Mercedes GLC trifft Audi Q5

Audi Q5/Mercedes GLC: erster Vergleich

— 26.06.2015

Setzt der GLC den Audi Q5 matt?

Eine runde Sache, dieser GLK-Nachfolger. Was der neue Mercedes GLC sonst noch so draufhat, klären wir in einem ersten Abgleich mit dem Audi Q5.

Video: Mercedes GLC (2015)

Sitzprobe im neuen GLC

Mit der Mercedes-Mode verhält es sich wie auch sonst im Leben: Die einen haben es lieber schlank und drahtig, andere schätzen es mollig und rund. Nach kantig (GLK) mag Mercedes nun soft – und bringt den GLC. Weichgespült kommt er daher, wie ein hochgeschossener Bruder des C-Klasse T-Modells – was ja auch seiner Rolle in der Palette entspricht. Etwas fällt sofort auf bei unserer ersten Begegnung mit dem ungetarnten GLK-Nachfolger: Er ist groß geworden, und das nicht nur gefühlt, sondern auch gemessen. Zwölf Zentimeter länger, fünf breiter, einen Zentimeter höher.

Die C-Klasse-Gene lassen sich im Interieur erkennen

Bekannter Arbeitsplatz: Im GLC-Cockpit erkennt man die neue C-Klasse – mit wuchtigerer Mittelkosole.

Damit überragt das 4,66-Meter-SUV die Dimensionen eines Audi Q5 (4,63 Meter), des Erzrivalen. Zur Einordnung des neuen Benz, als Nulllinie sozusagen, haben wir ihn gleich danebengestellt. Vorn kommst du dir im GLC vor wie in der neuen C-Klasse. Sicher, die Sitzposition ist höher und aufrechter, das Raumgefühl luftiger, nur die Mittelkonsole wirkt sperriger. Aber sonst hält sich das Cockpit im SUV eng an das übliche Muster, bekannt aus Limousine und T-Modell. Was natürlich kein Nachteil sein muss, schließlich findet dieses Ambiente allgemein großen Anklang. Und so macht der GLC auch von innen betrachtet was her, keine Frage. Da kann sogar der diesbezüglich allseits gelobte Audi nicht mithalten. Im Vergleich zur neuen Benz-Opulenz herrscht hier pure Nüchternheit. Schön, dass es zum Modellwechsel auch praktische Vorteile zu verzeichnen gibt. Die knapp zwölf Zentimeter, um die sein Radstand verlängert wurde, kommen größtenteils den Fondpassagieren zugute sowie dem Gepäck.
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In Reihe zwei sind auch große Menschen gut untergebracht

Nicht nur auf dem Papier größer: Die gewachsenen Abmessungen kommen den Passagieren zugute.

Sechs Zentimeter mehr Beinraum vermeldet Mercedes im Verbund mit 3,4 Zentimeter mehr Innenbreite. Das Beste: Hier stehen die Zusatzzentimeter nicht nur auf dem Papier, sondern du spürst sie auch. Es gibt nennenswert mehr Platz für die Beine, außerdem die Möglichkeit, schmerzfrei weiter außen zu sitzen, falls hinten mal ein dritter Passagier Platz nehmen soll. Auch an Kopfraum mangelt es nicht, obgleich das Glasdach des Fotoexemplars die Reserven in diesem Bereich deutlich reduziert. Die Lehne der Rücksitze ist nun dreifach geteilt (40/20/40 Prozent) und steht ziemlich steil. Wer lieber leger sitzt, vermisst eine Lehnenverstellung. Sehr willkommen jedoch der komfortablere Einstieg dank verlängerter Fondtüren. Allerdings: Im Audi kommt sich der Fondpassagier auch nicht wesentlich beengter vor. Du sitzt eine Idee niedriger, Ein- und Ausstieg gestalten sich etwas mühsamer, aber es langt.
Erste Mitfahrt: So schlägt sich der GLC im Gelände

Das Ladevolumen ist deutlich gewachsen

Geräumig: Hinter der großen Klappe verbirgt sich ein 500 bis maximal 1600 Liter großer Kofferraum.

Weiter hinten bietet der GLC sodann 80 Liter mehr Kofferraum als der GLK, insgesamt 550 Liter, durch Umklappen der Rücksitzlehnen erweiterbar auf maximal 1600 Liter (GLK: 1550 Liter). Sehr nützlich das große Fach unter dem Kofferraumboden, weniger praktisch die hohe Ladekante, ein typischer SUV-Mangel. Insgesamt ist das nun guter Durchschnitt in dieser Klasse und geringfügig mehr, als der Audi bieten kann (540/1560 Liter). Dessen Ladeabteil fehlt es im Vergleich an Breite, und auch das Fach im Souterrain kann volumenmäßig nicht mithalten. Noch ein Mercedes-Vorteil: Wer die aufpreispflichtige Luftfederung (Airmatic) wählt, kann die Ladefläche per Schalter um ein paar Zentimeter absenken. Diesem technischen Highlight des Mercedes GLC kann der Konkurrent aus Ingolstadt nichts entgegensetzen, ebenso wenig wie alle anderen Widersacher.

Für Geländeausflüge zeigt sich das Fahrwerk variabel

Gelände-Programme: "Offroad", "Steigung", "Glätte", "Anhänger" und "Freischaukeln" stehen zur Wahl. 

Die Luftfederung ist der GLC-Trumpf. Sticht! Kein anderer kann sie bieten, und schon gar keine variable: Mehrere Luftkammern pro Federelement ermöglichen hier unterschiedliche Federhärten. Das eröffnet neue Horizonte bei der Feder-/Dämpferabstimmung. Hinzu kommt die luftfedertypische Niveauregulierung vorn und hinten bei entsprechend variabler Bodenfreiheit. Das verleiht dem GLC dann auch bei Ausflügen ins Gelände einen nennenswerten Vorsprung. Die einschlägigen Werte lauten hier bis zu 30,8 Grad (Böschungswinkel vorn) und 24,8 Grad (Böschungswinkel hinten) sowie 19,7 Grad (Rampenwinkel), maximale Bodenfreiheit 23 Zentimeter. Die Werte des Audi: 23 (vorn), 20 (hinten), 17 Grad (Rampenwinkel) und 20 Zentimeter Bodenfreiheit. Die Regelung der Luftfederung im Verbund mit den verstellbaren Stoßdämpfern ist voll in das elektronische Netzwerk integriert. Dies ermöglicht es dem Fahrer, zwischen fünf Offroad-Programmen zu wählen ("Offroad", "Steigung", "Freischaukeln", "Glätte", "Anhänger"), wobei die Position "Freischaukeln" mittels maximaler Bodenfreiheit und mehr Antriebsschlupf bei festgefahrenem Wagen weiterhelfen soll. Voraussetzung dafür ist das "Offroad-Technik-Paket", was natürlich extra berechnet wird. Audi- Q5-Kunden bleibt so etwas verwehrt – Offroad-Programme gibt es hier weder für Geld noch gute Worte.

Alle Motoren kommen serienmäßig mit Allradantrieb

Motorenprogramm: Zunächst gibt es für den GLC zwei Diesel, einen Benziner und einen Plug-in-Hybrid.

Die technische Entwicklung schreitet bei Mercedes auch in anderen Bereichen voran. Die Antriebsoptionen sind uns zwar bereits bekannt. Für den GLK-Nachfolger bringen sie dennoch nennenswerte Fortschritte. Zunächst beschränkt sich die Auswahl auf die Dieselmodelle 220 d (170 PS) und 250 d (204 PS) sowie auf die Benziner 250 (211 PS) und 350 e, Letzterer ein Plug-in-Hybrid mit 211 Vierzylinder-PS plus 116 Elektro-PS. Alle Modelle verfügen über Allradantrieb sowie über die neue Neunstufenautomatik, der 350 e muss mit sieben Gängen auskommen. Mehr Gänge, verbesserte Aerodynamik ( Cw 0,30 statt zuvor 0,34) und weniger Gewicht (80 kg) ermöglichen eine hübsche Absenkung der Normverbrauchswerte (um bis zu 19 Prozent) in Tateinheit mit geringfügig verbesserten Fahrleistungen. Dass derartige Angaben mit großer Vorsicht zu genießen sind, ist bekannt und wird vom GLC 350 e in klassischer Hybrid-Manier bestätigt (Normverbrauch 2,6 l/100 km). Tatsache ist, dass unser Fotoauto, ein 250 d, mit 5,0 l/ 100 km den entsprechenden Audi Q5 TDI (190 PS) in der Norm deutlich unterbietet (5,7 l/100 km) und mit insgesamt 1845 obendrein 90 Kilogramm weniger auf den Rippen hat.
Wolfgang König

Wolfgang König

Fazit

Geräumiger, praktischer, komfortabler und edler – was gibt es also auszusetzen am neuen Mercedes GLC? Optischen Charakterverlust vielleicht. Dem Verkaufserfolg dürfte das ebenso wenig schaden wie die typisch stolzen Preisvorstellungen. Beim "alten" Q5 lässt sich dagegen eine leichte Verstaubung feststellen.

Stichworte:

Mittelklasse-SUV

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