Audi Q7 gegen VW Touareg

Audi Q7 – VW Touareg Audi Q7 – VW Touareg

Audi Q7 gegen VW Touareg

— 13.02.2006

Baut Audi den besseren Touareg?

Das zweite SUV aus dem VW-Konzern ist vor allem eines: riesengroß. Ob der Q7 nicht nur größer, sondern auch talentierter ist als sein Technik-Bruder, hat Redakteur Jörg Maltzan in den USA erfahren.

Schönheit ist eine Frage des Geschmacks

"Finde ich dieses Auto wirklich schön?", fragte sich AUTO BILD-Chefredakteur Peter Felske beim ersten ersten Schnuppertermin des Audi Q7 im Oktober 2005. Und er staunte über den Preis. Fast 50.000 Euro fürs Einstiegsmodell sind ziemlich viel. Sehe ich auch so. Doch was das Design angeht, Boß, da habe ich meine eigene Meinung: "Ja, ich finde den Q7 schön. Richtig gut gelungen."

Im Gegensatz zu meinem Chef hatte ich jetzt Gelegenheit, den Q7 mit einem seiner wichtigsten Konkurrenten zu vergleichen. Und da man Kontroversen zunächst mal hausintern klärt, habe ich dem Q7 gleich mal Bruderherz VW Touareg in den Weg gerollt. Ein reizvolles Duell, bei dem der Audi eine gute Figur macht. Denn direkt nebeneinander relativiert sich so manches, was einzeln betrachtet massig erscheint.

Obwohl der Q7 über fünf Meter lang ist und damit den Touareg um satte 33 Zentimeter übertrifft, wirkt er – wie ich finde – eleganter. Seine Karosserie ist feingliedriger. Die Dachpartie fällt hinten coupéhaft ab. Kräftig ausgewölbte Kotflügel und eine scharfe Sicke machen das SUV dynamisch. Das Signal ist eindeutig: Hier fährt der edle Sportsmann im feinen Zwirn vor. Daneben wirkt der VW eher klobig. Er ist stämmiger, nicht so grazil. Beispiel Scheibenwischer: Im Q7 verstecken sie sich unter der Fronthaube, der Touareg zeigt ungeniert häßliches Gestänge. Also Chef, ich stehe dazu: Nach der Rundum-Begutachtung ist der Schönling Audi klarer Sieger.

Das Audi-Interieur setzt neue Maßstäbe

Auch innen bleibt sich der Q7 treu. Das vornehme Cockpit gleicht dem des A6. Wieder der Aha-Effekt: Ob Lenkrad, Schalter, Hebel oder Instrumente – im Q7 hat Audi mit feinerer Klinge geschnitzt. Dort ein rundlichkleiner Schaltknauf, im VW ein massiger T-Griff, der an einen Flugzeug-Schubregler erinnert.

Das elektrisch entriegelnde Handschuhfach ist allerdings ein Witz: viel zu klein. Untersetzungsgetriebe und zusätzliche Differentialsperren, wie beim Touareg erhältlich, suche ich allerdings in der Q7-Preisliste vergeblich.

Eine kluge Modellpolitik: Denn im VW-Konzern gibt der Q7 künftig das sportive Premium-SUV, der Touareg dagegen macht eher auf rustikalen Offroader mit echtem Geländepotential. Beide kommen sich so kaum in die Quere. Nur 15 Prozent der Komponenten sind bei Q7 und Touareg (und Porsche Cayenne) identisch, sagt Audi. Daß es sich tatsächlich um zwei unterschiedliche Autos handelt, wird spätestens beim Fahren spürbar.

Technischen Daten und Preise

Obwohl in beiden Modellen V6-Benziner und Sechsgang-Automaten arbeiten, offenbart ihr Antrieb verschiedene Charaktere. Der Volkswagen wirkt angestrengter, spurtet langsamer und wird in der Spitze nicht so schnell. Kein Wunder, denn in diesem Touareg steckt auch noch der alte 3,2-Liter-Motor mit 241 PS, im Audi bereits der aufgebohrte 3,6-Liter-Direkteinspritzer (FSI) mit 280 PS (den bekommt der Touareg jetzt im März). Im Audi gibt es ihn erst zum Herbst, starten wird der Q7 zunächst als 3.0 V6 TDI (233 PS) und 4.2 V8 FSI (350 PS). Egal ob Sechszylinder oder Achtzylinder, ob Benziner oder Diesel, der Audi ist nicht nur dank der besseren Aerodynamik das schnellere SUV.

Der Verzicht auf gewichtstreibende Allrad-Technik bringt dem Q7 mehr Agilität. Bei der 4x4-Philosophie gehen VW und Audi getrennte Wege. Der Touareg verteilt die Kraft mittels Zentraldifferential und elektronisch geregelter Lamellenkupplung symmetrisch (50:50) auf Vorder- und Hinterachse. Audi dagegen setzt aufs Torsen-Differential mit einer heckbetonten Kraftverteilung von 60 zu 40 Prozent. Spüren tue ich davon nichts.

Dem Touareg fehlt es an Handlichkeit

Beide Systeme funktionieren auf der Straße wie im Gelände tadellos. Nur wenn es ganz steil wird, muß der Q7 wegen seines kleineren Böschungswinkels passen. Besonders wohl fühlt er sich auf kurvigen Straßen mit festem Belag. Hier fährt sich der Q7 fast so handlich wie eine Limousine. Trocken folgt er dem Lenkeinschlag. Die Rückmeldung ist gut. Trotz der hohen Karosserie zeigt er kaum Seitenneigung. Viel agiler kann ein derart großes Auto nicht sein. Das hat schon Klasse.

Anders der VW: Auf Lenkmanöver reagiert er nicht so spontan. Schnelle Wechselkurven durcheilt er weniger agil als der Audi, seine Karosserie neigt sich stärker. Ebenso hat der Audi Vorteile beim Komfort. Beide Modelle rollen auf den optionalen Luftfedern, wobei der Touareg hölzerner wirkt. Doch auch der Q7 kriegt keine Eins. Für ein Luxusmodell ist er mir zu straff. Kurze Bodenwellen dringen auch in der Komfortstellung noch zu stark in den Innenraum durch.

Dabei hat Audi viel ins Fahrwerk investiert und die Doppelquerlenker der Vorderachse aus Alu (Touareg: Stahl) gefertigt. Auch für Hauben und Kotflügel kommt das Leichtmetall zum Einsatz. Ergebnis: Trotz der größeren Abmessungen wiegt der Q7 etwa gleich viel wie der Touareg. Bei der Heckklappe wird der Alu-Einsatz auf besonders angenehme Weise spürbar. Sie ist viel größer als die VW-Klappe, schwingt 19 Zentimeter weiter nach oben (2,18 Meter), und ich bin überrascht, wie leichtgängig sie zu bedienen ist.

Elektronische Helfer sorgen für Sicherheit

Unverständlich dagegen ist, warum das Heck-Entrée keine Zuziehhilfe hat. Für ein Auto mit Premiumanpruch nicht akzeptabel, und die vollelektrisch betätigte Klappe kostet natürlich saftig Aufpreis.

Sonst ist die Serienausstattung recht umfangreich. Unter anderem mit Einparkhilfe, Funk-Zentralverriegelung, vier elektrischen Fensterhebern, Licht- und Regensensor, Zwei-Zonen-Klimaanlage, vier Zwölf-Volt-Steckdosen, einstellbaren Rückenlehnen im Fond. Mit den Optionen läßt sich der Q7 zum wahren Luxusmobil aufrüsten: Kurvenlicht, E-Sitze, Panoramadach, Kamera-Einparkhilfe, Radar-Tempomat mit Notbremsfunktion, Vier-Zonen-Klimaanlage, Sitzheizungen hinten und eine super Bose-Anlage mit 14 Lautsprechern.

Überzeugen konnte mich bei den ersten Testfahrten der neuartige Spurwechselassistent "Side Assist". Radardetektoren im Heckstoßfänger überwachen einen Bereich bis zu 50 Meter hinterm Wagen und signalisieren dem Fahrer durch blitzendes Gelblicht an den Außenspiegeln, wenn sich ein Auto im toten Winkel befindet. Eine prima Innovation.

Variabilität und Fazit

Gelungen auch die Variabilität. Den Q7 gibt es als Fünf-, Sechs- und Siebensitzer; bis zu 28 Interieur-Konfigurationen sind möglich. Kein umständliches Entfernen von Kopfstützen und Hochklappen von Polstern wie im Touareg, sondern einfach Hebel ziehen, schon fallen die Lehnen flach und bilden eine ebene Ladefläche.

Gleiches gilt für die dritte Reihe. Gegen Aufpreis gibt es zwei Zusatzplätze, auf denen ich besser sitze, als ich dachte. Und genügend Kofferraum bleibt auch noch. Der ist ohnehin deutlich größer als der vom VW und schluckt zwischen 775 und 2035 Litern (Touareg 555/1570). Kein Zweifel: In Sachen Sportlichkeit und Raumausnutzung setzt der Q7 die Maßstäbe, ohne dabei Geländegängigkeit allzusehr zu vernachlässigen.

Fazit Q7 und Touareg sind unterschiedlicher, als ihre gemeinsame Abstammung vermuten läßt. Für mich ist der Audi nicht nur das schönere, sondern auch das bessere Auto, kostet aber auch mindestens 2200 Euro mehr als der Touareg. Und da geht es mir wie den meisten, die jetzt vom Q7 träumen: Hey Boß, ich brauch' mehr Geld.

Interesse an weiteren Fahrberichten und Vergleichstests? Hier eine kleine Auswahl – reichen 500 für den Anfang?

Hier ist Ihre Meinung gefragt

Ob ein Auto letztlich ankommt, wissen nur die Verbraucher selbst – also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig. Vergeben Sie eigene Noten für den Audi Q7 und den VW Touareg. Den Zwischenstand sehen Sie nach Abgabe Ihrer Bewertung.

Autor: Jörg Maltzan

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