Audi quattro concept: Sitzprobe

Audi quattro concept Audi quattro concept

Audi quattro concept: Sitzprobe auf dem Pariser Autosalon

— 05.10.2010

Verabredung mit einem Tier

Fünf Zylinder, Turbo, Allrad, 408 PS: Audi will mit dem quattro concept den Sport quattro aus den Achtzigern wiederbelebt haben. Aber geht das überhaupt – eine Legende wiederbeleben? autobild.de durfte Probe sitzen.

Mich einmal so fühlen wie Walter Röhrl. Das war mein großer Traum. Hinterm Steuer eines Audi Sport quattro Platz nehmen, statt mit dem 1:25-Modell über Lego-Berge und Wasserdurchfahrten aus Frischhalte-Folie zu brettern. Wahnsinn. Und nicht nur für einen Erstklässler schon 1987 unerreichbar. Denn bereits damals ist der Sport quattro ein Mythos. 300 Stück hat Audi ab 1983 bauen lassen, 220 waren nötig, um die FIA-Homologation für die Gruppe B der Rallye-WM zu bekommen. 32 Zentimeter kürzer als der Ur-Quattro, 306 PS stark, 1300 Kilo leicht – ein Rallye-Tier mit quattro-Antrieb, das Walter Röhrl noch heute das Grinsen ins Gesicht zaubert. Für mich blieb es beim Träumen. Audi zog sich 1987 aus dem Rallye-Zirkus zurück, und Papa kaufte einen Kombi. Aus der Traum? Fast. Denn er ist wieder da – oder zumindest sein Enkel. quattro concept heißt der dramatisch gekürzte Audi RS5, der den Sport quattro beerben könnte. Auf dem Pariser Salon 2010 habe ich ihn getroffen.

Der quattro concept lehnt sich nah an den Sport quattro aus den Achtzigern an, bleibt aber ein eigenständiges Auto.

Das Dach ist flach, die Backen breit. Das Vier-Augen-Gesicht, der Lufteinlass in der Haube, die steile A-Säule und die Dachkontur erinnern sofort an das Original. Historisch genau und trotzdem nicht kopiert wirkt der quattro concept. Einzig die Schnauze mit dem riesigen Kühler erinnert eher an den e-tron als an klassische Audi-Modelle. Die Linien der Muskelpakete bleiben nah dran am aktuellen RS5. Für den Karbon-Flügel am Heck stand der Treser-quattro Pate. Unterm Blech steckt ein RS5, dem 15 Zentimeter weniger Radstand und ganz viel Leichtbau-Maßnahmen 400 Kilo Gewicht von den Rippen haben schmelzen lassen. 4,28 Meter ist der quattro concept kurz – und 1300 Kilo schwer. Wie das Original 1984. Die kreativen Köpfe hinter dem Projekt: ein Team junger Designer aus dem Audi Advanced Design Studio in München unter der Leitung von Wolfgang Egger.

Überblick: News und alle Premieren des Pariser Autosalon 2010

Innen gibt es zwei bequeme Rennsitze und ganz viel Leder. Leider. Nacktes Blech wäre angebrachter gewesen.

Und die haben den quattro concept nicht nur außen schick gemacht. Türöffner berühren, eine Sekunde warten – dann springt die Fahrertür automatisch auf. Ein paar Oberflächen aus Alu und Karbon, ansonsten wabert der Geruch von teurem Leder durch die Kommandozentrale. Leider. Nacktes Blech hätte besser zum puristischen Anspruch gepasst. Das Lenkrad klebt förmlich an den Händen und vermittelt sofort das Gefühl, diesen Quattro-Knaller auch am Limit kontrollieren zu können. Gleiches gilt für die Pedalerie und den Schaltknauf des Sechsgang-Handschaltgetriebes. Cruisen im Feierabendverkehr oder heiße Zeitenjagd am Col de Turini? In diesem Cockpit ist theoretisch beides drin. Ihren Teil dazu bei trägt die gute Übersichtlichkeit. Zwei Drittel Auto vor einem, ein Drittel dahinter. Das reduziert zumindest gefühlt das Risiko, in einer Kehre anzuecken. Zwei bequeme Rennsitze besorgen den Rest. Dazu einen Kofferraum mit Platz für Helme, Käfig, Feuerlöscher und die Befestigungspunkte der Hosenträgergurte.

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Was man halt so braucht in einem Rallye-Auto. Das heißt aber nicht, dass auf moderne Technik verzichtet werden muss. Das Kombiinstrument direkt vor der Nase des Fahrers versorgt einen mit Informationen über Infotainment, Freisprecheinrichtung, Navi und vieles mehr. Bedient wird es mit sechs Tasten die so aussehen, als seien sie direkt aus einem Audi quattro der Achtziger explantiert worden. Das Navi kennt bereits heute originale Auszüge aus einem Roadbook der Rallye Monte Carlo von Christian Geistdörfer. Walter Röhrls kongenialer Co-Pilot begleitet das Projekt quattro concept als Pate und soll, festhalten, in Zukunft dem Navi seine Stimme leihen. Zukunft? Wie jetzt, doch kein einmaliger Retro-Anfall? Könnte sein. Denn Audi hat bereits am ersten Tag auf dem Pariser Salon alleine aus England 150 Vorbestellungen bekommen. Preis? Völlig egal. Mir aber nicht. Für das quattro concept wird's wieder nicht reichen. Aber vielleicht gibt's die Geistdörfer-Stimme ja irgendwann für mein mobiles Navi.

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