Audi allroad quattro 2.5 TDI

Audi allroad quattro 2.5 TDI Audi allroad quattro 2.5 TDI

Audi allroad quattro 2.5 TDI

— 12.02.2002

Big Brother

Der große Bruder des Avant: ein Bulle aus Bayern. Name: allroad quattro. Aufgabe: Vorfahrt in jedem Gelände. Ziel: Alleskönner. Gibt es sowas?

Nobel-Kombi mit Offroad-Fähigkeiten

Egal ob erschreckend perfekter Überwachungsstaat wie in George Orwells Roman "1984" oder beklemmend erfolgreicher Container-Zoo wie auf RTL 2: Big Brother sieht alles, weiß alles - kann aber längst nicht alles. Eine Lücke, die im automobilen Bereich nach Mercedes (M-Klasse) und BMW (X5) jetzt auch Audi schließen möchte. Als großer Bruder des A6 Avant versucht sich der Audi allroad quattro jetzt als Nobel-Kombi mit Offroad-Zulassung.

Rein äußerlich müht sich der allroad mit mächtigen Stoßfängern, pausbäckigen Radhäusern und genieteten Doppelspeichenfelgen (1809 Mark extra) erfolgreich um ein bulliges Aussehen. Unverkennbar scheint aber der elegante Ziehvater A6 Avant durch das Blech, Edelstahl-Unterfahrtschutz vorn und hinten sowie Aluoptik für Dachreling, Seitenfenstereinfassungen und Zierleisten (753 Mark Aufpreis) vermitteln gekonnt zwischen Gelände- und Operngänger.

Damit dieser Schein sich auch im Sein ausdrückt, verpasste Audi seinem Avant für Abwege jede Menge Trekking-Technik. Neben dem bewährten quattro-Antrieb mit selbstsperrendem Torsendifferenzial (Kraftverteilung 1:2 bis 2:1) und elektronischem Bremseneingriff als weiterem Durchdrehstopp spendierten die Allrad-Pioniere noch eine 4-Level-Luftfederung, Spezialreifen sowie dem Handschalter die Getriebeuntersetzung Low Range (2503 Mark).

20,8 Zentimeter Bodenfreiheit

Auf Wunsch protzt der allroad also mit 20,8 Zentimeter Bodenfreiheit (A6: 12 cm) und mächtig Grip. Die Untersetzung (bis 70 km/h, ab 50 km/h Warnton) hilft dem Audi auch durch schwieriges Gelände, indem sie die Gesamtübersetzung um den Faktor 1,54 spreizt. Bei 50 km/h im vierten Gang macht der TDI normalerweise 1500, mit Low Range 2400 Touren. Oder einfacher: Der allroad wühlt sich durch - (fast) wie ein echter Geländewagen. Und als schöner Nebeneffekt verzögert die Motorbremse spürbar kräftiger.

Auf der anderen Seite präsentiert sich der allroad quattro 2.5 TDI als 207 km/h schneller Reise-Kombi. Bis auf 1,55 Meter (A6: 1,45 m) über Grund abgesenkt, bewegt sich Audis Zwitter auf Asphalt durchaus gekonnt - begeistert allerdings nicht. Der V6-TDI glänzt zwar mit brachialen 370 Nm Drehmoment bei 1500 Touren und 180 PS - die Kraftentfaltung erfolgt aber so unharmonisch, dass der rund 10.000 Mark teurere Benziner (2.7 T, 250 PS) plötzlich gewaltig an Attraktivität gewinnt. Das ziemlich üppige Turboloch lässt den TDI bis 2000 Touren zunächst einmal schlafen. Danach schreckt er hoch, schiebt den allroad mit aller Gewalt nach vorn, um kurz darauf bei etwa 4000 Umdrehungen vom Drehzahlbegrenzer abgewürgt zu werden. Wer das in seiner Abruptheit nachlassende Spiel durch die sechs manierlich schaltbaren Gänge mitmacht, wird umgehend Tiptronic-Fan.

Dabei lässt sich der TDI mit zärtlichem Gasfuß auch entspannter bewegen. Wobei sich zur Freude über die vorhandenen Sprinttalente (0-100 km/h in zehn Sekunden) auch noch der Reiz am Geiz gesellt: 9,3 Liter reichen dem 1,87-Tonnen-Trumm für 100 Kilometer. Reichweite immerhin 750 Kilometer oder Berlin-Straßburg.

Cockpit mit Navigation und TV

Eine Strecke, die sich dank gutem Abrollkomfort und fester Sitze mit betont sportlicher Ausformung ohne Rückenbeschwerden bewältigen lässt. Zusätzlich verwöhnt die hochwertige, vornehm zurückhaltende Innenarchitektur. Für Misstöne sorgt unterwegs allerdings das polternde Fahrwerk, das sich auf Kreisstraßen dritter Ordnung unfein ins Bewusstsein drängt und Querfugen nicht wirklich gelassen wegsteckt.

Zwischen Pkw und 4x4 liegt der allroad auch bei schnellen Kurven und Ausweichmanövern. Dank ESP, bissigen ABS-Bremsen (38,9 m) sowie vier Airbags besteht zwar selten Gefahr, das Handling lässt aber zu wünschen übrig. Die etwas indirekte Lenkung und die deutliche Karosserieneigung lassen den Audi schwerfällig wirken. Klar, ein echter Geländewagen fährt sich noch behäbiger - vom A6 Avant trennen den allroad dennoch Fahrspaß-Welten.

Abstand zum gewöhnlichen Audi-Volk wahrt der allroad quattro 2.5 TDI mit 81.421 Mark (inkl. Untersetzung) auch an der Kasse. Gegenüber dem vergleichbaren A6 verlangt er mindestens 4107 Mark Abenteuer-Aufschlag. Dafür gibt es zwar nicht das Beste aus zwei Welten, aber einen Audi, der offroad ziemlich weit kommt und für einen Geländewagen bemerkenswert viel Pkw bietet. So gesehen, ist der allroad tatsächlich nicht nur optisch der große Bruder des A6 Avant.

Fazit Der allroad ist geländegängig, bietet aber nicht alle Vorteile von Offroadern. Ein Erfolg wird er trotzdem. Weil er mehr ist als ein A6 Avant - und dabei doch ganz Audi bleibt

Technische Daten

Technik: Motor Sechszylinder-V-Diesel • Hubraum 2496 cm3 • Leistung 132 kW (180 PS) • bei Drehzahl 4000/min • Drehmoment 370 Nm bei 1500/min • Getriebe 6-Gang manuell • Antrieb Allrad • Bremsen (vo./hi.) Scheiben/Scheiben • Testwagenbereifung 225/55 R 17 W • Serienbereifung 225/55 R 17 W • Kofferraum 455/1590 l • Tankinhalt 70 l • Länge/Breite/Höhe 4833/1860/1551 mm • Wendekreis 11,7 m

Serienausstattung: ABS • vier Airbags vorn • ASR • Niveauregulierung • E-Außenspiegel, beheizbar • E-Fensterheber, vierfach • Dachreling • elektronische Differenzialsperre (EDS) • ESP • Klimaautomatik • Laderaumabdeckung • ZV, fernbedienbar

Extras: Geschwindigkeitsregelanlage 597 Mark • Sidebags hinten/Kopfairbags 665/753 Mark • Anhängekupplung 1506 Mark • Lederausstattung 3247 Mark • Untersetzung 2503 Mark • Xenon-Licht 1662 Mark • E-Schiebedach 2758 Mark

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