Fahrbericht Audi A8 L 6.0 quattro

Audi A8 L 6.0 quattro Audi A8 L 6.0 quattro

Audi A8 L 6.0 quattro

— 06.02.2004

Audi gewinnt nicht nur Gesicht

Audis Flaggschiff steht der Erfolg deutlich ins Gesicht geschrieben. Auch weil unter der aufregenden Aluhülle ein mächtiger W12 mit 450 PS steckt.

Heiß auf die Krone der Luxusklasse

Große Schnauze und ... vier Ringe dahinter. Eine Erfolgsformel, die zuletzt vor 65 Jahren aufging. Damals siegte Tazio Nuvolari beim Großen Preis von Jugoslawien in einem Auto Union Typ D. Markantestes Merkmal des sächsischen Silberpfeils war neben einem potenten Motor (420 PS aus drei Liter Hubraum) vor allem die Fahrzeugfront mit einem Maul, so groß und gierig, als wolle es die Straße fressen.

Ein Unternehmen, das die Marke mit den vier Ringen jetzt erneut ins Rollen bringt. Mit dem Unterschied, dass es diesmal keine Siegerpokale, sondern die Krone der Luxusklasse zu gewinnen gilt. Mit seinem riesenhaften Plakettengrill unterstreicht der Audi A8 6.0 quattro dabei nicht nur seinen Führungsanspruch als Herr der Ringe, er gibt auch die Designrichtung für alle kommenden Audi-Modelle vor. Als nächstes zu sehen am A6 auf dem Genfer Salon im März 2004.

Im A8 mit Zwölfzylinder konnten wir die Wirkung der forschen Formensprache schon jetzt ausprobieren. Und unter uns gesagt: Wen dieser Grill-Meister kalt lässt, der hält die Reeperbahn auch für einen Regionalzug. Wo die Sechs- und Achtzylinder-Modelle eher unscheinbares Understatement pflegen, macht der W12 ganz ungeniert auf Chef. Dynamisch, durchsetzungsfähig, dominant – übersehen lässt sich der Top-Audi jedenfalls nicht. Wo dieses Gesicht im Rückspiegel auftaucht, entdeckt selbst der sturste Staumacher die völlig freie Fahrbahn rechts neben sich.

Ultrakompakter W12 erfüllt Euro 4

So viel zum Schein. Kommen wir zum Sein – und das steht der Optik in nichts nach. Hinter der mächtigen Maske des Ober-Audi wartet der überarbeitete W12-Motor darauf, uns auch die letzte Müdigkeit aus dem Hirn zu pusten.

Im Kern bleibt das Alutriebwerk dabei unverändert. Motto: Never change a winning team. Zwei VR6-Motoren mit einem Zylinderwinkel von gerade mal 15 Grad verbinden sich im Winkel von 72 Grad zum ultrakompakten W12-Block. Bohrung und Hub bleiben mit 84 x 90,2 Millimetern ebenfalls unangetastet, die insgesamt vier Nockenwellen für Ein- und Auslass lassen sich wie gehabt kontinuierlich verstellen.

Also alles beim Alten? Keinesfalls. Über die Änderungen am 6,0-Liter des Jahrgangs 2004 ließen sich ganze Romane schreiben. Hier nur das Wichtigste in Kürze: Wo der alte A8 aus Platzgründen eine Trockensumpfschmierung erforderte, tut es jetzt der Nasssumpf. Heißt: Das Öl schwimmt in der Wanne unter dem Motor. Das Kurbelgehäuse wurde so tief greifend überarbeitet, dass es als neu gelten kann. Dazu die Abgasanlage mit vier motornahen Katalysatoren modifiziert – womit der W12 Euro 4 statt D4/Euro 3 erfüllt.

Sechstufenautomatik agiert butterweich

Auf Diät wurden Kolben und Pleuel gesetzt; der Kolbenbolzen ist jetzt dünner, der Kolben kürzer. Ergebnis des Gewichtsgeizes: Die Nenndrehzahl klettert um 200 auf 6200 Umdrehungen pro Minute, die Leistung steigt auf 450 (vorher 420) PS, das Drehmoment liegt jetzt bei 580 (bisher 550) Newtonmetern. Nackte Zahlen, die auf der Straße manchen Sportwagenfahrer in die Depression treiben. Während der säuselnde Sound des Zwölfzylinders (wie es sich in der feinen Gesellschaft gehört) nur unter Volllast sportliche Ambitionen verrät, versteckt der Motor seine Muckis nicht eine Sekunde. Die von uns gefahrene Langversion braucht keine halbe Minute bis zur elektronisch eingebremsten Spitze von 250 km/h, schafft den Sprint bis 200 km/h in 17,4 Sekunden und fliegt in beeindruckenden 5,2 Sekunden auf Tempo 100.

Als perfekter Partner erweist sich dabei die blitzschnell und butterweich agierende Sechsstufenautomatik. Und wer es noch zügiger mag: Der normale A8 6.0 (Sportfahrwerk, kürzere Achsübersetzung) kann alles noch ein paar Zehntel schneller.

Dabei spielt das kolossale W12-Kraftwerk schon mit dem 5,19 Meter langen und zwei Tonnen schweren Alu-Athleten wie die Katze mit der Maus. Spritzige Spontaneität, hellwaches Hochdrehen und druckvoller Durchzug verführen den Fahrer permanent zur Temposünde. Womit der ebenso piekfein wie perfekt eingerichtete Super-Audi nicht nur Führerscheine, sondern auch die Arbeitsplätze von Chauffeuren gefährdet. Jede Wette: Diesen Sportwagen in Nadelstreifen fahren Kanzler & Co am liebsten selber.

Technische Daten und Preise

Zumal der große Audi so flink und federleicht durch den Wahlkreis fegt, als sei Gerhard mit dem Touran von Doris unterwegs. Präzise Lenkung, permanenter Allradantrieb und (fast) perfektes Luftfederfahrwerk heißen die Zutaten, die den A8 L 6.0 so handlich und agil machen wie keine zweite Luxuslimousine. Hier liefert Audi ein fahrdynamisches Meisterstück, an dem sich selbst ein Maserati Quattroporte seinen schönen Dreizack verbiegen dürfte.

Die Kehrseite der Medaille: Der A8-Auftritt kostet mindestens 106.900, im Falle der Langversion sogar 117.000 Euro. Auch wenn dafür ein echter Traumwagen die Auffahrt ziert, hilft in diesem Fall ein pralles Bankkonto deutlich mehr als eine große Klappe.

Technische Daten Audi A8 L 6.0 quattro • W-Zwölfzylinder • 4 Ventile je Zylinder • Hubraum 5998 cm3 • Leistung 331 kW (450 PS) bei 6200/min • maximales Drehmoment 580 Nm bei 4000/min • Allradantrieb • Torsen-Mittendifferenzial • ESP • 6-Stufen-Tiptronic • Kofferraum 500 Liter • Tank 90 Liter • Länge/Breite/Höhe 5192/1894/1455 mm • Radstand 3074 mm • Reifen 255/45 R 18 Y • Leergewicht 1995 kg • Zuladung 550 kg • Spitze 250 km/h • 0–100 km/h 5,2 s • Verbrauch (EU-Mix) 13,8 l SP • Preis 117.000 Euro

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.