachse noch relativ zivil mit 8,5 Zoll breiten 18ern zur Sache, gab man sich an der Hinterachse erst mit voluminösen 10 x18 Zoll zufrieden. In Anbetracht der oben genannten Motorumbauten sollte dies aber kein Problem darstellen, schließlich hat das Aggregat so viel Power, dass ihm die breiten Walzen keine Leistung kosten. Um die nötige Bodenfreiheit dieser Boliden zu gewährleisten, verbaut man auch in Ungarn allzu gern Luftfahrwerke "Made in Germany": G.A.S. heißt auch bei diesem Audi das Zauberwort.

Wer mit solch einem außergewöhnlichen Äußeren aufwartet, kann beim Thema Innenraum natürlich nicht klein beigeben. Auch hier haben die Ungarn keine Mühen gescheut und alles, vom Dachhimmel über das Armaturenbrett bis hin zum Fahrzeugboden, fein säuberlich in GFK gehalten. Bis auf die vier WRC-Sitze wurde alles mit dem künstlichen Material überzogen.

Neben unzähligen Monitoren und HiFi-Komponenten fällt dem Tuningkenner vor allem der Wahlhebel der Automatikschaltung ins Auge – und sorgt zunächst für Stirnrunzeln. Aber unsere östlichen Tuner lieben es eben bequem. Und wer sagt, dass man mit einer Automatik nicht sportlich fahren kann? Bild- und tontechnisch wurde der Audi mit einem Car PC (Pentium4, 1,4 GHz), einer Playstation, einer Infrarotkamera für den nächtlichen Tiefflug sowie einem DVD-Wechsler ausgestattet.

Gecleant, lackiert und mit von Händen gehaltene Boxen: Der Kofferraum rockt!

Zwei 1000-Watt-Impact-Woofer sorgen im Heck für die Tieftonproduktion, während die hierfür benötigten Endstufen ganz geschickt, durch Plexiglas geschützt, im Kofferraumdeckel eingearbeitet wurden.

Der Kofferraum ist das nächste Highlight. Wurde schon vor den Türöffnungen nicht halt gemacht, hat man sich auch für das Öffnen des Heckabteils so seine Gedanken gemacht. Konventionell geht bei diesem Fahrzeug gar nichts mehr. Mit Hilfe von pneumatischen Pumpen gelang den Tunern eine wahre Show für jedes Treffen: Während die Heckklappe senkrecht gen Himmel steigt, öffnet sich passend dazu im horizontalen Weg die Kennzeichenmulde. Hat sich das Heck erst einmal entfaltet, findet das Auge des Betrachters schnell die Linse der Rückfahrkamera, verborgen in einer Maske aus GFK. Und die macht durchaus Sinn, denn die Sicht nach hinten hat sich unser Tuningfreund schließlich selbst verbaut.

Wir haben auf jeden Fall ein Auge auf die höchst interessante ungarische Szene geworfen und warten ab, was uns demnächst vor unser Objektiv flattern wird. Eines ist aber sicher: Diesen Audi zu toppen, wird sicherlich sehr, sehr schwer werden. Wir sind gespannt!

Autor: Roger Kieffer

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