Audi A6/Lexus GS: Vergleich
— 08.01.2013Die Letzten ihrer Art
Alle reden vom Turbo. Doch was ist mit dem klassischen Benziner ohne Aufladung? Den gibt es in Audi A6 und Lexus GS – als Sechszylinder.
Überblick: Alle News und Tests zum Lexus GS
Überblick: Alle News und Tests zum Audi A6
Vorn zwingt der Lexus groß gewachsene Fahrer zu einer leicht froschartigen Haltung. Die Lehnen der Sitze sind selbst in ihrer steilsten Position zu stark geneigt. Dafür reisen seine Passagiere hinten bequemer, da die Rücksitze im A6 zu aufrecht stehen und den Körper seitlich schlechter stützen. Das Cockpit verrät die größere ergonomische Sorgfalt der Audi-Innenarchitekten. Zwar besticht das Bedienkonzept des Lexus durch genial einfache Handhabung. Das "Remote Touch"-Modul auf dem Mitteltunnel funktioniert ähnlich wie eine PC-Maus und hüpft mit einem Cursor treffsicher über die Bildschirm-Icons. Mit etwas Fingerspitzengefühl ist die Ablenkung sogar geringer als beim Audi, dessen hinter dem Wählhebel gruppierte Tasten den Piloten immer wieder zwingen, den Blick kurz von der Straße abzuwenden – etwa wenn er vom Radio- in den Navi-Modus wechseln will. Die Menüstrukturen wirken im Japaner aber weniger logisch. Zudem kultiviert der Lexus hartnäckig die für die Marke schon typische Untugend, Schalter und Knöpfe wirr im Cockpit zu verstreuen. So findet sich beispielsweise die Deaktivierungstaste für die Parkpiepser nach langem Suchen unter der Mittelarmlehne. Und den elektronischen "Handbremshebel" ertastet der Pilot im Tiefparterre knapp über seinem rechten Knie.Schlüssel umdrehen (oder Knöpfchen drücken, denn im Lexus kann er in der Tasche bleiben) – und los! Die Designer behaupten: Beim Lexus zeichnet die Form des Kühlergrills die Silhouette eines "Diabolo" genannten Luftgewehrgeschosses nach. Allerdings sind die Fahrleistungen, zu denen sich sein Sechszylinder aufschwingt, weder teuflisch noch ballistisch. Statt sich ins Zeug zu legen, kuschelt der 2,5 Liter große Direkteinspritzer lieber mit der sanften, aber trägen Sechsstufenautomatik. Wer ihm auf den Pinsel tritt, weckt zwar die Lebensgeister. Dennoch wirkt der japanische V6, auch seiner trompetenden Akustik wegen, stets ein wenig angestrengt.
Überblick: Alle News und Tests zu Audi und Lexus
Der 2,8-Liter von Audi hinterlässt einen deutlich aufgeweckteren Eindruck. Auch wenn er bei den gemessenen Sprints die Nase nur knapp vorn hat – bei flottem Autobahntempo sieht der Lexus gegen ihn kein Land. Zudem wird er zu keinem Zeitpunkt vorlaut. Überraschend harmonisch klappt die Zusammenarbeit mit der stufenlosen Multitronic. Früher litt das Getriebe, bei dem eine über zwei gegeneinander verschiebbare Kegelradpaare ablaufende Laschenkette eine unendliche Zahl von Übersetzungen ermöglicht, unter dem Gefühl, mit rutschender Kupplung zu fahren. Den Effekt der beim Gasgeben hochschnellenden Drehzahl und der hinterherlaufenden Beschleunigung haben die Audi-Ingenieure inzwischen fast vollständig beseitigt. Selbst die Traktion ist für einen Fronttriebler beachtlich. Nur bei forschem Gasgeben oder auf glatter Straße ringen die Vorderräder um Haftung. Beim Verbrauch (Testwert 8,6 Liter pro 100 km) fährt der A6 einen erklecklichen Vorsprung heraus: 0,9 Liter weniger als der Lexus – das hilft der Umwelt, spart alle 100 Kilometer mehr als 1,30 Euro, schont das Punktekonto, und zeigt zudem: Ein modernes Auto kann auch ohne Turbo sparsam sein.Lenkung und Fahrwerk merkt man an, dass die Lexus-Entwickler bei der deutschen Oberklasse Maß genommen haben. Das GS-Steuer steht dem des Audi in puncto Feingefühl und Feedback nicht nach. Lediglich beim Komfort profitiert der A6 spürbar von der im Testwagen verbauten Luftfederung (1950 Euro), die Fahrbahnschäden gekonnt ausblendet und unerwünschte Karosserieschwingungen auf ein Mindestmaß begrenzt. Lexus-Passagiere, die serienmäßig auf adaptiven Dämpfern reisen, haben indes nicht wirklich Grund zur Klage. Auch das GS-Fahrwerk verbindet kurvenfeste Straffheit mit bekömmlicher Abrollgüte, bügelt Unebenheiten aber dennoch etwas stumpfer glatt. Auf der Bremse ist der Japaner ebenfalls schwächer: Wer bei 100 km/h voll in die Eisen geht, steht im GS erst über einen Meter später.
Ohne Hybrid kann der GS seinen Triumph also nicht wiederholen. Nicht zuletzt deswegen, weil er auch im Kostenkapitel alt aussieht: Schnellerer Wertverfall, teure Versicherungsbeiträge und unzeitgemäß kurze Wartungsintervalle vermasseln ihm die Tour.
| Fahrzeugdaten | Audi | Lexus |
|---|---|---|
| Motor | V6, vorn längs | V6, vorn längs |
| Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/4 | 4 pro Zylinder/4 |
| Nockenwellenantrieb | Kette | Kette |
| Hubraum | 2773 cm³ | 2500 cm³ |
| kW (PS) bei 1/min | 150 (204)/5250 | 154 (209)/6400 |
| Nm bei 1/min | 280/3000 | 253/4800 |
| Vmax | 240 km/h | 225 km/h |
| Getriebe | Achtstufen-Multitronic | Sechsstufenautomatik |
| Antrieb | Vorderradantrieb | Hinterradantrieb |
| Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben | Scheiben/Scheiben |
| Testwagenbereifung | 245/45 R 18 Y | 235/45 R 18 Y |
| Reifentyp | Pirelli P Zero Dunlop SP | Sport Maxx 050 |
| Radgröße | 8 x 18" | 8 x 18" |
| Abgas CO2 | 172 g/km | 209 g/km |
| Verbrauch* | 9,6/6,1/7,4 l | 12,5/7,0/9,0 l |
| Tankinhalt | 75 l/Super | 66 l/Super |
| Vorbeifahrgeräusch | 70 dB (A) | 69 dB (A) |
| Anhängelast gebr./ungebr. | 1900/750 kg | 1600/750 kg |
| Kofferraumvolumen | 530 l | 566 l |
| Länge/Breite/Höhe | 4915/1874–2086**/1455 mm | 4850/1840–2095**/1455 mm |
| Preis (wird bewertet) | 49.215 Euro*** | 50.750 Euro |
| *innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km; **Breite inklusive Außenspiegeln; ***inklusive Dämmglas 1190 €, Sportsitzen 635 €, 75-l-Tank 110 €, Luftfederung 1950 €, Xenonlicht 1180 € und 18-Zoll-Bereifung 1600 € | ||
| Messwerte | Audi | Lexus |
|---|---|---|
| Beschleunigung | ||
| 0–50 km/h | 3,2 s | 3,0 s |
| 0–100 km/h | 8,5 s | 8,9 s |
| 0–130 km/h | 13,4 s | 14,2 s |
| Zwischenspurt | ||
| 60–100 km/h | 4,4 s | 4,9 s |
| 80–120 km/h | 5,6 s | 6,2 s |
| Leergewicht/Zuladung | 1718/472 kg | 1660/510 kg |
| Gewichtsverteilung v./h. | 56/44 % | 53/47 % |
| Wendekreis links/rechts | 12,1/12,1 m | 11,2/11,3 m |
| Bremsweg | ||
| aus 100 km/h kalt | 36,5 m | 37,5 m |
| aus 100 km/h warm | 37,5 m | 38,7 m |
| Innengeräusch | ||
| bei 50 km/h | 57 dB (A) | 56 dB (A) |
| bei 100 km/h | 64 dB (A) | 65 dB (A) |
| bei 130 km/h | 68 dB (A) | 68 dB (A) |
| Testverbrauch – CO2 | 8,6 l S – 205 g/km | 9,5 l S – 226 g/km |
| Reichweite | 870 km | 690 km |
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Kommentare zum Artikel (11)
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Es sei allerdings nicht verschwiegen, dass die so hochgelobten Direkteinspritz-Auflade-Benziner ein riesiges Problem haben, welches eigentlich dem Diesel vorbehalten war: krebserregenden Feinstaub. Und von Partikelfiltern bei Benzinern hat, wo sie schon bei den Dieseln nicht alles filtern, noch niemand etwas gehört.
Somit lobe ich mir Hersteller, die das noch ohne Aufladung und Direkteinspritzung schaffen!
@ckingpin:
Ich glaube ja eher, dass man bei Toyota einfach keine Dieselmotoren jenseits der 177PS, wie sie auch beim IS eingesetzt wurden, zur Verfügung hat. 177PS würden sicher für den GS ausreichen, "standesgemäß" wäre das aber nicht, zumal die deutsche Konkurrenz in dem Bereich ungleich besser aufgestellt ist. Ich kann mir vorstellen, dass man sich dann dachte, dass man lieber keinen Diesel anbietet als nur einen einzigen mit 177PS (da fangen die Diesel beim A6 "erst" an, beim 5er BMW bei 184, nur bei der E-Klasse beginnts mit einem 136PS-Spardiesel). Außerdem will Toyota/Lexus ja den Hybrid verkaufen, ein Diesel würde dem wohl im Wege stehen. Und dann kommt da noch die Sache mit dem Saubermann-Image. Es bleibt abzuwarten, ob sich bzgl. Diesel bei Toyota und Lexus noch was tut.
@b7surfer
Ich bin völlig bei Ihnen,dass Deutschland nicht der Nabel der Welt ist - aber warum baut Toyota zig Lexusforen, die kaum Besucher geschweige Käufer haben?
Ich halte es für inkonsequent und sogar intolerant, den Kundenbedarf zu ignorieren. Dann soll man doch lieber in USA/ Kanada, Russland etc. bleiben und die Toyotaflotte adäquat ausstatten. Der neue Avalon oder auch der überarbeitete Camry täten es auch. Gerade der Avalon könnte sich hier gut für 35-50 TEUR verkaufen. Statt Lexus hinzustellen, die nur rumstehen
@ Velocity: nicht nur AB behauptet, dass der 250 ein Säufer ist... ich bin den 450h gefahren, wirklich gutes Auto - mit einigen nicht nachvollziehbaren Irritationen...
Auch ohne den Test gelesen zu haben steht mein Sieger fest. Es ist natürlich der Lexus!
Schon die Tatsache das der Japaner KEINE typische Außendienstlerdieselkarre ist, finde ich ausgesprochen sympathisch!
Die Normwerte sind auch bei Audi - dem Dauerwerbekunden hier - nicht zu erreichen. Die ellenlange Aufpreisliste tut sein Übriges.
Die Fahrleistungen sind okay, aber auch nichts dolles. Da komme ich mit meinem V70 D5 auch ran und habe sogar noch mehr Nutzwert fürs Geld bekommen...