Audi A6 2.4/BMW 520i/Mercedes E 240

Audi A6 2.4/BMW 520i/Mercedes E 240

— 24.05.2004

Das deutsche Dienstwagen-Duell

Audi bittet zum Grillfest in der Oberklasse. Im Vergleich: die kleinen Sechszylinder des Nobeltrios.

Im A6 fährt am meisten Platz mit

Es geht wieder los. Kaum werden die Abende etwas lauer, ziehen blaue Schwaden durchs Land, knistert in Vorgärten und Grünanlagen die Holzkohle, steigt der Duft von Rostbratwürstchen und mariniertem Fleisch auf. Die Deutschen grillen wieder. Und die deutschen Nobelhersteller machen munter mit. Der neue Grill-Meister in der Oberklasse heißt Audi A6. Keiner fährt stolzer seinen Kühler durch die Gegend, bei so viel Pracht müssen selbst BMW 520i und Mercedes-Benz E 240 mit ihren Chromnasen passen.

Schon bei diesem Auftritt wird klar: Audi will es diesmal wissen, BMW und Mercedes-Benz auf kleiner Flamme grillen. Das fängt mit der schieren Größe an. Auf 4,92 Meter streckt er sich jetzt, das sind immerhin zehn Zentimeter mehr als bei der gewiss nicht gerade zierlichen E-Klasse. Das Raumangebot fällt entsprechend aus – riesig. Geräumig sind Fünfer und E-Klasse natürlich auch, vorn haben sie aber beide knapp das Nachsehen, im Fond ist überraschend der BMW um einen Hauch der Größte.

Unschlagbar aber ist dafür das gewaltige Gepäckabteil des Audi: 546 Liter schluckt er und empfiehlt sich damit für den Großeinkauf beim Metzger. Kaum weniger Wurstwaren passen in den BMW (520 Liter) und den Mercedes-Benz (540 Liter). Seinen Gourmet-Anspruch untermauert der Audi aber auch mit seiner edlen Inneneinrichtung. Hier geht es zu wie in einer zu heiß gewaschenen Version des feinen A8: nobles Material, makellose Verarbeitung, bildhübsche Instrumente. Okay, wir nähern uns hier dem Geschmacksbereich.

Technische Daten

Was dem einen sein Würstchen, ist dem anderen seine Nackenkarbonade. Serienmäßig fährt der A6 mit MMI-System vor, das Radio, Heizung, Telefon und Navigation steuert. Wie das oft geschmähte iDrive von BMW stammt auch MMI aus dem Computer-Zeitalter, lässt sich durch eindeutige Tasten und glasklare Menü-Führung aber viel besser bedienen. Und die brillante Optik ist ein Genuss. Etwas für Feinschmecker sind auch die Fahreigenschaften. Der A6 fährt sich leichtfüßig und handlich, die direkte Lenkung arbeitet präziser als etwa im Mercedes-Benz.

In schnellen Kurven schiebt der frontgetriebene Audi zwar etwas nachdrücklicher geradeaus als die heckgetriebenen BMW und Mercedes-Benz, unangenehm ist das jedoch nicht. Nur bei Nässe hat er manchmal Traktionsprobleme, dann muss halt die Elektronik einschreiten, dafür ist sie ja da. Die Kehrseite der straffen Abstimmung ist eine Federung, die nicht ganz den ausgesprochen hohen Komfort von BMW und Mercedes-Benz erreicht. Ein Unterschied wie, sagen wir, zwischen Steak well done und medium: Der eine mag es etwas saftiger, der andere eben etwas mehr durch.

Nichts anbrennen lässt auch der Motor. Dieser völlig neue 2,4-Liter-V6 mit 177 PS läuft sanft und leise, dreht im Vergleich am lebhaftesten und zieht mit Abstand am kräftigsten durch. Dabei grummelt er stets freundlich und angenehm heiser. Nach wie vor ein Genuss auch der BMW-Reihensechser. Der 2,2-Liter mit 170 PS läuft so unübertroffen seidig und kultiviert wie immer, zieht hier aber nicht – erlauben Sie mir das Wortspiel – die Wurst vom Teller. Dazu entfacht er bei niedrigen Touren zu wenig Feuer; wie kein anderer braucht er hohe Drehzahlen, um die Kohlen zum Glühen zu bringen.

Betriebskosten und Garantien

Man muss deshalb häufiger schalten, manchmal mehr, als einem lieb ist – beim Überholen auf der Autobahn zum Beispiel. Kein Problem eigentlich mit dem leichtgängigen Sechsganggetriebe, aber auch hier muss der BMW dem Audi den Vortritt lassen. Dessen Schaltung ist noch exakter und kürzer geführt. Die Stärke des 5ers liegt in seinem präzisen Handling. Er wirkt ausbalancierter und agiler als der A6, dirigiert von der feinfühligen, direkten Lenkung. Dazu rollt er geschmeidig ab, federt ausgewogen. Das passt zusammen wie ein kühles Pils zum Grill-Steak.

Weniger einhellig sind noch immer die Meinungen zum BMW-Design außen – aber auch im Cockpit. Das zerklüftete, unruhige Armaturenbrett gefällt nicht jedem, und bei der Materialauswahl hatten Mercedes-Benz- und Audi-Einkäufer offenbar höhere Ansprüche. Umstritten bleibt nach wie vor das iDrive-System. Mit einigem guten Willen kann man sich natürlich daran gewöhnen. Und trotzdem könnte uns BMW wenigstens Vorwahltasten fürs Radio spendieren. Nur ein Beispiel ...

Experimente, nicht nur in dieser Beziehung, sind Mercedes-Benz eher fremd. Das gilt für das Design – die E-Klasse wirkt mit ihrer eleganten gestreckten Form angenehm zurückhaltend – und eben auch für die Bedienung. Die gibt überhaupt keine Rätsel auf. Und selbst das Comand-System (2900 Euro Aufpreis) lässt sich von Leuten beherrschen, die mit Computern nichts am Hut haben. Wie Computer, so ist auch Design eine Ware, die schnell verdirbt. Nun ist die E-Klasse weit davon entfernt, altbacken zu wirken, aber im Vergleich mit den neuen Grill-Freunden merkt man doch, dass der Mercedes-Benz bereits zwei Jahre alt ist. Das gediegene Cockpit etwa ist uns so vertraut, als würden wir es seit langem kennen.

Preise und Ausstattungen

Bewährt hat sich zudem der 2,6-Liter-V6 mit 177 PS, der sich hier tapfer schlägt. Er klingt zwar besonders beim Ausdrehen merklich angestrengter als die anderen und läuft auch nicht ganz so gepflegt. Aber er nimmt dem BMW schon beim Sprint ein paar Zehntel ab und fährt ihm beim Durchzug regelrecht davon. Dem Audi kann er jedoch nicht folgen, auch die Schaltung erreicht dessen Präzision nie.

Im direkten Vergleich mit dem taufrischen A6 und dem 520i fährt sich der E 240 sogar fast etwas behäbig, was auch an der weniger direkten Lenkung liegt. Insgesamt zeigt die E-Klasse ein abgeklärtes, unaufgeregtes Wesen, bleibt in kniffligen Situationen stoisch in der Spur und federt höchst komfortabel. Über die Probleme mit der Mercedes-Bremse wurde mittlerweile viel geschrieben. Wie dem auch sei: Im Testwagen funktionierte sie tadellos, erreichte aber die überragende Verzögerung des BMW nicht.

Wie beim Grillen kommt auch hier das Unangenehmste zum Schluss: Es war lecker, aber wer zahlt den teuren Braten? Die deutsche Oberklasse gibt es nicht beim Discounter an der Theke. Der A6 2.4 ist mit 33.000 Euro noch der Günstigste – wie gesagt, Audi will es wirklich wissen. BMW ruft für den 520i nicht wirklich schmackhafte 35.500 Euro auf, und der E240 kostet mit 38.338 Euro am meisten. Am besten schmeckt er deshalb noch lange nicht.

Fazit und Bewertung

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Dirk Branke Fisch oder Fleisch, Schwein oder Rind? Das ist, na klar, wie immer eine Frage des Geschmacks. Genauso sieht das hier bei Audi, BMW und Mercedes-Benz aus: Die drei treffen sich auf derart hohem Niveau, dass am Ende die ganz persönlichen Vorlieben über Sieg und Niederlage entscheiden. Trotzdem gibt es einen Sieger, und der heißt A6. Audi fährt an die Spitze. Mit viel Platz, kräftigem Motor, agilem Fahrverhalten und einem vergleichsweise günstigen Preis. BMW trumpft vor allem mit famosem Fahrwerk und großartigen Bremsen auf, Mercedes-Benz sammelt mit seiner Ausgeglichenheit unermüdlich Punkte. Am liebsten würden wir es wie beim Grillabend machen: Einfach alles mal probieren ...

Autor: Dirk Branke

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