Audi R8 GT Spyder/Mercedes SLS Roadster: Test
Keine Gnade, kein Respekt, keine Limits

Nur keine Berührungsängste! Was können Audi R8 GT Spyder und Mercedes SLS Roadster wirklich? Wir haben sie um einen Rennkurs im Süden Spaniens gehetzt.
- Dierk Möller
- Stefan Voswinkel
Völlig verrückt, wie heutzutage mit Sportwagen umgegangen wird. Da trainieren ihnen die Ingenieure auf Millionen von Testkilometern messerscharfes Handling und blitzschnelle Schaltzeiten an, da quetschen die Entwickler auf dem Nürburgring auch noch das letzte Zehntelsekündchen aus ihren heraus – und wo fahren die Käufer dann später mit ihnen herum? Vor den örtlichen Eisdielen und auf den Prachtboulevards dieser Welt! Jede Wette: Einen Mercedes SLS Roadster oder Audi R8 GT Spyder werden Sie wahrscheinlich eher beim Shopping in der Innenstadt treffen als auf der Rennstrecke oder auf der einsamen Landstraße. Stopp! Nicht mit AUTO BILD.
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Platzhirsch im Revier der nach oben offenen Klasse deutscher 200.000-Euro-Renner: der Mercedes SLS.
Bild: Toni Bader
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Atemberaubend dynamisch: Die Lenkung des Audi R8 GT Spyder scheint die Ideallinie schon zu ahnen.
Bild: Toni Bader
Der SLS will beweisen, dass auch Mercedes in Sachen Sportwagen seit dem 300 SL in den 1950er-Jahren nichts verlernt hat. Den halbstarken Auftritt überlässt der Schwabe gern dem Emporkömmling aus Bayern. Entsprechend bequem ist auch der Einstieg. Die Sportsitze passen perfekt, lassen sich über die elektrische Verstellung auch großen Mitteleuropäern anpassen. Aber nicht täuschen lassen: Dreht der Fahrer den Zündschlüssel, ist es vorbei mit der Betulichkeit. Der Achtzylinder klingt beim Start, als sei man einer Raubkatze auf den Schwanz getreten. Jetzt nur nicht einschüchtern lassen. Den Minischalthebel auf D gezogen, das Doppelkupplungsgetriebe legt den ersten Gang ein. Vollgas und los.
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Vorteil Mercedes: Auf dem 5,5 Kilometer langen Rundkurs schlägt der SLS den R8 ganz knapp.
Bild: Toni Bader
Zurück in der Boxengasse zeigt sich: Der gefühlt langsamere SLS ist mit einer Rundenzeit von 2:36,24 Minuten einen Hauch schneller als der spektakuläre R8 GT Spyder. Allen Unterschieden zum Trotz haben die Roadster eines gemeinsam: Nach ein paar richtig schnellen Runden auf dem Ascari Race Resort zeigt sich, dass R8 GT Spyder und SLS Roadster viel mehr draufhaben, als nur zum nächsten Latte Macchiato um die Ecke zu fahren. Sie sind Fahrmaschinen, geschaffen für die Rennstrecke. Wahrscheinlich hat es ihnen gefallen, einmal zeigen zu können, was in ihnen steckt. Ohne Respekt. Ohne Gnade. Und mal so ganz ohne Limits.
Technische Daten Audi R8 GT Spyder: V10, Mitte längs • 4 Ventile pro Zylinder • Hubraum 5201 cm³ • Leistung 412 kW (560 PS) bei 8200/min • max. Drehmoment 540 Nm bei 6500/min • Allradantrieb • automatisiertes Sechsganggetriebe • Reifen 235/35 ZR 19 v., 305/30 ZR 19 h. • Länge/Breite/Höhe 4435/1904/1234 mm • Radstand 2650 mm • 0–100 km/h in 3,8 s • Spitze 313 km/h • Tankvolumen 80 l • Verbrauch EU-Mix 14,2 l Super plus • CO2 332 g/km • Preis ab 207.800 Euro.
Technische Daten Mercedes SLS Roadster: V8, vorn längs • 4 Ventile pro Zylinder • Hubraum 6208 cm³ • Leistung 420 kW (571PS) bei 6800/min • max. Drehmoment 650 Nm bei 4750/min • Hinterradantrieb • Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe • Reifen 265/35 ZR 19 v., 295/30 ZR 20 h. • Länge/Breite/Höhe 4638/1939/1261 mm • Radstand 2680 mm • 0–100 km/h in 3,8 s • Spitze 317 km/h • Tankvolumen 85 l • Verbrauch EU-Mix 13,2 l Super plus • CO2 308 g/km • Preis ab 195.160 Euro.
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Fazit
Unser knallharter Tracktest hat gezeigt: Audi R8 GT Spyder und Mercedes SLS Roadster sind waschechte Sportwagen – sauschnell und faszinierend. Der etwas zurückhaltendere Mercedes bietet gegenüber dem martialisch gestalteten Audi unterm Strich den besten Kompromiss aus Alltagstauglichkeit und sportlichem Talent – zumal er auf der Rennstrecke sogar ein wenig schneller ist. Keine Frage: Süchtig machen beide.
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