Audi A6/BMW 5er/Mercedes E-Klasse: Test

— 08.04.2011

Drei aus gutem Hause

Der Stammbaum von Mercedes E-Klasse und BMW 5er reicht weit in die Oberschicht zurück. Der Audi A6 ist dort nicht ganz so tief verwurzelt – doch er gehört unbedingt dazu. Der erste Vergleich zeigt, ob zu Recht.

Hätte vor ein paar Monaten jemand behauptet, Baden-Württemberg würde bald von einem Grünen regiert – jeder hätte nur müde gelächelt. Hätte vor 30 Jahren jemand orakelt, die Oberklasse würde mal von einem Audi angeführt – alle hätten sich gebogen vor Lachen. Besonders laut hätten die Stuttgarter und die Münchener gewiehert. Tja, alles Geschichte. Audi ist längst auf Augenhöhe mit Mercedes und BMW. Das gilt besonders für den neuen A6. Im ersten Fahr-Vergleich ohne Messdatenermittlung (A6 3.0 TDI gegen BMW 530d) konnte der Ingolstädter den Klassen-Maßstab aus München sogar überflügeln. Das Fazit lautete: Der Audi geht mit Luxus, Leistung und Sportlichkeit in Führung.

Überblick: Alle News und Tests zum Audi A6

Video: Audi A6

Audi A6 im Vergleich

Aber jetzt werden alle Werte gemessen. Wir testen die drei Kandidaten aus gutem Hause – diesmal als Sechszylinder-Benziner. Zumindest bei den starken Motorisierungen gilt: Audi ist immer auch quattro. Entsprechend treffen die 300 PS des 3.0 TFSI grundsätzlich auf den Allradantrieb mit variabler Kraftverteilung. Gleichzeitig liefern die Ingolstädter die Limousine ab Werk mit Automatik aus. Die 51.600 Euro Grundpreis für den 3.0 TFSI S tronic sind somit fest gesetzt. Anders bei Mercedes und BMW. E-Klasse und 5er fahren per se mit Hinterradantrieb, der 535i an der Basis sogar nur mit Sechsgangschaltung. Wer mehr will, muss nachzahlen: Bei BMW summieren sich Grundpreis und xDrive inklusive Achtstufenautomatik auf 55.700 Euro, Mercedes verlangt für einen E 350 4Matic mit 7G-Tronic ab 54.829 Euro. Luftfedern und die Ausstattungslinie Avantgarde schlagen zusätzlich mit rund 6500 Euro zu Buche. Aber der Preisvorteil des A6 relativiert sich etwas beim Blick auf die Ausstattung. Mercedes hat dem Audi ein üppigeres Sicherheitspaket und einen Hauch mehr Luxus voraus.

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Video: Mercedes-Benz E Klasse

E-Klasse im Vergleich

Dabei dürfen E-Klasse-Fahrer im Falle eines Falles auf einen Knieairbag und den Müdigkeitswarner Attention Assist bauen, Kleinigkeiten wie der automatisch abblendende Innenspiegel sind ab Werk an Bord. Dennoch: Das günstigste Angebot in diesem Vergleich kommt immer noch aus Ingolstadt. Die drei Testkandidaten bieten im Grunde alles, was die Oberklasse ausmacht. Platz satt, reichlich Luxus und bequeme Sitze in beiden Reihen. Allerdings: Die E-Klasse lässt Passagieren rundum einige zusätzliche Zentimeter Raum. Auch geht ein Täschchen mehr Gepäck hin ein – so fasst der Kofferraum mindestens 540 Liter, Audi und BMW warten mit 530 und 520 Liter Fassungsvermögen auf. Überhaupt fühlt sich der Benz innen luftiger an, dank aufrechter Front- und breiter Heckscheibe lässt sich die E-Klasse zudem beim Rangieren besser abschätzen. Der 5er hat gemessen nur minimal weniger Platz, engt aber speziell die Passagiere im Fond gefühlt stärker ein.

Ein Audi glänzt ja gewöhnlich mit erstklassiger Verarbeitung – dieser hier nicht überall. Der eingefahrene Zentral-Bildschirm hängt leicht schief in seinem Schacht, die Aschenbecherblende schließt nicht perfekt, am Heck zeigen sich zwischen Stoßfänger und Heckdeckel ungewohnt große Fugen. Und bei hohem Tempo saugt der vorbeizischende Fahrtwind die Türdichtungen aus dem Falz, so dass es vernehmlich wimmert. In Anbetracht der fast 80.000 Euro, die der üppig ausgestattete Testwagen kostet, sind wir doch ein wenig erstaunt. Unterhalb von Tempo 230 gibt die A6-Karosserie allerdings keine fiesen Geräusche von sich. Höchstens hebt der Motor die Stimme. Im positiven Sinne. Ein Kompressor pumpt Extra-Luft in das ab 4000 Touren kernig sägende TFSI-Aggregat – entsprechend schwungvoll geht der V6 zur Sache.

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Video: BMW 5er

5er BMW im Vergleich

Er zieht satt aus dem Keller, dreht danach gleichmäßig hoch. Gangwechsel erfolgen ruckfrei (klar, Doppelkupplung!), aber nicht immer ruck, zuck. So nimmt der A6 beim Kickdown aus der siebten Fahrstufe heraus verzögert und unharmonisch Fahrt auf. Beim Anfahren nervt gelegentlich ein ruppiges Einrücken der Kupplung. Souverän geht anders. Den (trotz 350 Nm Drehmoment) vergleichsweise durchzugsschwachen Mercedes lässt der Audi dennoch eiskalt stehen. Zumal die 7GTronic der E-Klasse patzt, nur unwillig im manuellen Modus läuft und hohe Gänge allenfalls beim sanften Beschleunigen hält – ein Tick zu viel Gas hat stets aufgeregtes Herunterschalten zur Folge. Den schwereren BMW kann der schnelle Audi dagegen kaum abschütteln. Dessen drehfreudigeren Reihensechser befeuert ein schnell ansprechender Twinscroll-Turbo – so stehen beim 535i beeindruckende 400 Nm Drehmoment schon ab 1200 Umdrehungen bereit. Dazu schaltet die Achtstufenautomatik perfekt, glänzt mit fein dosierbarem Wandler-Antritt. Besser geht es nicht.

Das gilt auch für die Federung. Der 5er schluckt nahezu alles, zittert nur gelegentlich über die Vorderachse nach, verwöhnt die Passagiere im Komfortmodus des adaptiven Fahrwerks mit sanftem Durchschwingen à la Luxussänfte. Der Mercedes taucht auf extrem schlechten Straßen ebenfalls weich und weit genug ein – allerdings neigt sich die Karosserie stärker. Der Lenkung der E-Klasse fehlt zudem Genauigkeit und Gefühl – der leise Komfortgleiter empfiehlt sich aber für Langstrecken. Der Audi stolpert dagegen über seine steife Bereifung. Querfugen ignoriert der A6, ständig prallen die 19-Zöller hörbar gegen unsichtbare Kanten. Und ernsthaft schlechte Straßen strapazieren die Fahrwerkabstimmung, dann zappelt die Limousine unwürdig über den Asphalt. Hier ist Audi eindeutig zu sportlich eingestellt. Mehr als BMW sogar. Die Zeiten ändern sich eben. Und das nicht nur in Baden-Württemberg.
Fahrzeugdaten Audi BMW Mercedes
Motor V6, Kompressor, vorn längs Reihensechszyl., Turbo, vorn längs V6, vorn längs
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/4 4 pro Zylinder/2 4 pro Zylinder/4
Nockenwellenantrieb Kette Kette Kette
Hubraum 2995 cm³ 2979 cm³ 3498 cm³
kW (PS) bei 1/min 220 (300)/6500 225 (306)/5800 200 (272)/6000
Nm bei 1/min 440/2900 400/1200 350/2400
Vmax 250 km/h 250 km/h 250 km/h
Getriebe Siebengang-S tronic Achtstufenautomatik Siebenstufenautomatik
Antrieb Allradantrieb Allradantrieb Allradantrieb
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Scheiben Scheiben/Scheiben Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung 255/40 R 19 Y 245/45 R 18 Y 245/45 R 17 W
Radgröße 8,5 x 19" 8 x 18" 8 x17"
Abgas CO2 190 g/km 189 g/km 226 g/km
Verbrauch* 10,8/6,6/8,2 l 10,9/6,5/8,1 l 13,6/7,3/9,6 l
Tankinhalt 75 l/Super 70 l/Super 80 l/Super
Vorbeifahrgeräusch 72 dB (A) 71 dB (A) 71 dB (A)
Anhängelast gebr./ungebr. 2100/750 kg 2000/750 kg 2100/750 kg
Kofferraumvolumen 530 l 520 l 540 l
Preis (wird bewertet) 57.720 Euro** 59.750 Euro*** 60.363 Euro****
*innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km; **inkl. Xenon Plus 1180 €, Dämm-/Akustikglas 1190 €, Luftfederung 1950 € und 19-Zoll-Bereifung für 1800 €; ***inkl. Sport-Automatik 150 €, Adaptiv Drive 3000 € und 18-Zoll-Bereifung für 900 €, ****inkl. Avantgarde-Paket 3511 € und Luftfederung für 2023 €
Messwerte Audi BMW Mercedes
Beschleunigung
0–50 km/h 2,0 s 2,3 s 2,4 s
0–100 km/h 5,7 s 6,1 s 6,9 s
0–130 km/h 8,8 s 9,5 s 10,7 s
Zwischenspurt
60–100 km/h 3,0 s 3,2 s 3,5 s
80–120 km/h 3,8 s 4,0 s 5,0 s
Leergewicht/Zuladung 1888/462 kg 1970/410 kg 1870/460 kg
Gewichtsverteilung v./h. 56/44 % 52/48 % 54/46 %
Wendekreis links/rechts 12,1/12,1 m 12,0/12,3 m 11,5/11,6 m
Bremsweg
aus 100 km/h kalt 36,0 m 36,0 m 38,7 m
aus 100 km/h warm 34,7 m 36,3 m 37,5 m
Innengeräusch
bei 50 km/h 56 dB (A) 55 dB (A) 56 dB (A)
bei 100 km/h 65 dB (A) 65 dB (A) 66 dB (A)
bei 130 km/h 71 dB (A) 70 dB (A) 71 dB (A)
Testverbrauch – CO2 10,6 l S – 251 g/km 10,6 l S – 251 g/km 11,2 l S – 265 g/km
Reichweite 700 km 660 km 710 km

Jan Horn

Jan Horn

Fazit

Der A6 gewinnt diesen Vergleich, weil er schneller, fahraktiver und sogar ein ganzes Stück günstiger ist als seine Mitbewerber. Der Verbrauch zeigt zudem, dass Audi (wie BMW) ein intelligentes Konzept auf die Räder gestellt hat. Aber der Sieg geht mit Charakterschwächen einher. So würdevoll und umsichtig wie der 5er kann der A6 nie auftreten. Und an die Sicherheitsreserven der E-Klasse wird er so kaum heranreichen. Dennoch: Die neue Ingolstädter Oberklasse hat sich sauber empfohlen. 

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