Audi holt Vanina Ickx ins Boot

Vanina Ickx fährt ab April 2006 in der DTM Vanina Ickx fährt ab April 2006 in der DTM

Audi holt Vanina Ickx ins Boot

— 21.02.2006

Besser Ickx als nix

PR statt PS: Um die DTM attraktiv zu machen, sollen Frauen – hübsch und mit großem Namen – ans Lenkrad. Audi suchte sich Vanina Ickx aus. Genau – die Tochter Jacky.

Frauen: Die letzte Rettung der DTM?

Es wird einer dieser Winterabende gewesen sein. Die Stimmung war so trüb wie das Wetter. Da saßen die Verantwortlichen der Deutschen Tourenwagen Masters (DTM) bei einem Glas zusammen und grübelten, wie die Serie, die mit Opel gerade ihren dritten Hersteller verloren hatte, auch in der nächsten Saison attraktiv zu gestalten sei. Irgendwann wird irgend jemand das ausgesprochen haben, was die anderen längst dachten: Eine Frau muß her! Oder besser zwei. Eine im Mercedes und eine im Audi. Denn Frauen – idealerweise hübsch und wenn möglich mit bekanntem Namen – ziehen immer. Die Suche begann.

Nun scheint zumindest Audi fündig geworden zu sein: Vanina Ickx (30), Belgierin und Tochter des Ex-Formel-1-Vizeweltmeisters und sechsfachen Le-Mans-Siegers Jacky Ickx, soll ab April einen A4 des Baujahres 2004 pilotieren. "DTM wäre mein Traum", sagt die Ickx, die mit ihrem französischen Freund, einem Autodesigner, in Wiesbaden lebt.

Daß Frauen vor allem der Publicity wegen in Rennserien auftauchen, ist seit Auftritten des rasenden Grid-Girls Cora Schumacher in der Mini Challenge kein Geheimnis mehr. Und daß die Wahl auf die 1,57 Meter kleine und 53 Kilo leichte Amazone Ickx fiel, überrascht nur auf den ersten Blick. Zwar startete die Diplom-Biologin ihre Rennfahrerkarriere erst mit 21 Jahren (zuvor war Ickx erfolgreiche Springreiterin) und konnte seitdem noch keinen Meisterschaftstitel erringen, doch die Kombination aus hübschem Gesicht und großem Namen zieht. Im Kampf um neue Fans an den Rennstrecken und im Fernsehen sagt sich die DTM: Besser Ickx als nix. "Wir glauben, daß Vanina nicht nur eine tolle PR-Nummer ist. Sie hat auch schon gezeigt, daß sie gut Auto fahren kann", ordnet Audi-Sprecher Jürgen Pippig die Auswahlkriterien. Zuletzt verpaßte Ickx den Titel in der Le-Mans-Endurance-Serie mit ihrem 580-PS-Dallara-Judd.

Die auch in der DTM lebenswichtigen Sponsoren zu finden, fällt der Promi-Tochter leichter als anderen. "Mein Name hat mir viele Wege geebnet", gibt Ickx lächelnd zu. Den Berufskolleginnen bleibt da nur der Neid. "Die sportlichen Leistungen", klagt Claudia Hürtgen, "sind leider nicht entscheidend." Die Aachenerin läßt ihrer Enttäuschung freien Lauf: "Es wäre schön gewesen, wenn auch ich eine faire Chance bekommen hätte. Wenn schon eine Frau in der DTM, dann eine, die auch Gas gibt." Hürtgen (34) kann sich ihr Selbstbewußtsein leisten. Sie ist amtierende Meisterin im Langstreckenpokal und ließ zuvor als Titelträgerin in der Deutschen Tourenwagen Challenge und der Deutschen Produktionswagen Meisterschaft (jeweils mit BMW) die Männer regelmäßig hinter sich.

Auch Susie Stoddart ist im Gespräch

Auch für die DTM-Legende Klaus Ludwig ist Hürtgen die einzig legitime Nachfolgerin von Ellen Lohr, die 1992 als einzige Frau ein DTM-Rennen gewinnen konnte. "Claudia ist sensationell, die wäre mir eigentlich lieber." Wobei der Tourenwagen-Veteran generell der Meinung ist, daß Frauen "hundert Kilo Gewichtsvorteil benötigen, um eine echte Chance zu haben". Ellen Lohr befürchtet eher, daß sich Vanina Ickx im Vorvorjahreswagen keinen Gefallen tut. "In diesem Auto hast du keine Chance, dich zu beweisen. Fraglich, ob das der Karriere förderlich ist."

Die umworbenen Damen selbst scheint das unterlegene Equipment nicht zu stören. So wartet Susie Stoddart derzeit sehnsüchtig auf einen Anruf von Mercedes. Die Tochter des ehemaligen Besitzers und Teamchefs des Formel-1- Rennstalls Minardi, Paul Stoddart, wurde unlängst auch für sie überraschend zu Testfahrten in einer zwei Jahre alten C-Klasse nach Barcelona geladen. Seitdem hofft sie auf ein Jobangebot. Daß die Blondine bislang kaum Erfahrungen mit Tourenwagen-Rennen besitzt, scheint ihr nicht als Nachteil ausgelegt zu werden. "Die DTM", weiß auch Klaus Ludwig, "braucht dringend Attraktionen."

Autor: Hauke Schrieber

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