Audi R8 GT Spyder/Mercedes SLS Roadster: Test

— 19.09.2012

Keine Gnade, kein Respekt, keine Limits

Nur keine Berührungsängste! Was können Audi R8 GT Spyder und Mercedes SLS Roadster wirklich? Wir haben sie um einen Rennkurs im Süden Spaniens gehetzt.



Völlig verrückt, wie heutzutage mit Sportwagen umgegangen wird. Da trainieren ihnen die Ingenieure auf Millionen von Testkilometern messerscharfes Handling und blitzschnelle Schaltzeiten an, da quetschen die Entwickler auf dem Nürburgring auch noch das letzte Zehntelsekündchen aus ihren heraus – und wo fahren die Käufer dann später mit ihnen herum? Vor den örtlichen Eisdielen und auf den Prachtboulevards dieser Welt! Jede Wette: Einen Mercedes SLS Roadster oder Audi R8 GT Spyder werden Sie wahrscheinlich eher beim Shopping in der Innenstadt treffen als auf der Rennstrecke oder auf der einsamen Landstraße. Stopp! Nicht mit AUTO BILD.

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Platzhirsch im Revier der nach oben offenen Klasse deutscher 200.000-Euro-Renner: der Mercedes SLS.

Wenn wir schon eines von nur 333 Exemplaren des offenen R8 GT auf den Hof bekommen, wollen wir auch wissen, was der Audi wirklich draufhat. Schließlich betonen die Ingolstädter bei jeder Gelegenheit, dass in dem Roadster die Erfahrung von elf Le-Mans-Siegen steckt. Also ab auf die Rennstrecke – und den Mercedes SLS Roadster, den Flügeltürer ohne Flügeltüren, gleich mitgenommen. Schließlich ist er der Platzhirsch im Revier der nach oben offenen Klasse deutscher 200.000-Euro-Renner. Nur wohin in diesem Sommer? Nürburgring? Da regnet es noch mehr als in Hamburg. Fällt also aus. Hockenheim? Schon besser, aber ein bisschen zu langweilig. Im Süden von Spanien, irgendwo im Niemandsland zwischen Málaga und Ronda, sind wir schließlich fündig geworden. Das Ascari Race Resort hat alles, was wir für diesen Extremtest brauchen: Sonne garantiert und Kurven wie sonst nur in der Eifel – nichts für Weicheier und Latte-Macchiato-Renner. Motto: Kein Respekt (typisch AUTO BILD), keine Gnade (typisch Voswinkel), keine Limits (typisch Möller-Sonntag).

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Atemberaubend dynamisch: Die Lenkung des Audi R8 GT Spyder scheint die Ideallinie schon zu ahnen.

Also los. Aber gar nicht so leicht. Schon beim Einsteigen zwickt der Audi trotz offenen Dachs. Einen langen Schritt über den breiten Schweller, den Po über die Sitzwange des Rennschalensitzes gewuchtet. Der passt wohl nur magersüchtigen Zwergen richtig gut. Geschenkt. Fuß auf die Bremse, Getriebe auf N, der Motor heult auf wie ein tollwütiger Wolf. Nur mit deutlichem Rucken lässt sich der erste Gang des sequenziellen Getriebes einlegen. Hoppelnd fährt der Audi los – doch dann dreht der Zehnzylinder explosionsartig hoch und jagt dem Fahrer eine Gänsehaut über den Rücken. Vor der ersten Kurve stauchen diesen die Keramikbremsen zusammen, die Lenkung scheint die Ideallinie zu ahnen. Mit leichtem Übersteuern geht es aus der Schikane – und mit wild trompetendem Motor weiter über den Kurs. Mit den Paddeln hinter dem kleinen Alcantaralenkrad lassen sich die sieben Gänge fast wie im Rennwagen durchflippern. Fühlt sich richtig schnell an. Ist es auch. Eine Zeit von 2:36,90 Minuten ist auf dem knapp 5,5 km langen Kurs des Ascari Race Resort eine Ansage. Zurück in der Boxengasse, quälen wir uns aus dem nur 1,23 Meter flachen Audi.

Der SLS will beweisen, dass auch Mercedes in Sachen Sportwagen seit dem 300 SL in den 1950er-Jahren nichts verlernt hat. Den halbstarken Auftritt überlässt der Schwabe gern dem Emporkömmling aus Bayern. Entsprechend bequem ist auch der Einstieg. Die Sportsitze passen perfekt, lassen sich über die elektrische Verstellung auch großen Mitteleuropäern anpassen. Aber nicht täuschen lassen: Dreht der Fahrer den Zündschlüssel, ist es vorbei mit der Betulichkeit. Der Achtzylinder klingt beim Start, als sei man einer Raubkatze auf den Schwanz getreten. Jetzt nur nicht einschüchtern lassen. Den Minischalthebel auf D gezogen, das Doppelkupplungsgetriebe legt den ersten Gang ein. Vollgas und los.

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Vorteil Mercedes: Auf dem 5,5 Kilometer langen Rundkurs schlägt der SLS den R8 ganz knapp.

Die majestätische Haube hebt sich Richtung Himmel – fast so, als lege ein Rennboot ab. Mit hartem Achtzylinderhämmern dreht der Motor bis in den roten Bereich – und anders als im Audi gibt es keine wilden Schläge oder Zugkraftunterbrechungen beim Gangwechsel. Wirkt unspektakulärer hat aber Vorteile. Das haben sie bei Audi inzwischen erkannt und schicken den facegelifteten R8 ab Herbst auch mit einer Doppelkupplungsbox auf die Straßen. In Kurven wirkt der Mercedes zunächst weniger sportlich als der Audi. Er neigt sich stärker zur Seite, die Lenkung scheint im Vergleich wie in Watte gepackt. Und auch die Bremsen beißen nicht ganz so giftig zu wie die Keramikstopper des Ingolstädters. Auf der anderen Seite ist der SLS mit seinem Transaxle-Antrieb (Motor vorn, Getriebe und Antrieb an der Hinterachse) nahezu perfekt ausbalanciert, lässt sich wie ein Rennwagen mit dem Gaspedal lenken. Und auch der Achtzylinder des Mercedes hat trotz anerkannter Boulevard-Manieren eine dunkle Seite: Klettert die Drehzahl über 4000 Touren, wird er bissig wie ein Pitbull, hämmert laut und hart wie ein alter DTM-Motor und drückt die Passagiere so unnachgiebig in die Sitze wie ein Jet beim Start.

Zurück in der Boxengasse zeigt sich: Der gefühlt langsamere SLS ist mit einer Rundenzeit von 2:36,24 Minuten einen Hauch schneller als der spektakuläre R8 GT Spyder. Allen Unterschieden zum Trotz haben die Roadster eines gemeinsam: Nach ein paar richtig schnellen Runden auf dem Ascari Race Resort zeigt sich, dass R8 GT Spyder und SLS Roadster viel mehr draufhaben, als nur zum nächsten Latte Macchiato um die Ecke zu fahren. Sie sind Fahrmaschinen, geschaffen für die Rennstrecke. Wahrscheinlich hat es ihnen gefallen, einmal zeigen zu können, was in ihnen steckt. Ohne Respekt. Ohne Gnade. Und mal so ganz ohne Limits.

Technische Daten Audi R8 GT Spyder: V10, Mitte längs • 4 Ventile pro Zylinder • Hubraum 5201 cm³ • Leistung 412 kW (560 PS) bei 8200/min • max. Drehmoment 540 Nm bei 6500/min • Allradantrieb • automatisiertes Sechsganggetriebe • Reifen 235/35 ZR 19 v., 305/30 ZR 19 h. • Länge/Breite/Höhe 4435/1904/1234 mm • Radstand 2650 mm • 0–100 km/h in 3,8 s • Spitze 313 km/h • Tankvolumen 80 l • Verbrauch EU-Mix 14,2 l Super plus • CO2 332 g/km • Preis ab 207.800 Euro.

Technische Daten Mercedes SLS Roadster: V8, vorn längs • 4 Ventile pro Zylinder • Hubraum 6208 cm³ • Leistung 420 kW (571PS) bei 6800/min • max. Drehmoment 650 Nm bei 4750/min • Hinterradantrieb • Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe • Reifen 265/35 ZR 19 v., 295/30 ZR 20 h. • Länge/Breite/Höhe 4638/1939/1261 mm • Radstand 2680 mm • 0–100 km/h in 3,8 s • Spitze 317 km/h • Tankvolumen 85 l • Verbrauch EU-Mix 13,2 l Super plus • CO2 308 g/km • Preis ab 195.160 Euro.
Wertung Punkte max. Mercedes Audi
Alltagstauglichkeit 10 5 3
Sitze/Sitzposition 20 18 15
Motoreigenschaften 20 19 18
Fahrleistungen 30 30 30
Getriebe/Schaltung 20 19 12
Sound 10 10 10
Fahrsicherheit 25 24 22
Handling 20 20 18
Rundenzeit 15 15 14
Lenkung 20 18 18
Bremsen 30 28 30
Verbrauch 20 10 10
Kosten 10 4 4
Gesamt 250 220 204
Platzierung 1. 2.


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Kein Respekt, keine Gnade, keine Limits!

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Mercedes-Benz SLS Roadster, Audi R8 GT Spyder

Veröffentlicht:

12.09.2012

Preis:

1,00 €


Autoren: Dierk Möller-Sonntag, Stefan Voswinkel



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