Audi A6 3.2 gegen Mercedes-Benz E 320

Audi A6 3.2 gegen Mercedes-Benz E 320 Audi A6 3.2 gegen Mercedes-Benz E 320

Audi A6 3.2 gegen Mercedes-Benz E 320

— 08.04.2004

Auf einer Höhe mit dem Stern?

Jeder sieht es: Der neue A6 hat deutlich an Format gewonnen. Doch was steckt hinter dem großen Auftritt – vor allem, wenn der Gegner E 320 heißt?

Der Leistungsvergleich geht an Audi

Durch Deutschland zieht sich ein ewiger Spannungsbogen. Er heißt: Wer behält die Nase vorn – Audi, BMW oder Mercedes-Benz? Ein Wettbewerb zugunsten des Kunden, des lachenden Vierten. Denn bei jedem Modellwechsel hat jeder Hersteller die Chance, seine Konkurrenten mal wieder zu überflügeln.

So jetzt der neue Audi A6. Ein Straßenkreuzer von nunmehr 4,92 Meter Länge, was einem Zuwachs von rund zwölf Zentimetern entspricht. Noch mal so viel, und er müsste sich an der Mercedes-Benz S-Klasse messen lassen.

Noch aber ist der 4,82-Meter-E-320 das Maß des Trios, immerhin hat er im letzten Jahr den ersten Vergleich gegen den taufrischen 5er-BMW gewonnen. Logischerweise muss der E 320 nun gegen den A6 antreten. Die Fakten: Zweimal 3,2 Liter Hubraum, zweimal in V6-Form gepackt; der Mercedes-Benz macht daraus 165 kW/224 PS sowie 315 Newtonmeter bei 3000 Touren, der Audi 188 kW/255 PS und 330 Nm bei 3250 Touren. Damit hat der Ingolstädter mit seinem FSI-Motor schon mal die große Nase vorn. Auch geben sich beide Motoren mit 95-Oktan-Super zufrieden. Dank Klopfsensoren könnten sie aber auch mal an der Normal-Säule zapfen.

Gänsehaut-Tonleiter rauf und runter

Was verbirgt sich noch hinter dem vierfach beringten Scheunentor-Grill? Vor allem eine eindrucksvolle Akustik. Der A6 dreht mit 7200 Touren bis weit in den roten Bereich hinein und fährt dabei mit nie gekannter Virtuosität die Gänsehaut-Tonleiter rauf und runter. Der Mercedes-Benz hingegen wirkt weniger sportlich und eher angestrengter, dafür schont er die Ohren der Insassen. Und Passanten profitieren von dem vier Dezibel niedrigeren Außengeräusch, was subjektiv einer Halbierung gleichkommt.

Dennoch: Wer sich ein Gefühl für Fahrspaß konserviert hat, der kommt bei diesem Duo voll auf seine Kosten. Mal wie in einem standfesten Sprinter (Audi), mal als durchtrainierter Dauerläufer.

Einfach so auf die Straße losgelassen, macht der Audi die bessere Figur: Die Lenkung ist etwas präziser als bei Mercedes-Benz, der Wagen will in schnellen Kurven leicht geradeaus und schwenkt beim Gaswegnehmen sanft hinten herum. Die Schleuderbremse ESP greift erst dann ein, wenn Normalfahrer schon längst vom Gas gegangen sind.

Starke Bremsen in der E-Klasse

Nervös wird der Audi lediglich beim strammen Anfahren: Wie zu alten Zeiten meldet sich der Vorderwagen mit einem leichten Schüttel-(Bonanza-)Effekt. Grund: eine etwas zu weiche Motoraufhängung, deren eigentliche Aufgabe es ist, Schwingungen von den Insassen fern zu halten. Spätestens wenn der frontgetriebene A6 auch mit Automatik zu haben sein wird (ab Anfang nächsten Jahres), dürfte diese Unart verschwunden sein.

Den Mercedes-Benz gibt es automatisch mit dem Selbstschalter, eine Kupplung würde auch nicht zum Charakter des E 320 passen. In schnell gefahrenen Kurven drängt das Heck leicht weg, das sanft bremsende ESP bringt den Wagen in aller Regel schnell wieder auf den richtigen Pfad zurück. Doch Vorsicht: ESP kann immer nur korrigieren, nicht überschüssiges Tempo abbauen.

Womit jetzt das mittlere Pedal dran ist. Hier sammelt der E 320 volle Punktzahl dank seiner extrem guten SBC. Diese mitdenkende Bremse errechnet für jedes Rad die erforderliche Bremskraft, was in der Praxis zu sehr guten Werten von nicht mal 36 Metern führt. Heißt für die Praxis: Hinter einer E-Klasse sollte man ehrfürchtig etwas mehr Abstand halten.

Fahrkomfort und Cockpitbedienung

Über alle Kritik erhaben ist der Fahrkomfort: Wie eine S-Klasse bügelt der E 320 frostbrüchige Fahrbahnen glatt, der Audi hüpft hier schon mal unruhiger von einem Dämpfer auf den anderen. Auch seine (sonst hervorragenden) Sitze vermögen nicht alle Steißbein-Stöße wegzufiltern.

Einen richtigen Tritt dorthin verdienen aber die Audi-Armaturenbauer, sagen jetzt die konservativen Tester der Redaktion. Nein, das neue "Infotainment/MMI" ist die Zukunft!, jubelt die AUTO BILD-Chip-Generation und setzt sich bei der Benotung durch. Zugegeben: Hier ist alles viel einfacher und klarer als beim viel geschmähten iDrive von BMW. Die Praxis wird zeigen, wie viele Käufer wirklich die 346 Seiten der MMI-Anleitung durchackern.

Auch die Feststellbremse von der Größe eines Fensterheber-Schalters ist ein Novum. Dreieinhalb Seiten der Bedienungsanleitung sind ihrer Funktion gewidmet. Ach wie einfach war vordem – der Griff zum Handbremshebel. Und in den Geldbeutel. Denn das muss klar sein: Hightech gibt es nicht zum Discount-Tarif. Aber wenn die Langzeit-Qualität stimmt, könnten A6 und Co wieder eine neue Seite des "made in Germany" aufblättern. Verdient hätten sie es.

Technische Daten und Testwerte

Glanz-Bremsleistung für den Mercedes-Benz. Dank elektronischer Helfer kommt der E 320 mit kalter (35,8 m) und warmer (35,9 m) Bremse jeweils 2,10 Meter früher zum Stehen als der ebenfalls souverän verzögernde Audi.

Kosten und Ausstattungen

So sollte es auch mal in den kleineren Klassen sein: Fast überall steht S wie Serie. Der Audi sammelt wegen seines niedrigeren Grundpreises wertvolle Punkte, ihn gibt es zunächst nur mit MMI.

Fazit und Wertung

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Diether Rodatz Erster Eindruck: Das wird ein gaaanz knappes Ergebnis, Vorhersagen wagte kein Redaktionsmitglied. Dann stellte sich Verblüffung ein, wie gut sich der Mercedes-Benz E 320 (sagenhafte Bremse!) schlägt. Letztlich siegt der deutlich preiswertere Audi A6 ganz knapp, aber verdient. Ein kleines Fragezeichen bleibt hinter dem Allradantrieb. Ein A6 quattro hat das Zeug, den Mercedes-Benz deutlicher zu distanzieren.

Wobei wir immer im Hinterkopf haben sollten, dass mit Autos dieser Preisklasse das mobile Maximum näher kommt: Komfort-Verliebtheit ohne Ende, Fahrleistungen auf Nürburgring-Niveau und das Ganze bei Verbräuchen, mit denen vor Jahren 40-PS-Käfer-Fahrer (zumindest im Winter) rechnen mussten. Ob die (Audi-)Infotainment-Ideen letztlich nicht übers Ziel hinausschießen, das muss die Kundschaft entscheiden.

Audi A6 oder E-Klasse – Ihr Urteil

Ob ein Auto letztlich ankommt, wissen nur die Verbraucher selbst – also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig. Vergeben Sie eigene Noten für Audi A6 3.2 und Mercedes-Benz E 320. Den Zwischenstand sehen Sie direkt nach Abgabe Ihrer Bewertung.

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.