Audi, BMW, Mercedes, VW und Subaru

Audi, BMW, Mercedes, VW und Subaru

— 26.02.2002

Alles im Grip

20 Jahre quattro: Der alte und der neue Allrad-Audi gegen 330xi touring, E 320 4-Matic, Golf V6 4motion und Legacy Outback 2.5. Alles allroad?

Quattro war gestern, heute ist allroad

Etwas schchtern rollt er voran, der Audi quattro - als ob er schon ahnt, dass ihm dieser Test eine Niederlage bescheren knnte. Es wre kein Wunder: Verschneite Pisten, Eis, Sturm und rasante Haarnadelkurven gehren nicht mehr in seine Welt. Er kennt nur noch die geheizten Hallen des Audi-Museums in Ingolstadt. Dabei ist seine groe wilde Zeit gar nicht so lange her: 1980 - wie kein anderes Groserienauto jemals zuvor - jagte er die Berge hinauf, seine aufbrausenden Turbo-PS auf allen vieren in den Asphalt brennend.

Die Konkurrenz staunte - und reagierte. Das Ergebnis 20 Jahre spter: BMW, Mercedes, Subaru, VW und natrlich Audi selbst bieten raffinierte Allradtechnik. Aber welche fhrt uns am sichersten ber Eis und Schnee? Die Konzepte kennen kaum Gemeinsamkeiten. Nur in einem Punkt herrscht Einigkeit: Ohne khl kalkulierende Elektronik geht nichts.

Der Ur-quattro kann da nur staunen. Bei ihm war Kraftverteilung noch eine Sache von l und Stahl - von mechanischen, per Seilzug geschalteten Differenzialsperren. Und (seit 1988) eine des Torsendifferenzials, dessen genial rotierende Zahnradstze den Kraftfluss immer zur Achse mit viel Grip lenkten.

Der Audi allroad beschleunigt auch mit diesem System; Tradition verpflichtet. Sein Respekt vor dem Grovater drfte sich indes in Grenzen halten. Der junge allroad kann so ziemlich alles besser. Sein mchtiger V6-Biturbo mit 250 PS blst den schweren Kombi im Handumdrehen und flsterleise auf 234 km/h. Wo die Strae zu Ende ist, wchst der allroad ber sich hinaus: Mit vierfach hhenverstellbarer Luftfederung schwebt er ber Stock und Stein.

Golf 4motion und Mercedes E 4-Matic

Der einstige Supersportler Audi quattro kann nirgends mithalten: Sein legendrer Fnfzylinder-Turbo leistet 200 PS, die das laute und enge Coup auf "nur" 222 km/h beschleunigen. Frustriert wendet er sich dem gewiss unterlegenen Verwandten zu, dem VW Golf - doch nur um die nchste Demtigung einzustecken: Sogar der Golf ist als V6 4motion strker und schneller als der Ur-quattro: 204 PS und 235 km/h. Und trumpft mit einem "intelligenten Allradsystem der neuesten Generation" (Pressetext) auf. Seine computergesteuerte Haldex-Kupplung kennt bei der Kraftfluss-Verteilung keine Grenzen, kann im Extremfall sogar alle Power auf nur eine Achse zwingen.

Was fr Zeiten! Da kann es den Audi kaum noch berraschen, dass er selbst einer Luxuslimousine, dem E 320 4-Matic (224 PS, 234 km/h) nicht hinterherkommt. Doch eine Chance wittert er: Der Allradantrieb des Mercedes verteilt das Antriebsmoment immer zu 35 Prozent nach vorn und zu 65 Prozent nach hinten. Spielraum: null. Wenn der Benz damit nicht weiterkommt, hilft Big Brother. Elektronische Differenzialsperren, auch bei den Konkurrenten im Einsatz, sollen durchdrehende Rder per Bremsanlage zur Rson bringen.

Beim BMW 330xi touring funktioniert die Sache hnlich, die Gewaltenteilung harmonischer: 38 zu 62 Prozent. Beim Motor gert in unbeobachtetem Moment sogar der Audi ins Schwrmen: ein Reihensechser mit 231 PS, gut fr 243 Kombi-km/h. Wozu brauchen die heute noch Sportcoups?

Subarus Outback, ein Freund der Berge

Der letzte der fnf Testkandidaten lsst den Audi wieder aufleben: der Subaru Legacy 2.5 Outback. Dieses schrullige Karosserie-Design, das zerklftete Cockpit - endlich einer, der genau wie der Ur-quattro nicht so ganz in die Zeit passt, zumindest optisch. Vor der Motorleistung braucht der Audi keine Angst zu haben: Sein Vierzylinder-Boxer leistet nur 156 PS. Dazu die altertmliche Viergangautomatik - immerhin gibt es auf Wunsch einen 200-PS-V6. Doch auch mit dem kleineren Motor whlt er sich durch: Normalerweise betrgt seine Drehmomentverteilung ausgeglichene 50:50. Die variiert stndig, je nachdem, wo gerade am meisten Dampf abgelassen werden kann.

Wer wird nun Schneeknig? Die Serpentinen im verschneiten Zillertal warten. Bis auf 1800 Meter schraubt sich der enge, kurvige Pfad den Berg hinauf. Hier finden wir alles, was unseren Allradlern das Leben zur Hlle macht: abwechselnd Eis, fest gefahrenen oder frischen Schnee. Und immer wieder nassen Asphalt. Die Wchter des seltenen (Museums-)Schatzes wachen berngstlich ber den antiquiert bereiften Ur-quattro. Doch so viel ist sicher: Schon dieser Allrad-Pionier zieht den Berg hinauf, als wrden sich die Kurven vor Ehrfurcht automatisch begradigen.

Aber dann: Speziell die frhen Exemplare ohne Torsendifferenzial untersteuern bei bermtiger Fahrt gnadenlos, bei Lastwechseln in flotteren Kurven schiebt sich dafr das Heck umso mehr in den Vordergrund. Jetzt toben die jungen Wilden dem Gipfel entgegen. Allen voran der Audi allroad, in dem der gleiche Allradantrieb die Fden in der Hand hlt wie im A6 quattro.

Alles allroad, notfalls mit Tricks

Egal ob Eisplatten oder schmieriger Asphalt - der Audi bringt seine 250 PS in einer Weise auf die Strae, die belste Bodenverhltnisse scheinbar vllig ignoriert. Nur das leise zirpende ESP verrt, dass die Technik alle Hnde voll zu tun hat. Zu durchdrehenden Rdern kommt es erst gar nicht - der Computer regelt unmerklich per Bremseingriff. Selbst in engen Kehren geleitet die Elektronik den Audi sicher hinauf, ohne dass der Fahrer glaubt, nicht mehr Herr der Lage zu sein. Wre da nicht das Gewicht, das in Kurven merklich drckt.

Das pure Gegenteil: der Golf. Er verzaubert die Test-Tortur zum sportlichen Rallye-Spa, turnt die verschneite Piste hinauf, als se Walter Rhrl am Steuer. Die berraschung: Der brave Untersteuerer Golf lsst als V6 4motion in der Kehre leichte Heckschwenks zu. Auch seine 204 PS lassen sich von Eis und Schnee nicht in ihrem rasanten Vortrieb abhalten. Zwar drehen beim Anfahren kurz die Rder durch, doch es dauert nur Augenblicke, bis Mr. Haldex registriert hat, wie er den Golf wirklich nach vorne bringt. Nur bei voller Beladung fhrt ein schwerer Gasfu zunchst zu durchdrehenden Vorderrdern.

Dem als Hecktriebler geborenen BMW bringt - fast wie frher - ein voller Kofferraum auch vollen Grip. Leer whlen die Hinterrder, zuckt das Heck, bevor beim forschen Anfahren die Schlupfregelung eisern Gas wegnimmt. Dann beien sich die Rder in den Schnee, und der BMW konzentriert seine 231 PS auf schnsten Wintersport. Mit einem wunderbar dezenten Auspuff-Fauchen prescht er voran, dass die Eisbrocken fliegen. Die BMW-Philosophie des agilen Handlings verwirklicht er auch auf weien Straen, sanft kommt das Heck in bermtig angegangenen Kurven. Das ESP (bei BMW DSC genannt) lsst ihn gewhren - drastisch und sicher heruntergebremst werden nur jene, die es zu bunt treiben.

Zur Not hilft Vterchen ESP

Fahren und fahren lassen - eine liberale Einstellung, mit der das gestrenge Mercedes-ESP berhaupt nichts anfangen kann. Es wacht ber den E 320 wie hysterisch besorgte Eltern ber ihr neugierig krabbelndes Kleinkind. Zuckt der Mercedes nur leicht mit dem Heck, schlgt ihm sofort bervater ESP bremsend auf die Finger. Er wei auch, warum. Ohne ESP gebrdet sich der unbeladene Mercedes hilflos, sucht mit durchdrehenden Rdern nach elektronischem Halt.

Findet er Grip, geht es voran - aber trotz des mchtigen V6 und perfekt schaltender Automatik zgerlicher als bei allen anderen. Wer den Zuchtmeister ESP abschaltet, dem bricht in der nchsten Kurve das Heck aus.

Leer, beladen, ESP an oder aus? Den Subaru-Fahrer interessiert das alles berhaupt nicht. Er tritt aufs Gas, und der Legacy fhrt los. Einfach so. Kilometerweit durch die verschneiten Alpen kraxeln, dabei die Landschaft sehen und Radio hren. Und kaum was von der Gltte merken. Erst wenn der Subaru-Fahrer beim Aussteigen pltzlich auf der Nase liegt, freut er sich, wie gut er vorankam.

Kein Wunder, dass Bergvlker den Subaru lieben. Ein Typ, dem man einfach vertraut. Wie dem wolligen Bernhardiner, der den Verschtteten unter der Schneelawine erschnffelt und mit heiem Grog erwrmt. Nicht so sportlich-exklusiv wie seinerzeit der Audi quattro. Aber mindestens ebenso effektiv.

Fazit und Technische Daten

Fazit 20 Jahre Allrad-Erfahrung: Da steht Audi und damit auch der VW-Konzern ganz weit vorn; ein unbersehbarer Vorsprung durch Technik. Wie der allroad seine 250 PS sogar bei Eis und Schnee auf die Strae bringt, ist beeindruckend. Er fhrt, als glten fr ihn andere (Reib-)Werte. Auch der Golf tobt den Berg im Stil eines Walter Rhrl hinauf. Unsportlich, aber stets der brave Kumpel: Subaru. Der handliche BMW dagegen spendet auch im Schnee Freude am Fahren. Frs Anfahren braucht man aber Gefhl. Auch beim Mercedes, der nur mit viel elektronischer Nachhilfe glatte Situationen meistert.

Testwerte

Der neue Herr der Ringe ist zwar der zweitteuerste Wagen im Vergleich. Aber die Investition lohnt: Auf Eis und Schnee ist (der) allroad nicht zu schlagen.

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen gnstig kaufen und Geld sparen.


Kfz-Versicherung